Grafengehaig
Baustelle

Frankenwaldhalle in Grafengehaig: Feuchtigkeit und Zugluft adé

Die Frankenwaldhalle in Grafengehaig wird für insgesamt rund 1,1 Millionen Euro aufwendig saniert.
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Architekt Harald Schramm (links) und Bürgermeister Werner Burger sind zufrieden: Die Arbeiten an der Frankenwaldhalle kommen zügig voran. Das brüchige Bitumen-Flachdach ist erneuert, die Bauteilfugen sind abgedichtet, die Betonfassade saniert. Fotos: Dagmar Besand (3)/Archiv (1)
Architekt Harald Schramm (links) und Bürgermeister Werner Burger sind zufrieden: Die Arbeiten an der Frankenwaldhalle kommen zügig voran. Das brüchige Bitumen-Flachdach ist erneuert, die Bauteilfugen sind abgedichtet, die Betonfassade saniert. Fotos: Dagmar Besand (3)/Archiv (1)
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Seit 1977 steht die Frankenwaldhalle am Ortsrand von Grafengehaig. Sie ist gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes. Die Mehrzweckhalle wird sportlich genutzt, hat aber auch eine Bühne mit Bühnenbauten, Künstlergarderoben und Duschen.


90 Prozent vom Staat


Vier Jahrzehnte haben ihre Spuren an dem Bauwerk hinterlassen. Sanierungsmaßnahmen sind schon lange fällig, doch für Investitionen fehlte bislang das Geld. Dass die Gemeinde dieses Jahr endlich das Notwendigste in Angriff nehmen konnte, verdankt sie dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP), das die 850 000 Euro teure energetische Sanierung mit einem 90-prozentigen Zuschuss fördert.

"Grafengehaig war in den siebziger Jahren eine finanzstarke Gemeinde, unter anderem durch die Gewerbesteuereinnahmen der Firma Horn. Damals konnte man es sich leisten, etwas größer zu planen", erzählt Bürgermeister Werner Burger (FW). Er erinnert sich noch gut an die Einweihung der Halle - sein Vater Hans war damals Bürgermeister von Grafengehaig. Es habe damals auch viele Kinder in der Gemeinde gegeben - sogar genug für ernsthafte Überlegun gen, eine eigene Schule zu bauen.

Werner Burger ist froh, dass es dazu nicht kam. Denn die goldenen Jahre sind vorbei, und in den letzten Jahren fiel es der Gemeinde schwer, ihre finanziellen Verpflichtungen zu stemmen. Zusätzlich noch eine Schule zu unterhalten - undenkbar.

Die große Frankenwaldhalle ist für die Gemeinde schon Last genug. Seit der Einweihung wurde nichts daran gemacht, abgesehen vom Bau eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks 2014, das Wärme und Strom liefert und die Einspeisung von Strom ins Netz ermöglicht.

Das KIP war die Rettung in der Not. "Wir haben uns 2016 mit Plänen für eine energetische Sanierung und einen barrierefreien Zugang der Halle beworben, und entgegen unserer Erwartungen haben wir tatsächlich eine Zusage bekommen", freut sich der Bürgermeister.


Dankbar für Solidarität


Zu verdanken hat Grafengehaig dies nicht zuletzt auch der Solidarität der Vertreter der Landkreisgemeinden, die bei der Verteilung der auf den Landkreis entfallenden Fördermittel in Höhe von insgesamt 8,8 Millionen Euro das Grafengehaiger Anliegen als besonders dringlich ansahen. "Ein kleiner Zuschuss hätte uns nicht geholfen. Es ist ein großes Projekt, das nur mit großzügiger Förderung zu bewältigen ist."

Ende Juni haben die Arbeiten an der Halle begonnen. Wichtigste Maßnahme ist die Dachsanierung. "Das Bitumendach mit Wärmedämmung ist spröde und brüchig geworden. So kam es zu Feuchteeinbrüchen an beliebigen Stellen", erläutert Architekt Harald Schramm. Das Flachdach durch ein Sattel- oder Pultdach zu ersetzen, kam aus statischen Gründen nicht in Frage: "Dafür ist das Tragwerk nicht ausreichend stabil." Es bleibt also beim Flachdach. Zweite Maßnahme ist der Austausch aller Fenster. Über die alten ging viel Wärme verloren. "Heute haben wir andere Standards."

Eine unangenehme Überraschung erlebten die Verantwortlichen bei der Betonsanierung der Außenwände: "Wir hatten mit dem Sandstrahlen begonnen, als sich plötzlich rausstellte: Drinnen in der Halle staubt's!" Das erklärte, warum es in den Wintermonaten trotz Heizung oft kalt in der Halle war: "Wir mussten heizen wie verrückt, und es war trotzdem nie richtig warm", sagt Bürgermeister Burger: "Jetzt sind die Bauteilfugen dicht. Dieses Jahr freue ich mich richtig auf den Winter."

Die Betonsanierung selbst ist keine leichte Aufgabe. Architekt Schramm erklärt, warum: "Wir hatten eine relativ geringe Armierung, der Stahl ist teilweise durchgerostet, lag in einigen Bereichen schon an der Oberfläche. Feuchtigkeit und Kälte führen bei diesen Voraussetzungen dazu, dass Beton abgesprengt wird." So entstehen Risse, und letztlich ist die Tragfähigkeit gefährdet. "Es war höchste Zeit, da einzugreifen. Wenn wir noch länger gewartet hätten, wäre das kaum noch reparabel gewesen."

Die schadhaften Stellen wurden freigelegt, gereinigt, imprägniert und mit einer neuen versiegelten Betonoberfläche versehen. Diese wird zusätzlich durch einen dicken Spezialanstrich geschützt. Zusätzlich bekommt die Frankenwaldhalle einen barrierefreien Zugang: "Das ist ein Stück Zukunft für uns. Wir haben viele große Veranstaltungen in der Halle." Bis zum Theaterabend Mitte Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.


"Wir bauen keinen Luxus"


Knapp 300 000 Euro muss die Gemeinde selbst für die Hallensanierung aufbringen. Die Gesamtkosten des Projekts summieren sich auf rund 1,1 Millionen Euro, denn zusätzlich zu den zehn Prozent Eigenanteil im Hauptprojekt werden die ebenfalls 40 Jahre alten Sanitäreinrichtungen erneuert - eine überfällige Maßnahme. Außerdem gibt es künftig ein kleines Glasdach über dem Balkon Richtung Sportplatz.

Das ist viel Geld für die Gemeinde, aber es ist eine sinnvolle Investition: "Wir bauen keinen Luxus. Wir machen nur unsere Hausaufgeben", betont Bürgermeister Burger. Und das tut die Gemeinde nicht nur in Bezug auf ihre Halle: "Wir haben in den letzten Jahren unsere Schulden abgebaut, von mehr als 2000 Euro pro Kopf auf derzeit noch 500 Euro. In zwei Jahren sind wir schuldenfrei", hofft der Bürgermeister. Möglich geworden sei dies durch die Stabilisierungshilfe. "Dieses Instrument hat uns geholfen, wieder handlungsfähig zu werden."

Werner Burger ist seit 2008 Bürgermeister von Grafengehaig: "Meine erste Amtszeit bis 2014 war schwierig. Mehr als das Nötigste war nicht drin." Jetzt könne man endlich ein bisschen mehr tun, wieder investieren, wo lange nichts ging. Burger und seinen Gemeinderäten ist allerdings wichtig, dies immer mit Verstand und Augenmaß zu tun: "Man sollte immer überlegen, ob etwas sinnvoll ist, und es nicht einfach nur machen, weil es Geld gibt."

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