Marienweiher
Kabarett

Frankensima zog bei den Klosterspitzen vom Leder

Philipp Simon Goletz hat eine Mission. Der Frankensima sorgt dafür, dass der Anlass, der vor fünf Jahren zu den ersten "Klosterspitzen" in Marienweiher führte, nicht in Vergessenheit gerät. So zog der Barde bei der Neuauflage im Klosterdorf wieder so richtig vom Leder.
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Der Landrauenchor unter der Leitung von Ulrike Böhmann war bei den Klosterspitzen zum ersten Mal dabei. Fotos: Sonja Adam
Der Landrauenchor unter der Leitung von Ulrike Böhmann war bei den Klosterspitzen zum ersten Mal dabei. Fotos: Sonja Adam
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Die Provinzposse um Wolfgang Protzner ist längst in ein Lied gefasst - in das Erkennungslied des Klosterspitzenfestivals. Der langjährige Fürsprecher und Förderer der Wallfahrtsbasilika hatte einst mit seiner scharfen Kritik an der Münchner Verwaltung ("dem haben sie doch ins Hirn gesch...") für Schlagzeilen gesorgt. Damals hatte Protzner, selbst CSU-Mitglied, von den Plänen eines Verkaufs des Klosters erfahren.

Nun, der Prozess gegen den streitbaren Professor ging gut aus - für den engagierten Kämpfer ebenso wie für die Basilika. Das mächtige Gotteshaus ist saniert, die Modernisierung des Klosters läuft, und der Freistaat zahlt. Die Franken gingen mit gestärktem Selbstbewusstsein aus dem Streit hervor. Aber die Wachsamkeit gegen oberbayerische Ideen ist geblieben. "Damit die da oben nicht denken, die sind die da oben", leutete folglich auch in diesem Jahr das Motto der "Klosterspitzen".

Und obwohl der Frankensima selbst für die Freien Wähler in die Politik eingestiegen ist, hat er sich seine Frotzeleien gegen die Obrigkeit bewahrt und nahm kein Blatt vor den Mund. "Die Gedanken sind frei", sang er mit Blick auf die Bespitzelungsaffäre, die derzeit für Schlagzeilen sorgt. Auch das ironische Lied "Es klappern die Franken vor Münchener Macht, klipp-klapp" durfte nicht fehlen. "Ich danke der Verwaltung", betonte der Frankensima und fügte hinzu, dass es die Menschen und die Politik sind, die den Stoff für sein Programm liefern.

"Windeln und Politiker müssen regelmäßig gewechselt werden", frotzelte der Barde, nahm den Veggie-Tag auf die Schippe und den Neudeutsch-Wahn. Bei den Themen Gesundheit und Renten-Politik wurde Goletz so richtig wild. Da griff er besonders tief in die Tasten seines Akkordeons.



Fränkisch frech zeigten sich aber auch zwei Klosterspitzen-Neulinge. Der bekannte Nürnberger Kabarettist Jürgen Leuchauer lieferte herrliches fränkisches "G'schmarri". Sein Lebensmotto lautet: "Das Lebm is zu koz fir a langs Gsicht". Der Mittelfranke entfachte mit seiner Gitarre ein wahres Lachfeuerwerk.

Auch "der Heiner" aus Bayreuth hatte es faustdick hinter den Ohren. Er erzählte, warum er seit einem Saunabesuch keinen weißen Presssack mehr isst, berichtete von der schönen neuen Handywelt und von seinem Versuch, einfach nur einen Kaffee in einem Schnell-Café zu bestellen. Köstlich ferner seine ganz persönliche Erfahrung mit Richard Wagner. Helga Weiske aus Rugendorf hatte einige Mundartgeschichten parat. Bei den Klosterspitzen 2013 gab es zudem gute musikalische Unterhaltung. Der Landfrauenchor feierte Premiere im Klosterdorf, und die Untersteinacher Blasmusik sorgte für beste musikalische Unterhaltung.

Lothar Huber konnte es bei seiner kleinen Zwischenmoderation nicht lassen, so manches aktuelle politische Thema pointiert aufzugreifen. "Marktleugast ist die abhörsicherste Gemeinde im ganzen Landkreis. Da wissen nicht einmal die Bürgermeisterkandidaten, dass sie Kandidaten sind oder eben nicht mehr sind", frotzelte er in Anspielung auf das Nominierungsdebakel um die Freien Wähler an. Aber solche Sprüche gehören bei den "Klosterspitzen" ja zum Programm, und werden bei so einem Anlass jedem verziehen - sogar dem gelben Bruder...
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