Himmelkron
Ehrenamt

Förderverein unterstützte Behinderte mit 500.000 Euro

Wenn der Staat nicht hilft, springen die "Freunde und Förderer der Himmelkroner Heime" ein. Der Verein hat unter der Führung von Erich Popp in den vergangenen 25 Jahren rund eine halbe Million Euro zugunsten behinderter Menschen zusammen getragen.
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Die Anschaffung einer Rollstuhlfahrer-Schaukel mit Fallschutz gehörte zu den Projekten, die der Verein "Freunde und Förderer der Himmelkroner Heime" umgesetzt hat. Kosten: rund 8000 Euro. Foto: Werner Reißaus
Die Anschaffung einer Rollstuhlfahrer-Schaukel mit Fallschutz gehörte zu den Projekten, die der Verein "Freunde und Förderer der Himmelkroner Heime" umgesetzt hat. Kosten: rund 8000 Euro. Foto: Werner Reißaus
Wenn es den Verein "Freunde und Förderer der Himmelkroner Heime" noch nicht geben würde, müsste man ihn schnellstens aus dem Boden stampfen. Zum Glück gab es aber vor genau 25 Jahren einen illustren Kreis ehrenwerter Männer und Frauen, die diese Einrichtung ins Leben gerufen haben. Zwei Fakten sind dabei bemerkenswert: Seit 25 Jahren steht der frühere Studiendirektor Erich Popp aus Bayreuth an der Spitze des Vereins, und im vergangenen Vierteljahrhundert wurde sage und schreibe eine halbe Million Euro an Spendengeldern zusammengetragen, um den Bewohnern in den Himmelkroner Heimen das Leben zu erleichtern.

Die Presse schrieb damals über Gründung des Vereins: "Die neue Organisation will die Behinderteneinrichtungen des Diakoniewerks Neuendettelsau in der oberfränkischen Gemeinde ideell und materiell unterstützen.
Der Verein will Aufgaben übernehmen, die nicht durch den Träger oder durch öffentliche Stellen übernommen werden." Heute zählt der Verein rund 300 Mitglieder, die Zahl der Spender und Förderer ist aber weitaus größer.

Start beim "Tag der Freude"

"Wir wollen dort helfen, wo es keine andere Hilfe gibt." Dieser Gedanke war Anstoß und Leitsatz für Vorsitzenden Erich Popp, die Initiative zu ergreifen und mit einigen Gleichgesinnten am 10. Juli 1988 beim alljährlich gefeierten "Tag der Freude" den Verein aus der Taufe zu heben. "Der Verein ist im Konferenzraum des Verwaltungsgebäudes gegründet worden. Da waren 15 Männer und Frauen beieinander, und am ersten Tag sind schon am Nachmittag eine ganze Reihe neuer Mitglieder hinzugekommen", erinnert sich Popp. Wir waren damals alle im Heimbeirat, der jetzt Angehörigen- und Betreuerbeirat heißt, und wir hatten das Gefühl, wir sitzen im Jahr zwei Mal beieinander und reden, aber es tut sich nichts. Wir hatten weder einen Einfluss, noch konnten wir sonst helfen."

Die Gründung einer Stiftung war nach den Worten von Erich Popp die erste Idee. "Doch dann hat uns die Regierung ausgelacht, denn mit 5000 Mark konnte man keine Stiftung gründen. Man brauchte mindesten 50.000, und die hatten wir nicht. Also entschlossen wir uns, den Verein zu gründen."

Die Vorbereitungen dazu dauerten rund ein Jahr, bis man alles in trockenen Tüchern und vor allem einen Vorstand hatte. Erich Popp weiß noch genau, dass die Vereinsgründung bei den Verantwortlichen der Himmelkroner Heime sehr positiv aufgenommen wurde: "Vor allem der damalige Heimleiter Schindler war da sehr rührig; er war für die Hilfen immer sehr dankbar. Rückblickend kann ich heute feststellen, dass eigentlich nach der Gründung alles von selber gelaufen ist."

Heute wie damals beträgt der Mitgliedsbeitrag sechs Euro. "Wir wollten ihn bewusst niedrig hallten, damit auch wirklich jeder beitreten kann. Wenn jemand mehr zahlen will, dann kann er das selbstverständlich tun", erläutert der Vorsitzende.

Vorstandsmitglied Christian Hirche, der frühere Apotheker von Neuenmarkt, der heute in Bayreuth zu Hause ist, stellt zur Gründung des Vereins fest: "Was uns damals bewegte, war die Tatsache, dass Vieles, was für die behinderten Menschen notwendig war, nicht Bestandteil der gesetzlichen Förderung war. Und da haben wir gesagt, der Verein sollte das übernehmen, was für die Bewohner der Heime wichtig ist, aber eben nicht von anderer Seite gefördert wird."

