Melkendorf
Bildung

Ferdinand Knieling hatte San Francisco vor der Haustür

Ferdinand Knieling aus Melkendorf lebte und forschte über ein Jahr an der Stanford-Universität in Kalifornien. Er hätte dort auch bleiben können. Trotzdem hat er dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten den Rücken gekehrt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Natürlich blieb Ferdinand Knieling die Zeit, einige der Sehenswürdigkeiten Amerikas zu entdecken. Nur eine halbe Stunden mit dem Zug entfernt lag San Francisco mit der weltberühmten Golden Gate Bridge. Die Metropole erkundete der Melkendorfer mit dem Fahrrad.  Foto: privat
Natürlich blieb Ferdinand Knieling die Zeit, einige der Sehenswürdigkeiten Amerikas zu entdecken. Nur eine halbe Stunden mit dem Zug entfernt lag San Francisco mit der weltberühmten Golden Gate Bridge. Die Metropole erkundete der Melkendorfer mit dem Fahrrad. Foto: privat
Ein Jahr in Amerika leben, arbeiten, forschen: Der Melkendorfer Ferdinand Knieling hat genau das getan. Der 28-jährige Medizinstudent verbrachte mit anderen jungen Wissenschaftlern aus aller Welt fast 13 Monate an der Stanford-Universität in Kalifornien. Sein Schwerpunktgebiet: die Ultraschall-Bildgebung bei Entzündungen im Darm (Morbus Crohn). Möglich wurde der USA-Aufenthalt durch ein Stipendium und die Unterstützung durch die Lina-Bauerschmidt-Stiftung mit Sitz in Mainleus.


Das Eingewöhnen fiel ihm leicht

Das Eingewöhnen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fiel dem Melkendorfer nicht schwer. Grund: Die Menschen an der Westküste seien sehr locker und kontaktfreudig, berichtet er. Gewohnt hat Ferdinand Knieling - mit seiner Frau Julia, die etwas später nachkam - in Redwood City, das etwa eine halbe Zugstunde von San Francisco entfernt liegt. Ebenfalls eine halbe Stunde - allerdings mit dem Fahrrad - dauerte die Fahrt zu seiner Uni.

Die Unterkunft befand sich im Haus eines Ehepaars in einer Community, die - wie man es aus dem Fernsehen kennt - mit einem Zaun gesichert war. Abends schlossen sich die Tore. Sprich: Die Gegend war sicher. Auch der Weg in die Uni mit dem Fahrrad war kein Problem, denn er führte durch ein reiches Viertel. Kein Wunder bei Arbeitgebern wie Google, Facebook und Apple in der Nähe.

Entsprechend hoch - auch wegen der vielen Studenten - war die Miete: 1200 Dollar im Monat mussten Ferdinand und Julia Knieling für ein Zimmer bezahlen. "Da war ich über die Unterstützung froh, denn sonst kann man sich das nicht leisten", sagt der Melkendorfer.

Während der 28-Jährige im Labor forschte, unterrichtete seine Frau als Lehrerin an einer deutschen Schule. Das Hauptgebiet von Ferdinand Knieling war die experimentelle Forschung bei Morbus Crohn, um "die Krankheit besser zu verstehen". Ziel sei es, Entzündungen schneller zu erkennen, damit Patienten vom früheren Beginn einer Therapie profitieren können. Derzeit schreibt er mit Kollegen die Erkenntnisse für eine Veröffentlichung in einem Medizin-Journal nieder. Im Dezember wird er die Ergebnisse bei einem großen Kongress in Chicago vor Fachleuten vortragen.


Jetzt arbeitet er am Doktortitel

Ferdinand Knieling und seine Frau sind inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Kommenden Montag wird er mit dem letzten klinischen Jahr an der Uni Erlangen beginnen, um danach gleich das zweite Staatsexamen in Angriff zu nehmen. "In den nächsten Wochen versuche ich zudem, meine Doktorarbeit abzugeben." Ende 2014 wird er das Medizinstudium abschließen, dann die Facharzt-Ausbildung beginnen, die noch einmal fünf Jahre dauert. In welche Richtung es gehen soll, weiß er noch nicht sicher. Das klinische Jahr jedenfalls umfasst die Bereiche Innere Medizin, Chirurgie und Kinderheilkunde.

Der 28-Jährige hat sich für die Rückkehr nach Deutschland entschieden, obwohl ihm in Amerika alle Türen offen gestanden waren. "Die hätten mich ganz gerne behalten." Aber der junge Mann hat sich nach langem Überlegen aus mehreren Gründen entschieden, doch nach Franken zurückzukehren, obwohl die Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten in Amerika deutlich besser gewesen wären.


Kritik am US-Sozialsystem

Zum einen wollte Ferdinand einen deutschen Abschluss. "Wenn ich in USA weiter gemacht hätte, hätte das vielleicht die Türen in Deutschland zugeschlagen." Zum anderen konnte er sich mit dem amerikanischen Sozialsystem nicht anfreunden. "Ein Arztbesuch kostet 800 Dollar. Nur das Gespräch, alles noch ohne Behandlung." Dann müsse man schauen, ob die Krankenversicherung zahlt oder man sich die Behandlung aus eigener Tasche leisten kann. "Für mich als Arzt wäre so etwas zweifelhaft", schüttelt der 28-Jährige den Kopf.

Auch der Umstand, dass Frauen unmittelbar nach der Geburt von Kindern wieder das Arbeiten anfangen müssen, gefällt ihm nicht. Für ihn ist daher klar, dass er in Deutschland eine Familie gründen will. "Die Heimat ist mir einfach wichtig."
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren