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Untersteinach
Kommunalwahl

Frage an die Landrats-Kandidaten: Sind Umgehungen wie Untersteinach noch zeitgemäß?

Ein Zukunfts-Thema ist die Mobilität und die damit verbundene Frage: Braucht man so gewaltige Umgehungen wie in Untersteinach oder Kauerndorf? Das haben wir die Landrats-Kandidaten Klaus Peter Söllner (FW), Theresa Weith (SPD) und Oswald Greim (Linke) gefragt.
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Die Dimension der Untersteinacher Umgehung hat so manchen überrascht. Foto: Jürgen Gärtner
Die Dimension der Untersteinacher Umgehung hat so manchen überrascht. Foto: Jürgen Gärtner
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Einen Wecker braucht Landrat Klaus Peter Söllner (FW) unter der Woche nicht. Er wohnt direkt an der vielbefahrenen Ortsdurchfahrt von Stadtsteinach und wird früh am Morgen durch das Rumpeln der schweren Lastwagen geweckt, die an seinem Haus vorbei donnern. Deshalb hat er Verständnis, wenn Bürger den Wunsch nach einer Umgehungsstraße äußern. So wie in Untersteinach, Melkendorf, Kauerndorf und auch Stadtsteinach.

Das Thema Verkehr bildete einen zentralen Punkt im Redaktionsgespräch mit den drei Landrats-Kandidaten - zu denen neben Söllner noch Theresa Weith (SPD) und Oswald Greim (Linke) gehören.

"Die Menschen haben viele Jahre um die Umgehungen gekämpft", sagte Söllner, der darauf verwies, dass in Untersteinach zwar ein enormer Landschaftsverbrauch stattgefunden, aber die Mehrheit der Bevölkerung sich die neue Straße gewünscht habe.

Oswald Greim hätte dagegen erst die Umgehung Stadtsteinach gebaut und dann erst die für Untersteinach. Stadtsteinach hätte die Umfahrung nötiger. Und er erinnerte an "den Jubel aus Untersteinach", als seinerzeit die Ortsdurchfahrt ausgebaut wurde. Damals sei man bei dem Hinweis, dass die Straße nur Verkehr anziehe, ausgelacht worden.

Mit Blick auf Stadtsteinach erklärte Greim, dass die Eisenbahnlinie dort zurückgebaut und auf Individualverkehr mit Auto und Straße gesetzt wurde. "Deshalb hätte man überlegen können, ob man nicht wieder den Verkehr auf die Schiene bringt, bevor man eine Umgehung baut."

"Wenn es den Leuten wichtig ist, wird man auch weiterhin Umgehungsstraßen bauen", erklärte Theresa Weith. Allerdings müsse man im Auge behalten, wie sich die Mobilität entwickle. Und sie verwies darauf, dass nicht jedem die Dimension der Umgehung von Untersteinach bewusst gewesen sei.

Straßen sind ohnehin ein großes Thema. Fast 200 Kilometer muss der Kreis unterhalten, wie Landrat Söllner ergänzend feststellte und erklärte, was neben den großen Umgehungen noch ansteht: So muss die Strecke Kasendorf-Zultenberg ertüchtigt werden, ebenso die Brücke bei Langenstadt. "Und dann wird es auch noch Döllnitz geben."

Damit zum Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Hier sah Theresa Weith Nachholbedarf: "Andere Landkreise wie Kronach und Bayreuth haben eine Vorreiterrolle übernommen." Dort würden alle Mobilitätskonzepte berücksichtigt, inklusive des autonomen Fahrens. "Wir könnten von ihnen lernen und Erfahrungen übernehmen."

Den Vorwurf, Nachholbedarf zu haben, wies Söllner "aufs Schärfste zurück". Auf Antrag der Grünen sei sogar ein Nahverkehrsplan erstellt und einstimmig abgesegnet worden. Man habe Lücken geschlossen, viele Verbesserungen vorgenommen. Ein Problem räumte der Landrat aber ein: "Das Angebot ist nicht überall bekannt." Das müsse sich ändern. Er stellte auch in Aussicht, den Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) bis 2023 zu schaffen.

Oswald Greim hatte einen Vorschlag parat, wie man für die Jugend den ÖPNV attraktiver machen kann mit dem Ziel, dass später vielleicht auf das Auto verzichtet wird: "Bis 18 Jahre sollten alle zum Null-Tarif Bus und Bahn fahren dürfen."

Bei der Elektrifizierung der Eisenbahn auf der Oberfrankenachse sind den Lokal-Politikern die Hände gebunden: "Ich sehe in den nächsten drei Jahren hier keine Lösung", sagte Söllner. Weith ergänzte: "Ich finde es schade, dass das nicht Priorität hat." Greim schlug eine Alternative zur Elektrifizierung vor: den Antrieb der Loks mit Wasserstoff. "Die Technik ist da."