Kulmbach
Integration

Fastenbrechen in Kulmbach: Weil Essen die Kulturen verbindet

Der Verein "Kulmbach ist bunt" organisierte zum Ramadan eine Genusswerkstatt - und eine syrische Familie tischte auf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wafaa Mahmoud gibt den Reis in die riesigen Töpfe.  Foto: Sonny Adam
Wafaa Mahmoud gibt den Reis in die riesigen Töpfe. Foto: Sonny Adam
+22 Bilder

Aktuell fasten Muslime. Das bedeutet, sie verzichten während des Tages auf Essen und Trinken. Nach Sonnenuntergang treffen sie sich dann, um das Fasten zu brechen. Der Verein "Kulmbach ist bunt" lud nun zu einem Abend der Begegnung in die Jugendwerkstatt in der Negeleinstraße ein. Abdo Al Jirudi und seine Familie bereiteten dort das Festmahl zu.

"Wir wollen zeigen, dass die syrische Küche einfach gut ist"

Abdo Al Jirudi, seine Frau Wafaa Mahmoud, "Tante" Amira Hamou und die Kinder der Familie haben sich tagelang auf das Fastenbrechen vorbereitet. Sie bereiteten für alle Muslime, aber auch für Interessierte ein Mahl zu, das die gesamte Bandbreite der syrischen Küche zeigen sollte. "Kochen ist unser Beruf. Wir wollen zeigen, dass die syrische Küche einfach gut ist", erklärte Ali Al Jirudi, einer der Söhne. "Wir machen lieber ein bisschen mehr, wir wissen ja nicht, wie viel kommen", ergänzte sein Bruder Mohammad Al Jirudi.

Zehn Hähnchen füllten die fleißigen Hände mit gewürztem Reis und garten sie in einem Bratschlauch gegart. "Nur so bleiben sie saftig", erklärte Vater Abdo, der Chefkoch. Natürlich müssen unbedingt Zwiebeln in den Bratenschlauch. Denn sonst ist der Geschmack nicht perfekt.

Doch auf dem Herd standen noch andere Töpfe. Die Frauen Wafaa Mahmoud und Amira Hamou rührten den Reis. Als besondere Raffinesse wird der syrische Reis mit Gratatapfelsirup gewürzt. Zum Schluss kommen angeröstete Mandelblättchen und Cashewkerne dazu. Das gibt den besonderen Geschmack. Auch Sultaninen gehören unbedingt an den Reis. "Sonst schmeckt das nicht", sagte Hider Al Jirudi. Hider blieb auch in der turbulenten Vorbereitungsphase immer gut gelaunt. Er hütete die Geschwister, rührte, holte mit seinem älteren Bruder die Zutaten.

Scharf gewürzt

In zwei Töpfen garten die Frauen handgerollte Weinblätter mit Fleisch- und Tomaten-Reis-Füllung, selbstverständlich scharf gewürzt.

Die höchste Kunst der syrischen Küche sind die Kubba, auch Kibbe oder Kibbaye genannt - die orientalische Art der Fleischklößchen mit einer Hülle aus Bulgur. Sie werden mandelförmig geknetet und anschließend frittiert. Alle Zutaten für die Füllung verriet Koch Abdo natürlich nicht. Nur so viel: Man braucht dafür Lammfleisch, das mindestens zwei Mal durch den Fleischwolf gedreht und mit Pinienkernen, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Zimt, Paprika und Petersilie angebraten wird.

Manches bleibt ein Geheimnis

Wie die syrische Familie es schafft, dass alle Kibbe gleich groß aussehen und die typische Mandelform haben, blieb ein Geheimnis. "Die Übung macht den Meister", lachten Mohammad und Hider Al Jirudi und freuten sich, als die Gäste begeistert zugriffen. Kibbe schmecken übrigens mit Minzsoße und zu Salat oder als Beilage zu Reis.

Zum Fastenbrechen kamen nicht nur Muslime, sondern auch viele weltoffene Kulmbacher, die schon immer mal den Geschmack des Orients auf sich wirken lassen wollten. Die Idee der "Brückenbauer" und des Vereins "Kulmbach ist bunt", dass Essen Kulturen verbinden kann, ging auf - zumindest für eine Nacht.

Die Genusswerkstatt soll keine Eintagsfliege bleiben, sondern künftig einmal im Monat stattfinden. Nur im Ramadan wird erst nach Sonnuntergang gegessen - bei den weiteren Genusswerkstätten kann schon früher aufgetischt werden.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren