Kulmbach
Demonstration

"Fridays for Future": Auch Kulmbacher Kinder geben sich kämpferisch

Unter dem Motto "Wir streiken, bis ihr handelt" gingen gestern in Kulmbach mehr als 100 Jugendliche auf die Straße.
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Eindrücke von der Demo auf dem Marktplatz. Foto: Uschi Prawitz
Eindrücke von der Demo auf dem Marktplatz. Foto: Uschi Prawitz
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Nein, junge Leute demonstrieren nicht nur, um die Schule zu schwänzen. Das zeigten mehr als 100 Jugendliche am Freitagnachmittag auf dem Kulmbacher Marktplatz. Unter dem Motto "Wir streiken, bis ihr handelt" hatte das örtliche Organisationsteam rund um die Schülerinnen Laura Meile, Sina Keis-Lechner, Alina Reinhardt und Lilli Mücke zu einer "Fridays for Future"-Demo aufgerufen. "Wir wollen wachrütteln und darauf hinweisen, wie wichtig die bevorstehende EU-Wahl ist", sagte Laura Meile. Sie sei auch eine Klimawahl, denn "das EU-Parlament ist das letzte Parlament, das großartig etwas verändern und das Schlimmste noch verhindern kann."

Viele trauten sich ans Mikrofon

Nach und nach trauten sich immer mehr Jugendliche , das Podium zu betreten und den Anwesenden ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Motivation und ihre Hoffnungen mitzuteilen. "Ich habe das Gefühl, dass es in der Politik oft nur darum geht, Unternehmen zu retten", sagte Sina Lechner, doch wo bleibe der Mensch? Sie begrüßte es, dass durch die weltweite Initiative "Fridays for Future" der Klimawandel endlich die Aufmerksamkeit und den Druck bekomme, den er brauche. "Und wir können noch etwas erreichen!"

Der 17-jährige Michael Schneider warnte vor den Auswirkungen, sollten das Erwärmungs-Ziel von 1,5 Grad nicht erreicht werden. "Mehr als 400 Millionen Flüchtlinge werden dann erwartet, weil wir es nicht schaffen." Er fahre täglich Rad oder laufe zur Schule und engagiere sich im Umweltschutz, das sollten ihm viele gleich tun.

Nicht klein und dumm

Auch die 16-jährige Jasmin Prawitz forderte dazu auf, endlich etwas zu tun, denn von der Politik fühle sie sich verschaukelt. "Jetzt wurde ein Klimakabinett gegründet, um sich einen Überblick zu verschaffen, wir haben aber keine Zeit mehr zum Reden." Insbesondere seien sie nicht die kleinen, dummen Kinder, die keine Ahnung hätten. "Wir sind Kämpfer, die wissen, was sie tun, und die von echten Experten unterstützt werden."

Die Unterstützung seitens des Landkreises stellte die Klimaschutzbeauftragte Ingrid Flieger in Aussicht: "Wir wollen auf Landkreisebene eine Klimawerkstatt einrichten und eure Anregungen aufnehmen und umsetzen", sagte sie und lud alle interessierten Jugendlichen ein, zur Sitzung des Umweltausschusses am 6. Juni um 14 Uhr ins Landratsamt zu kommen.

Die grüne Bezirkstagsvizepräsidentin Dagmar Keis-Lechner sprang den Jugendlichen ebenfalls zur Seite und entschuldigte sich im Namen aller Erwachsenen. "Es tut uns leid, dass wir die Jugend da hineinmanövriert haben, wir tun unser Bestes, euch hier wieder herauszuhelfen."

Jeder kann selbst etwas tun

Weiterhin forderte sie Europa auf, in die Gesichter der Kinder und Jugendlichen zu blicken, die heute hier stünden und ein Anrecht auf ihre Zukunft hätten. "Deshalb rufe ich dir heute zu: Europa, ruf den Klimanotstand aus und handele!"

Vor Ort und im kleinen Rahmen kann schon jeder seinen eigenen Beitrag leisten, wie etwa Lasse (16) und Luca (17). "Denkt einmal darüber nach, wo und wieviel Klamotten ihr kauft", richtete sich Lasse an die Zuhörer. "Und dann fragt euch: Brauche ich das?" Weiterhin seien er und Luca am 1. Mai auf einer Wanderung gewesen und hätten leere Müllbeutel mitgenommen. "Wir wurden zwar teilweise komisch angeschaut, aber wir haben den Weg entlang allen Müll aufgesammelt, den wir finden konnten, und diesen dann entsorgt." Positive Aufbruchstimmung also auf dem Marktplatz. Man hatte das Gefühl, dass die Jugendlichen jetzt wirklich etwas anpacken, etwas bewegen wollen.

Lied zum Abschluss

Diese motivierte Stimmung unterstrichen Sophie Gerke und Anna-Lena Müller mit einem Lied, in das alle Anwesenden mit einstimmten. Nach der bekannten Melodie von "Bella Ciao", einem Lied, das die italienischen Partisanen im Kampf gegen den Faschismus einst zu ihrer Hymne machten, sangen sie: "We need to wake up!"

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