Kulmbach
Sachbeschädigung

Flaschenwurf bleibt ungestraft

Die unschönen Folgen eines Bierfestbesuches konnten gestern vor Gericht nicht geklärt werden. Das Verfahren gegen zwei junge Männer wurde eingestellt.
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Die Scheibe einer Pizzeria in der Sutte und zwei Scheiben der Berufsschule sollen die Angeklagten mit Flaschen beschädigt haben. Symbolbild: Axel Heimken/dpa
Die Scheibe einer Pizzeria in der Sutte und zwei Scheiben der Berufsschule sollen die Angeklagten mit Flaschen beschädigt haben. Symbolbild: Axel Heimken/dpa
Die Beweislage war äußerst dürftig und die beiden Angeklagten konnten sich an nichts mehr erinnern. Also blieb Jugendrichter Christoph Berner am Mittwoch vor dem Amtsgericht nichts anderes übrig, als das Verfahren gegen zwei junge Männer kurzerhand einzustellen.
Nach einem ausgiebigen Bierfestbesuch soll einer der beiden, ein 24-jähriger aus Kulmbach, am 1. August des vergangenen Jahres mit einer Bierflasche die Fensterscheibe einer Pizzeria in der Sutte eingeschlagen und dabei einen Sachschaden von rund 500 Euro verursacht haben. Im zweiten Fall soll er am 5. August zusammen mit dem anderen Angeklagten, einem 18-Jährigen aus Kronach, wieder mit Bierflaschen zwei Scheiben der Berufsschule eingeschlagen haben. Sachschaden diesmal rund 4000 Euro.
Er habe so gut wie keine Erinnerung mehr an den Abend, sagte der 24-Jährige. "Wenn sie wirklich nichts mehr wissen, ist das ein Zeichen, dass sie zu viel getrunken haben", so Richter Berner. Man sei wohl im Zelt gewesen und habe danach noch in einer Kneipe in der Innenstadt gefeiert, mehr wisse er nicht mehr, erklärte der Angeklagte und weiter: "Das war mein erster Bierfestbesuch und sicher auch mein letzter." Trotzdem erklärte er sich bereit, 450 Euro als Schadenswiedergutmachung und auch als Zeichen des guten Willens, an die Besitzerin der Pizzeria zu bezahlen.
Ziel dieses sogenannten Adhäsionsverfahrens ist es, zivilrechtliche Ansprüche aus einer Straftat bereits im Strafprozess geltend zu machen, um sich einen Zivilprozess zu ersparen. Für die Pizzeria-Besitzerin ist damit ohnehin nur ein Teil des Schadens bezahlt, denn auch an ihrem vor der eingeworfenen Fensterscheibe geparkten Wagen soll ein Schaden entstanden sein. Der war allerdings nicht Gegenstand des Verfahrens.
Auch für den zweiten Vorwurf, die eingeschlagenen Fensterscheiben am Berufsschulzentrum, wusste der Angeklagte nichts mehr, genauso wie der mitangeklagte 18-Jährige. "Und wenn ich noch so krame in meinen Erinnerungen, ich weiß nur noch, dass wir am frühen Abend an einer Döner-Bude waren", sagte der Mann.
Er gab an, bereits Konsequenzen aus jenem Abend gezogen zu haben, denn seitdem habe er keinen Absturz mehr gehabt. Das Bierfest sei ihm schon eine Lehre gewesen.
Nachdem laut Aktenlage ganz offensichtlich auch keiner der geladenen Zeugen die Taten unmittelbar beobachtet hatte und keinen der beiden Angeklagten identifizieren konnte, setzten Richter Berner und Staatsanwalt Julius Klug dem Prozess ein schnelles Ende. Sie stellten das Verfahren ohne Auflage ein, die Kosten trägt die Staatskasse.


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