Thurnau
Neujahrsempfang

EU-Präsidentschaftskandidat Weber in Thurnau

Manfred Weber, Präsidentschaftskandidat für das Europaparlament, zeigte in Thurnau auf, warum trotz weltpolitischer Sorgen Grund zum Optimismus besteht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ins Goldene Buch des Marktes Thurnau trug sich Manfred Weber (sitzend, links) bei seinem Besuch ein.   Fotos. Werner Reißaus
Ins Goldene Buch des Marktes Thurnau trug sich Manfred Weber (sitzend, links) bei seinem Besuch ein. Fotos. Werner Reißaus
+6 Bilder

Es war ein ganz besonderer Neujahrsempfang, zu dem die Marktgemeinde am Samstagnachmittag ins historische Kutschenhaus eingeladen hatte. Zu Gast war kein Geringerer als Manfred Weber (CSU), der Präsidentschaftskandidat der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament. Welchen Stellenwert die Veranstaltung deshalb für ihn hatte, machte ein zweiter Promi deutlich: BR-Moderator Peter Fraas, der mit dem Musikverein Thurnau für die Unterhaltung der illustren Gästeschar sorgte. Darauf angesprochen, dass er eigentlich einen anderen Termin gehabt hätte, antwortete er: "Ich kann doch als gebürtiger Thurnauer nicht fehlen, wenn jemand zu uns kommt, der in wenigen Monaten vielleicht im Elysee-Palast, in der Wiener Hochburg, im Kreml und vielleicht auch bei Donald Trump im Weißen Haus ein und aus geht."

"Alles ist möglich"

Manfred Weber, der Bürgermeister Martin Bernreuther seit Jahren kennt und schätzt ("Ich freue mich, dass ich hier sein kann") stimmte seine Zuhörer zunächst mit Blick auf Trump, Putin, Erdogan, die Chinesen und Europa insgesamt etwas nachdenklich: "Unsere Welt ist in Unordnung. Im Europa von heute ist alles möglich, auch dass Populisten und vielleicht auch Extremisten und Nationalisten in großen Blöcken Verantwortung übernehmen können."

Es gehe derzeit, so Weber, um Grundsatzfragen des Zusammenlebens auf diesem Kontinent. Dennoch machte der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei eines ganz deutlich: "Ich will mir nicht Pessimismus einreden lassen. Ich will, dass wir trotz aller Sorgenfalten in dieser historischen Phase mit Optimismus an die Fragen herangehen.

Bayern als Beispiel

Er untermauerte dies mit dem Beispiel Bayerns, wo vor elf Jahren die Wirtschaft aufgrund der Euro-Krise fünf Prozent eingebrochen sei - so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. "Heute haben wir 13 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, ein Wirtschaftswachstum in Europa von 2,2 Prozent und eine Neuverschuldung der Eurostaaten im Durchschnitt von 0,9 Prozent." Im Vergleich dazu verwies Weber auf die Amerikaner, die ebenfalls zwei Prozent Wirtschaftswachstum vorweisen könnten, was von Donald Trump aber nur erwirtschaftet werde, weil er sechs Prozent neue Schulden mache.

Zum Thema Migration verwies Manfred Weber auf die Zwischenbilanz, derzufolge in den vergangenen drei Jahren die Zahl der illegalen Einwanderer an den Außengrenzen Europas um 85 Prozent reduziert worden sei. "Es passiert etwas. Wir Europäer haben in den letzten Jahren verdammt viel erreicht." Er wünsche sich, dass die Menschen nicht demotiviert, sondern mit Optimismus ins Wahljahr 2019 starten."

Die Politik sei in der Pflicht, Antworten zu geben - etwa auf Fragen zur Entwicklung der Wirtschaft, bei der die Gewitterwolken leider bereits am Horizont stünden. So habe der erste große Autokonzern Europas angekündigt, massiv Arbeitsplätze abzubauen, und auch die Automobilzulieferer-Industrie habe bereits die ersten Signale gesendet. "Wir haben auch soziale Fragen zu klären. Wir müssen wirtschaftlich stark bleiben, damit wir uns unsere Sozialsysteme leisten können und junge Menschen eine Zukunft haben."

Landrat Klaus Peter Söllner stellte fest, das jeder Einzelne die Pflicht habe, am Bau des gemeinsamen Europas ("Unsere Zukunft") mitzuwirken. Hier dürfe man nicht nur ausschließlich über Bürokratie und Kleingeisterei reden.

Gutes Zeugnis für Gemeinderat

Besonders willkommen hieß Bürgermeister Bernreuther beim Neujahrsempfang auch MdB Emmi Zeulner, die im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Euro für den Ausbau des Instituts für Fränkische Landesgeschichte nach Thurnau gebracht habe, und den neu gewählten Bezirkstagspräsidenten und Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm.

Rückblickend stellte er dem Marktgemeinderat ein gutes Zeugnis für die parteiübergreifende Zusammenarbeit aus, dank derer Einiges auf den Weg gebracht worden sei. "Wir wollen weiter am Ball bleiben", betonte Bernreuther und kündigte an, dass in den Ortsteilen 2019 größere Baumaßnahmen anstehen - unter anderem die Dorferneuerung in Alladorf und umfangreiche Gebäudesanierungen in Limmersdorf.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren