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FC Neuenmarkt bangt um Torwart: Der ist ins Kirchenasyl geflüchtet

Der FC Neuenmarkt sorgt sich um seinen Keeper Danial M., der nach Afghanistan abgeschoben werden soll.
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Danial M. mit Mannschaftskameraden des FC Neuenmarkt. Foto: Werner Reißaus
Danial M. mit Mannschaftskameraden des FC Neuenmarkt. Foto: Werner Reißaus
Der Fußballclub Neuenmarkt bangt um seinen Torwart. Um Danial M., einen 22-jährigen Afghanen, der in der vergangenen Saison das Tor des FC hütete und maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die Kreisliga hatte. Bei der Meisterfeier des FC blieb sein Platz leer.


In Bayreuth Schutz gesucht

Der Keeper soll nach Afghanistan abgeschoben werden. Er hat bei der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Bayreuth Zuflucht gefunden, die ihm Kirchenasyl gewährt.


Flug war schon geplant

Der 22-Jährige, der mit seinen Eltern und weiteren Geschwistern in Neuenmarkt wohnte, sollte am 3. Juli von München aus mit dem Flugzeug nach Afghanistan geflogen werden. Das Besondere an dem Fall: Während für Vater, Mutter und Geschwister ein Abschiebeverbot gilt, weil Aussicht auf eine Aufenthaltsgestattung besteht, wurde diese Danial verwehrt. "Danials Verfahren wurde unabhängig von dem der Familie behandelt, weil er zum Zeitpunkt der Einreise bereits volljährig war", teilt Pfarrer Simon Froben von der Bayreuther Kirchengemeinde mit.


Asylantrag wurde abgelehnt

Der Asylantrag von Danial war vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im November 2016 abgelehnt, eine Klage gegen die Ablehnung des Asylbescheides im Mai 2017 abgewiesen worden. Die einstweilige Duldung, die im Dezember 2017 ausgestellt worden war, wurde im Juni nicht verlängert.


Polizei suchte Danial M.

"Am 3. Juli um 6 Uhr morgens suchte die Polizei Danial zu Hause auf. Er hatte die Wohnung aber schon verlassen", berichtet Pfarrer Froben. Am 6. Juli habe ihn die Polizei erneut gesucht, sei auch vor der Schule aufgetaucht. Am Vormittag habe Danial dann um die Aufnahme in das Kirchenasyl gebeten.


Über die Türkei nach Deutschland

Pfarrer Froben kann nicht verstehen, dass der junge Mann abgeschoben werden soll. Danial lebte bis 2014 im Iran. Nach der Rückkehr nach Afghanistan wohnte er mit seiner Familie, die der Volksgruppe Hazara angehört, in einer Taliban-Hochburg. Dort wurde die schiitische Familie bedroht. Im März 2015 ist sie über die Türkei nach Deutschland geflüchtet. Ein Onkel in Afghanistan wurde danach von den Taliban ermordet.


Er fürchtet um sein Leben

Danial hat, so Pfarrer Froben, berechtigte Angst, nach seiner Rückkehr in Kabul von den Taliban verfolgt zu werden. "Er hat Angst um sein Leben", erklärt der Geistliche, der nicht nachvollziehen kann, dass das Bamf ihm zumutet, "in einer afghanischen Großstadt unerkannt einem Erwerb zum Lebensunterhalt nachzugehen". Froben hofft, dass das Verfahren neu aufgerollt und Danial in Deutschland geduldet wird.


"Kein Gefährder"

Der junge Mann sei nie in Konflikt mit dem Gesetz geraten, kein Gefährder, kein sogenannter Identitätsverweigerer. Danial sei in der Gesellschaft gut integriert, betont der Geistliche. Er habe in Kulmbach den Quali gemacht, eine dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung in Bayreuth begonnen.

Wie Froben mitteilt, hat das Leitungsgremium der Bayreuther Kirchengemeinde einstimmig beschlossen, dem jungen Afghanen Kirchenasyl zu gewähren. "Die geplante Abschiebung ist mit christlichen und humanitären Werten nicht vereinbar. Sie widerspricht zudem dem gesellschaftlichen Auftrag der Integration."

Dass Danial nicht abgeschoben wird, das hoffen auch seine Fußballkameraden. Der 22-Jährige wurde vom ehemaligen Bezirksligatorhüter Marc Köhler trainiert, hat zu den stärksten Keepern in der A-Klasse gehört und zuletzt auch in der Kreisklasse ausgeholfen, als der etatmäßige Torhüter Lukas Greim verletzt war, teilt Vorsitzender Dieter Mühlbauer mit.


Zweifel am Rechtsstaat

Die Fußballer haben Zweifel am rechtsstaatlichen Verfahren, sind der Überzeugung, dass solche Fälle "aktuell schonungslos vor allem in Bayern dazu ausgenutzt werden, um Abschiebe-Zahlen präsentieren zu können". Für den FC sei Danial ein Glücksfall gewesen, sagt Vorsitzender Dieter Mühlbauer, der bedauert, dass seine Zukunft in Deutschland nun an den "Fallstricken der Bürokratie zu scheitern droht".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt


Das Kirchenasyl ist kein Bestandteil der deutschen Rechtsordnung. Das wissen der junge Afghane Danial M. und Pfarrer Simon Froben. Erst im Mai hat das Oberlandesgericht München in einem Fall entschieden, dass Kirchenasyl nicht vor der Strafverfolgung wegen illegalen Aufenthalts in Deutschland schützt. Danial hat damit auch keinen Anspruch auf Duldung.


"Polizei geht abwartend vor"

Die Staatsanwaltschaft in Bayreuth orientiert sich an dem Urteil, wie Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel mitteilt. Laut Potzel gibt es wegen Kirchenasyls mehrere Ermittlungsverfahren. Diese richten sich gegen die Asylsuchenden selbst wegen des unerlaubten Aufenthalts in Deutschland, aber auch gegen die Pfarrer wegen Beihilfe. Dass die Polizei Danial M. mit einem Haftbefehl aus dem Kirchenasyl holt, ist laut Potzel aber nicht zu erwarten. "Die Polizei geht da abwartend vor."
Und so könnte Danial M. noch für einige Zeit in den Räumen der evangelisch-reformierten Kirche wohnen. "Das Kirchenasyl hat eine Jahrhunderte alte Tradition und wurde bis dato immer anerkannt", betont Pfarrer Simon Froben.
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