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Kulmbach
Medizin

Fachärzte warnen: Bitte nicht wegen Corona auf Praxisbesuche verzichten!

Als die Schutzausrüstung knapp war, sollten nur in dringenden Fällen Arztpraxen besucht werden. Doch die Empfehlung hat sich inzwischen geändert.
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Leeres Wartezimmer
Leere Wartezimmer sind derzeit keine Seltenheit - dabei müsste es nicht unbedingt sein. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa Foto: Daniel Karmann (dpa)
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Noch im März bat der Kulmbacher Facharztverein, nur in dringenden, unaufschiebbaren Angelegenheiten Arztpraxen aufzusuchen. Grund war der Mangel an Schutzausrüstungen - doch die Situation hat sich nun deutlich gebessert.

Der Facharztverein erklärt in einer Mitteilung, dass durch die Einrichtung von Covid19-Praxen (Fieberpraxen) die Patienten mit Infektionsverdacht von den Haus- und Facharztpraxen ferngehalten und somit eine zusätzliche Weiterverbreitung des Virus durch einen Praxisbesuch verhindert werden. "Nun beobachten wir aber leider ein gegensätzliches Verhalten der Patienten im Landkreis", sagt Gernot Petzold, Vorsitzender des Kulmbacher Facharztvereins.

Ärzte befürchten Gesundheitsgefährdung

"Aus Angst vor einer Covid19- Infektion nehmen viele Patienten ihre vereinbarten Termine in den Facharztpraxen nicht mehr wahr. Dazu gehören auch dringende Termine zur Tumornach-und -vorsorge, zu Blutdruck- und Diabeteskontrollen, zu den vierwöchigen Kontrollen bei feuchter altersabhängiger Makuladegeneration und viele mehr."

Die Fachärzte in Kulmbach befürchten, dass durch die Angst vor der Ansteckung mit Covid19 viele, weit direktere und konkretere Gesundheitsgefährdungen in Kauf genommen werden und es damit als Folge dieses Management der Corona-Krise in der Folgezeit zu vielen vermeidbaren Verschlimmerungen bestehender Erkrankungen kommt. Ebenso sei es wahrscheinlich, dass Erkrankungen zu spät entdeckt werden, wenn der Facharztbesuch ausbleibt.

Kritik an einseitiger Information

"Ein Grund für die Ängste in der Bevölkerung vor Covid19 sind sicher auch die einseitigen Informationen über die Zahlen der Infektionsraten, das Wesen und die Art der Covid19-Erkrankungen und die richtige Einordnung der Covid19-Sterberaten in den Medien", erklärt Petzold. Das Thema "ausbleibende Facharztbesuche" sei auch beim zurückliegenden Treffen der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt Kulmbach thematisiert worden.

Im Namen der Fachärzte im Landkreis Kulmbach versichert Petzold, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen alle Hygiene- und Abstandsregeln umgesetzt haben, dass in den Praxen Personal und Patienten Mundschutz tragen, dass Patienten mit Verdacht auf Erkältungskrankheiten keinen Zutritt zu den Praxen in den normalen Sprechzeiten haben. Für diese Patienten seien Sonderregelungen geschaffen worden.

Viele Fälle ambulant behandelt

Ein wesentlicher Grund, warum die Infektions- und Sterberate in Deutschland gegenüber anderen Ländern so gering ist, sei die einmalige Situation, dass den Kliniken in Deutschland ein flächendeckendes Netz von niedergelassenen Ärzten vorgeschaltet ist. Dadurch sei es möglich gewesen, viele mit Covid19 infizierte Patienten von den Kliniken fern zu halten. Die Infektionen in den Kliniken durch Personal und Patienten sei die Ausnahme geblieben.

Acht von zehn Patienten mit Covid19-Erkrankung würden ambulant behandelt. "Bitte erhalten Sie diesen Schutzschirm der niedergelassenen Ärzte, indem Sie ihn nutzen. Suchen Sie die Ihnen vertrauten Fach- und Hausärzte wieder auf", wendet sich Petzold direkt an die Bevölkerung.