Kulmbach
Menschenraub

Frau telefonierte mit Entführern: "Wir werden ihn umbringen"

Im Strafprozess gegen vier Iraner wegen Menschenraub wurden vom Landgericht Bayreuth am Dienstag mehrere Zeugen befragt.
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Symbolbild:  Nicolas Armer/dpa
Symbolbild: Nicolas Armer/dpa

Im Strafprozess gegen vier Iraner wegen Menschenraub wurden vom Landgericht Bayreuth am Dienstag mehrere Zeugen befragt. Sie hatten entweder gesehen, wie der Mann beim Bahnübergang in der Kronacher Straße in eine schwarze Limousine gezerrt wurde, oder bekamen Anrufe mit Geldforderungen.

Die vier Angeklagten - drei aus Köln, einer aus Braunschweig - wurden wieder mit Fußfesseln aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Ihnen wird vorgeworfen, vor einem Jahr einen Landsmann aus Kulmbach entführt zu haben. Die drei Kölner haben die Tat bereits gestanden.

Demnach brachten sie den 38-jährigen Kulmbacher in ihre Gewalt, um Geld von ihm zurückzufordern. Angeblich soll er 5000 beziehungsweise 1500 Euro bekommen haben, um Verwandte oder Freunde der Angeklagten aus dem Iran nach Deutschland zu schleusen. Die Gegenleistung für die Zahlungen habe er aber nicht erbracht. Das Opfer gab an, während der Autofahrt auf der Autobahn geschlagen und mit Messern verletzt worden zu sein. Erst nach dreieinhalb Stunden, so der Mann, hätten ihn seinen Peiniger gegen 22 Uhr in Offenbach freigelassen. Er habe bis heute Angstzustände und nehme Psychopharmaka.

Gestern befragte die Strafkammer unter anderem einen Iraner, der an dem Abend mit dem Geschädigten auf der Straße unterwegs war. Die Entführung sei ganz schnell gegangen, "ich war wie versteinert". Er sei sofort nach Hause geeilt, habe die Polizei angerufen und sie zum Tatort geführt. Er und seine Familie, so der Zeuge, hätten bis heute Angst.

Zeugin: Opfer weinte

Seine Frau bekam später zwei Anrufe von den Entführern. Ihre Telefonnummer war im Handy des Kulmbachers unter "Schwester" gespeichert. "Wir sind nicht verwandt", sagte die Zeugin, "er ist Kurde wie wir."

Sie konnte sich genau erinnern, dass die fremde Stimme drohte: "Wir werden ihn umbringen, liquidieren, wenn er nicht bezahlt." Sie habe gehört, wie das Opfer weinte und rief: "Helft mir." Bevor sie aus Angst auflegte, habe sie zu dem Fremden gesagt: "Was Sie gemacht haben, ist Menschenentführung."

Laut Zeugin dauerte das Gespräch 58 Sekunden. Später habe sich der Anrufer noch einmal gemeldet und wiederholt, dass "er oder seine Familie" das Geld zurückgeben sollen, "sonst kommt er nicht frei".

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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