"Arbeit gibt Befriedigung"

Hirche sieht seine Aufgabe im Verein im eigenen sozialen Engagement: "Als ich hier in die Gegend kam, wurde mir gleich eine Pflegschaft angetragen. Für mich war das überhaupt kein Problem, diese Betreuung zu übernehmen. Dadurch hat sich auch die Mitarbeit im Verein ergeben, die mir über all die Jahre eine gewisse Befriedigung gibt. Man kann etwas bewegen und helfen in Gemeinschaft mit anderen, mit den Kollegen vom Beirat und vom Förderkreis."

Der Verein hat seit seiner Gründung Vorhaben finanziert und finanziell unterstützt, die den Bewohnern der Heime das Leben erleichtern und ihrer Förderung dienen - alles Projekte, für die keine etatmäßigen Gelder zur Verfügung stehen. Vorsitzender Erich Popp: "Ohne eine Hilfe des Vereins müssten solche Vorhaben unterbleiben."
Der Verein unterstützte bisher die Schaffung eines Verkehrserziehungsgartens, den Kauf eines Blockhauses, die Errichtung einer Minigolfanlage, einer Boccia-Bahn und den Bau eines Allwetterplatzes, um nur einige Beispiele zu nennen. "Der Allwetterplatz war ein echter Höhepunkt in unserer bisherigen Arbeit", freut sich der Vorsitzende. Hier hatte sich auch dessen Stellvertreter Eberhard Hofknecht als Diplomingenieur stark eingebracht. Er hat die Arbeiten geplant, ausgeschrieben und überwacht. Weiter setzte sich der Verein für körperliche und psychologische Therapien ein, kaufte Diagnostikmaterial und verbesserte damit die Lebensqualität der Bewohner.

Hilfe von anderen Stiftungen

Erich Popp: "Geholfen haben uns vor allem auch andere Stiftungen, vor allen Dingen auch die Oberfrankenstiftung oder die Franz-Beckenbauer-Stiftung, die Dr.-Oetker-Stiftung und die Antenne-Bayern-Stiftung, die uns allein 10.000 Euro für die Boccia-Bahn zukommen lassen."

Popp wurde nicht müde, immer wieder bei verschiedenen "Türen" anzuklopfen. Christian Hirche: "Das ist hauptsächlich das Werk von Herrn Popp, denn er mobilisiert immer wieder andere Geldgeber. Er initiiert die Objekte im Vorstand und sucht dann aber nach Geldgebern."

Es wurden viele Veranstaltungen organisiert, vor allem Konzerte für die Bewohner der Heime, Therapiemaßnahmen durch den Kauf von entsprechenden Geräten und Hilfsmitteln gefördert, Hilfen zur Erleichterung der Pflege angeschafft. Man hat sich ferner um die Hebung der Lebensqualität gekümmert, Zuschüsse für Freizeitmaßnahmen und Sportveranstaltungen gewährt, die Mobilität der Bewohner durch Zuschüsse und den Kauf von Kraftfahrzeugen ermöglicht und Spiel- und Sportanlagen im Areal der Heime angeschafft.

Pia Aßmann gehört dem Angehörigen- und Betreuerbeirat an und arbeitet seit nunmehr zwei Jahren im Förderverein mit: "Ich habe selber vier Betreuungen im Heim und für mich war es selbstverständlich, da mitzuarbeiten. Ich bekomme selbst oft mit, wenn die Mittel zum Beispiel bei Urlaubsfahrten oder bei den Medikamenten fehlen und dafür auch die Zuschüsse gut sind. Wenn man dann die Augen der Bewohner und deren Freude sieht, dann ist das auch eine Erleichterung und Genugtuung."

Für jedes Mitglied dankbar

Die Mittel, die der Verein jährlich einsetzt, sind natürlich begrenzt, denn er finanziert sich ausschließlich durch die Beiträge und Spenden seiner Mitglieder, die Zuteilung von Bußgeldern und auch durch großherzige Spenden aus bekannten Stiftungen, etwa der "Franz-Beckenbauer-Stiftung."

Schließlich hat der Verein 2008 selbst als Treuhänder eine eigene Stiftung gegründet. Sie trägt den Namen "Stiftung Himmelkroner Heime" und hat inzwischen den Status einer selbstständigen Körperschaft des bürgerlichen Rechts erlangt. Vorsitzender Popp freut sich mit dem Vorstand und dem Beirat über jede Neuaufnahme.
Wer also den Verein unterstützen will, kann sich unter der Briefanschrift Klosterberg 19, 95502 Himmelkron, an Erich Popp wenden.
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