Kulmbach
Foodsharing

Foodsharing in Kulmbach: Lebensmittel gehören auf den Teller statt in die Tonne

Die Initiative Foodsharing will auch in Kulmbach aktiv werden, um der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu gebieten.
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Annegret Schmidt und Dustin Hofknecht sind Lebensmittelretter. Foto: Katrin Geyer
Annegret Schmidt und Dustin Hofknecht sind Lebensmittelretter. Foto: Katrin Geyer

18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen einer Studie des WWF zufolge jedes Jahr in Deutschland auf dem Müll - das ist fast ein Drittel der gesamten Lebensmittelproduktion. 16 Tonnen werden allein in Bayreuth weggeworfen. Täglich. Das sind 16 000 Kilogramm - so viel wie 16 000 Zweipfünder-Brotlaibe.

"Aber Lebensmittel gehören auf den Teller. Nicht in die Tonne", sagt Annegret Schmidt. Die Bayreutherin engagiert sich bei der Organisation Foodsharing. Ihr Ziel: Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Foodsharing bedeutet auf Deutsch soviel wie "Essen teilen". Die 2012 in Berlin gegründete Initiative, die ausschließlich ehrenamtlich und unentgeltlich arbeitet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lebensmittel, die noch genießbar sind, dort abzuholen, wo sie nicht mehr benötigt werden - und an die zu verteilen, die damit noch etwas anfangen können.

"In vielen Läden werden zum Beispiel Netze mit Zitronen weggeworfen, wenn eine Zitrone gammelt", erläutert Annegret Schmidt. "Die Geschäfte haben kein Personal, das die noch verwertbaren Zitronen aussortiert. Und sie haben auch gar nicht die Möglichkeit, über ihre Kasse lose Zitronen abzurechnen." Hier tritt Foodsharing auf den Plan. Und das, wenn es nach Annegret Schmidt und Dustin Hofknecht geht, künftig auch in Kulmbach und Umgebung.

Foodsharing ist bundesweit streng durchorganisiert: In einzelnen Bezirken vertreten sogenannte Botschafter die Initiative nach außen. Seit einem Jahr gibt es den Bezirk Bayreuth-Land, für den Annegret Schmidt als Botschafterin aktiv ist.

Unterstützt wird sie vom Mainleuser Dustin Hofknecht, der als Student in Würzburg schon Foodsharing-Erfahrung gesammelt hat. "Einen eigenen Bezirk Kulmbach wird es erst einmal nicht geben", sagen sie. "Dazu sind hier noch zu wenige Menschen aktiv." Deshalb ist bis auf weiteres der Bezirk Bayreuth-Land für den Raum Kulmbach mit zuständig.

Aber immerhin: Den einen oder anderen potenziellen Kooperationspartner gibt es bereits - und damit die Chance, auch in Kulmbach künftig Lebensmittel zu "retten". Wie funktioniert Foodsharing? Die Botschafter der einzelnen Bezirke suchen nach Kooperationspartnern. Das können Lebensmittelgeschäfte sein, aber auch Gaststätten. Diese melden sich, wenn sie überschüssige Lebensmittel abzugeben haben. Das können Waren mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sein oder mit beschädigter Verpackung, aber auch die Reste von einem Party-Catering. Die Foodsharer holen diese Lebensmittel ab (möglichst klimafreundlich zu Fuß oder mit dem Rad) und sorgen für die Verteilung. Die erfolgt immer kostenlos. Wie wird verteilt? Die Lebensmittelretter organisieren sich in Facebook- oder Whatsapp-Gruppen. Dort wird mitgeteilt, welche Lebensmittel zur Verfügung stehen und wo sie abgeholt werden können. In größeren Orten wie Bayreuth gibt es auch "Fair-teiler-Stellen". Das sind öffentlich zugänglich Räume, in denen Lebensmittel gelagert werden und von jedermann abgeholt werden können. Wer hat ein Auge darauf, dass Hygiene und Sauberkeit gewährleistet sind? Der feste Stamm der Foodsharing-Mitarbeiter sorgt für eine regelmäßige Sichtkontrolle der Lebensmittel und die regelmäßige Reinigung des "Fair-teilers". Wer garantiert dafür, dass die Lebensmittel noch einwandfrei und ohne gesundheitliche Bedenken genießbar sind? Da ist jeder, der sich bedient, selbst in der Verantwortung. Nudeln, Reis oder Konserven seien weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar, sagen Annegret Schmidt und Dustin Hofknecht. Bei Milchprodukten empfehle es sich, den eigenen Sinnen zu vertrauen. Durch einen Haftungsausschluss kann auch der Abgeber nicht verantwortlich gemacht werden. Ist Foodsharing nicht eigentlich nur eine raffinierte Gelegenheit, kostenlos an Lebensmittel zu kommen, die man sich sonst kaufen müsste? Das dementieren die Verantwortlichen. "Es geht uns gar nicht darum, hier Geld zu sparen", sagt Annegret Schmidt. "Sondern darum, noch verwertbare Lebensmittel vor der Mülltonne zu bewahren. "Das hat viel mit Wertschätzung für Nahrung und für die, die sie herstellen, zu tun." Wünschenswert sei es, die Initiative eines Tages überflüssig zu machen. Gibt es da schon positive Beispiele? Annegret Schmidt verweist auf einen Lebensmittelmarkt in Bayreuth, wo sie früher dreimal in der Woche Ware abgeholt hat. "Die haben ihr Bestellsystem so erfolgreich geändert, dass wir jetzt nur noch hin und wieder auf Abruf kommen - weil nicht mehr viel übrig ist." Auch die "Tafeln" holen nicht mehr zu verkaufende Lebensmittel ab. Gibt es da eine Konkurrenz? Foodsharing stellt in einer Informationsschrift fest: "Diese Organisationen haben immer Vorrang!" Wo kann man sich informieren, wenn man Lebensmittel spenden oder selbst Lebensmittelretter werden will? Informationen gibt es auf den Internet-Seiten www.foodsharing.deund www.transition-bayreuth.de (Initiativen). Wenn es um konkrete Aktionen vor Ort geht, stehen Annegret Schmidt (a.schmidt3@foodsharing.network) und Dustin Hofknecht (d.hofknecht@foodsharing.network) zur Verfügung.

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