Kulmbach
Gericht

Fahrerflucht bringt Kulmbacher direkt ins Gefängnis

Gedankenlos, rücksichtslos und sprachlos: Eine Unfallflucht und eine vorgetäuschte Straftat bringen einen 25-jährigen Kulmbacher in den Knast.
Artikel drucken Artikel einbetten
Weil er sich gleich drei Mal nach einem Unfall aus dem Staub gemacht hat, muss ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach ins Gefängnis. Symbolfoto: Imago
Weil er sich gleich drei Mal nach einem Unfall aus dem Staub gemacht hat, muss ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Kulmbach ins Gefängnis. Symbolfoto: Imago
Wegen einer Unfallflucht und wegen des Vortäuschens einer Straftat muss ein 25-jähriger Mann aus dem Landkreis Kulmbach ins Gefängnis. Grund dafür ist, dass der Mann trotz seines jungen Alters bereits vielfach vorbestraft ist, Hafterfahrung hat und zum Tatzeitpunkt eine Bewährung offen stand.
Grund für das relativ harte Urteil ist aber auch, dass der Angeklagte nach Ansicht des Gerichts absolut rücksichtslos gehandelt hatte. "Das war wirklich Glück, dass nicht mehr passiert ist", sagte Richterin Sieglinde Tettmann.

Der Mann hatte am 29. März mit dem Firmenfahrzeug eines Paketzustellers beim Wenden eine Betonmauer gerammt und einen Sachschaden von 357 Euro angerichtet. Ohne sich darum zu kümmern, machte er sich damals aus dem Staub.


Mauer demoliert


Diesen Vorfall stellte das Gericht im Hinblick auf eine weitere Unfallflucht nur vier Tage später ein. Der Sachverhalt war fast der gleiche, doch diesmal lag der angerichtete Sachschaden an einer Betonmauer eines Grundstücks in Petzmannsberg bei über 5000 Euro. Wieder fuhr der Mann einfach weiter, ohne sich um den Schaden zu kümmern.

Den Vogel schoss der Angeklagte dann bei seinem Arbeitgeber ab. Weil er auf der A 9 die Leitplanke berührt hatte und das Lieferfahrzeug entsprechend beschädigt war, rief er die Polizei in die Firma und bat um Schadensaufnahme. Er habe das Fahrzeug ordnungsgemäß über Nacht in Kulmbach abgestellt, am nächsten Morgen sei es beschädigt gewesen, sagte er zur Polizei wider besseres Wissen. Natürlich kam alles raus.

Vor Gericht sagte der Angeklagte, dass er froh gewesen sei, irgendeine Arbeit zu haben. Deshalb habe er seinem Arbeitgeber nicht gesagt, dass er keinerlei Fahrpraxis habe und dem sieben Meter langen Lieferwagen eigentlich überhaupt nicht zurechtkomme.


Nicht richtig realisiert?


Den ersten Anstoß in Presseck will er gar nicht bemerkt haben, beim zweiten Anstoß in Petzmannsberg habe er aus Angst gehandelt, seinen Job zu verlieren, und bei der falschen Anzeige will er die Situation gar nicht richtig realisiert haben.

Von einem ganz erheblichen Sachschaden berichtete der Eigentümer der Grundstücksmauer am Petzmannsberg. Die gesamte Mauer sei verschoben gewesen. Sie musste komplett aufgefräst und neu einbetoniert werden, so heftig sei der Aufprall gewesen. Deutliche Worte fand Staatsanwalt Florian Losert  "Was hier gelaufen ist, ist eine absolute Rücksichtslosigkeit. Man sieht mich selten sprachlos, heute schon."

Der Angeklagte habe billigend in Kauf genommen, andere zu schädigen, da stellten sich einem die Nackenhaare auf. Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung, den Entzug des Führerscheins und eine Sperrfrist für die Fahrerlaubnis von zweieinhalb Jahren.

Verteidiger Ralph Pittroff plädierte auf eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten und zwei Wochen, bat das Gericht aber, vom Entzug der Fahrerlaubnis abzusehen, weil sein Mandant im Moment beruflich darauf angewiesen sei und er keinen Eintrag im Verkehrsregister habe.


Führerschein ist weg


Dem folgte Richterin Tettmann nicht. Zusätzlich zum Urteil von zehn Monaten ohne Bewährung ordnete sie den Entzug der Fahrerlaubnis an und verhängte eine Sperre zur Wiedererlangung von eineinhalb Jahren. Schon bei einem Sachschaden von 2000 Euro sei bei einem solchen Fall der Führerschein weg.

Tettmann sprach von einer absoluten Gedankenlosigkeit. "Was wäre gewesen, wenn sich statt der Mauer ein Kind hinter dem Fahrzeug befunden hätte?", fragte die Richterin. Der Angeklagte sei in hohem Maße ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, zudem vermisse sie die Einsicht des Mannes, der sich während der Verhandlung eher als Opfer denn als Täter dargestellt habe.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren