Trebgast
Neuanfang

Es wird weiter gebraut bei Haberstumpf in Trebgast

Braumeister Hans Wernlein hat mit dem Marketingexperten Frithjof Heller einen neuen Mitstreiter an der Seite und wieder ganz viel Elan.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gemeinsam will man die Privatbrauerei Haberstumpf wieder auf Erfolgskurs bringen. Von links: Braumeister Hans Wernlein, Elfie Wernlein, Frithjof Heller und Ludwig Wunderlich.Werner Reißaus
Gemeinsam will man die Privatbrauerei Haberstumpf wieder auf Erfolgskurs bringen. Von links: Braumeister Hans Wernlein, Elfie Wernlein, Frithjof Heller und Ludwig Wunderlich.Werner Reißaus
+1 Bild
Es war ein Zufall und zugleich glücklicher Umstand, der dazu führte, dass die Privatbrauerei Haberstumpf auch weiterhin ihre Biere an Ort und Stelle wie zu früheren Zeiten brauen wird. Glücklich deshalb, weil mit dem Marketingexperten Frithjof Heller aus Bayreuth ein Liebhaber des Haberstumpf-Bieres eher zufällig aufkreuzte und Braumeister Hans Wernlein künftig in der Vermarktung seiner Biere unterstützen wird. Und man merkt es dem erfahrenen Braumeister sofort an: Er ist voller Elan und er will seinem alten Handwerk zumindest noch einige Jahre nachgehen, solange es eben seine Gesundheit zulässt.
Braumeister Hans Wernlein blickt noch einmal zurück auf die Ausgangssituation und gesteht: "Wir hatten eigentlich nie aufgehört, aber als unsere Tochter nach Schottland wollte, war ich schon am Boden zerstört und dachte daran, aufzuhören. Ich hatte einfach überlegt, ob es sinnvoll ist, weiter zu machen, wenn die Tochter fort ist. Ich hatte mich dann mit meiner Frau Elfie zusammengesetzt und dann sind, Gott sei Dank, Frithjof Heller und der Steuerberater Ludwig Wunderlich dazu gekommen. Wir sind dann miteinander zum Ergebnis gekommen, dass es ein Quatsch ist, aufzuhören, denn wir haben ja alles da." Jetzt macht Wernlein noch einmal zwei Jahre weiter bis zum Rentenalter von 70 und schaut, wie sich die Brauerei weiter entwickelt.
Hans Wernlein bekam durch die Mitstreiter "Aufwind" und zog sich wieder seine Stiefel an, um einen Biersud zu brauen: "Es war schon so, dass meine Kundschaft zu mir sagte, ich kann noch nicht aufhören, sondern ich soll weitermachen. Und wir machen auch weiter mit unseren Bieren, auch wenn ich inzwischen eine Leiter brauche, um von der Bierpfanne wieder rauszukommen. Viele Handgriffe gehen auch nicht mehr so schnell von der Hand wie früher. Es geht gemächlich an, und ich brauche meine Zeit. Ich hab in den sechs Jahren, als unsere Tochter im Betrieb war, eigentlich sie alles machen lassen, und so gesehen war es für mich schon interessant, mich wieder in das Bierbrauen rein zu finden." Aber gelernt ist und gelernt und Braumeister Hans Wernlein stellt zufrieden fest: "Erstaunlicher Weise, es funktioniert noch, und ich sehe den weiteren Betrieb meiner Brauerei positiv, weil es auch von Vielen unwahrscheinlich positiv aufgenommen wurde, dass ich weiter mache."
Frithjof Heller lief an einem Samstag eher zufällig durch den Hof der Privatbauerei. Und als er vom Braumeister Hans Wernlein eingeladen wurde, noch ein Bier mitzutrinken, kam man ins Gespräch. Frithjof Heller erinnert sich noch: "Ich bekam aber nur ein Bier, wenn ich mir selber eines einschenke und ihm auch noch ein Bier mitbringe. Ich habe dann in Ansätzen erfahren, wo der Schuh drückt und welche Bauchschmerzen es gibt. Ich spürte bei dem Gespräch auch, dass man nach einer Idee sucht, wie man vor allem den Bierverkauf wieder aktivieren kann. Wir sind dann so verblieben: Wenn ich innerhalb einer Woche ein Konzept ausarbeite, das den Braumeister auch anspricht, dann war klar, dass es weitergeht."
Nach einer Woche hat man sich dann wieder getroffen, obwohl Braumeister Hans Wernlein ganz und gar nicht an ein Wiedersehen geglaubt hatte: "Ich dachte nicht daran, dass er wieder kommt, aber jetzt ist eine gute Stimmung vorhanden, weil es positiv weitergeht. Ich bereue es zu keiner Minute, dass wir ihn mit eingeschaltet haben, denn Frithjof hat sich spontan bereit erklärt, mitzuhelfen."
Frithjof Heller räumt ein: "Es war schon eine seltsam komische Geschichte. Ich habe beim Essen in der Brauschänke bei Blerim erfahren, dass es das gute Bier nicht mehr geben soll, bloß weil man sich so blöd anstellt. Da dachte ich mir, das kann es nicht geben, und das war für mich der Ansporn. Es ist ja eine Brauerei mit einer fast 500 Jahre alten Tradition als Familienbrauerei, und ich denke, es war ein momentaner Frust von unserem Braumeister."
Was natürlich besonders wichtig war: Die Chemie zwischen den Beteiligten stimmte von Anfang an. Hans Wernlein ist dankbar: "Vor dem, was Frithjof für mich macht, muss ich meinen Hut ziehen. Ich kann es nicht hoch genug honorieren, was er an Zeit in die Brauerei steckt." Und Frithjof Heller wird sich also künftig um die Vermarktung der Haberstumpf Biere kümmern, auch mit den modernen Medien. Und gebraut wird bei Haberstumpf wie bisher im traditionellen Stil nach alten Rezepten. Die Tradition auf der einen Seite und das neue Marketing auf der anderen Seite sollen die Garanten dafür sein, aus der Haberstumpf-Brauerei wieder ein erfolgreiches Unternehmen zu machen.
Dazu gehört aber auch Vertrauen. Dazu Frithjof Heller: "Wir haben ein Marketingkonzept, das heißt aber auch, dass wir offen und ehrlich miteinander arbeiten."
Nach dem "Hopfenzupferfest", das am kommenden Sonntag im Bräustadl gefeiert wird, wird auch das traditionelle "Böckschießen" wieder stattfinden und zwar am Samstag, 11. November, ab 18 Uhr ebenfalls im Bräustadl.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren