Stadtsteinach
Natur

Forstexperten geben Käferalarm

Drei Jahre hatten die Waldbesitzer und die Forstexperten einigermaßen Ruhe, doch jetzt bahnt sich größeres Unheil in den Wäldern an: Beim Borkenkäfer baut sich ein größerer Bestand auf.
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Die beiden Revierförster Anja Mörtlbauer und Frank Hömberg zeigen Rinde mit dem typischen Fraßbild des Borkenkäfers; im Hintergrund Michael Schneider, Bereichsleiter der Außenstelle Stadtsteinach des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Kulmbach. Foto: Matthias Beetz
Die beiden Revierförster Anja Mörtlbauer und Frank Hömberg zeigen Rinde mit dem typischen Fraßbild des Borkenkäfers; im Hintergrund Michael Schneider, Bereichsleiter der Außenstelle Stadtsteinach des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Kulmbach. Foto: Matthias Beetz
"Die lange anhaltende Trockenheit und die enorme Hitze der vergangenen Wochen haben den Wasserhaushalt der fichtendominierten Wälder gestört", erklärt Michael Schneider, Bereichsleiter der Außenstelle Stadtsteinach des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Kulmbach. Will heißen: Im Wald ist höchste Aufmerksamkeit geboten, damit sich der Schädling nicht beliebig ausbreiten kann.

Zwei winzige Insekten sind es, die unter dem Sammelbegriff Borkenkäfer zum Synonym für abgestorbene Wälder und immense Schäden geworden sind: Der fünf bis sechs Millimeter große Buchdrucker, der vor allem stärkere Fichten angeht; und der etwa zwei Millimeter große Kupferstecher, der junge Bestände befällt.

"Die bohren sich jetzt in den geschwächten Stamm ein", erklärt Michael Schneider. Zwischen Rinde und Holz legen sie ihre Larven ab, die sich dann später ebenfalls einfressen.
Damit unterbrechen sie den Wassertransport in die Krone und den Nährstofftransport in die Wurzel. "200 Käfer reichen aus, um einen Stamm zum Absterben zu bringen", betont Schneider und weist darauf hin, dass sich die Bäume vor der großen Trockenheit noch selbst durch Harzen wehren konnten. Das ist jetzt vorbei.

Die einzige Chance, der Situation Herr zu werden, ist erhöhte Aufmerksamkeit, sagt auch Revierförster Frank Hömberg. "Alle 14 Tage die Bestände kontrollieren", gibt Michael Schneider als Maßgabe vor. Und: "Wenn der Käfer drin ist, dann muss man das Holz ganz schnell nutzen."

Auch Restholz muss raus

Entweder der Waldbesitzer fällt die betroffenen Bäume und entrindet sie. Oder die gefällten Bäume werden sofort zur Weiterverwertung abtransportiert. Auch Kronen, Äste und sonstiges Restholz, das zur Nutzung als Hackschnitzel vorgesehen ist, dürfen derzeit nicht mehr im Wald verbleiben, betont Frank Hömberg.

Einziger Trost für die Waldbesitzer: Der Holzpreis ist momentan relativ hoch, so dass sich Erlöse erzielen lassen. Förderungen für die Beseitigung von Käferholz gibt es hingegen nicht mehr. Wer selbst das Schadholz nicht aufarbeiten kann, dem empfiehlt Michael Schneider den Kontakt zur Waldbesitzervereinigung.

Einen Befall ignorieren, das geht allerdings gar nicht. Die Forstbehörden sind zur Überwachung verpflichtet und können sogar eine Ersatzvornahmen veranlassen. "Bußgeld inklusive", so Frank Hömberg.

Wie man einen Borkenkäferbefall am Stamm erkennt? "An den typischen Bohrlöchern", erklärt Frank Hömberg und verweist besonders darauf, dass die Bäume "sozusagen von oben nach unten befallen" werden. Und am Bohrmehl, das allerdings durch die Starkregen der vergangenen Tagen weitgehend abgewaschen sein dürfte. Frühzeitig fallende Nadeln sind ein weiteres Kennzeichen. Und auch die Natur selbst gibt Hinweise: "Wenn die Spechte am Baum klopfen, suchen sie nach Käferlarven", erklärt Michael Schneider.

Dass sich das gefährdete Gebiet eingrenzen ließe, das kann Michael Schneider leider nicht sagen. Im Grunde sind alle Wälder im Landkreis betroffen, speziell aber die fränkische Linie und alle trockenen Standorte in Süd-West-Hanglage.
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