Blaich
Interview

Erich Olbrich: Kulmbach ist sein Hobby

Als Highlander aus dem Frankenwald hat sich der passionierte Heimatkundler in Kulmbach verliebt. Am Montag, 3.September, wird er 60.
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Diavorträge mit alten Kulmbacher Ansichten, Stadt-, Keller- und Friedhofsführungen: Kulmbach ist Erich Olbrichs Hobby. Der  Wahlkulmbacher, der seinen Geburtstag auf der   griechischen Ferieninsel Kos verbringt, wird  am Montag 60. Foto: Stephan Tiroch
Diavorträge mit alten Kulmbacher Ansichten, Stadt-, Keller- und Friedhofsführungen: Kulmbach ist Erich Olbrichs Hobby. Der Wahlkulmbacher, der seinen Geburtstag auf der griechischen Ferieninsel Kos verbringt, wird am Montag 60. Foto: Stephan Tiroch
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Dienstjahre als Stadtrat oder Vereinsvorstand kann er nicht vorweisen. Dennoch hat er - ganz freiwillig - viel für Kulmbach getan. Er kann Menschen bewegen: Sie kommen zu seinen Diavorträgen mit historischen Kulmbacher Ansichten, zu seinen Führungen in die Kulmbacher Unterwelt der alten Braukeller oder zu seinen Spaziergängen im alten Friedhof. Und bei seiner Serie der Entdeckertouren in der Bayerischen Rundschau nimmt er die Menschen mit zu den Besonderheiten der Stadt. Immer unterwegs, die Brille für den nötigen Scharfblick zurechtgerückt - so kennt man den passionierten Heimatkundler Erich Olbrich. Was dabei verwundert: Er ist gar nicht in Kulmbach aufgewachsen, sondern ein Highlander aus dem Frankenwald, der sich in die Stadt verliebt hat. Wir haben mit dem Wahlkulmbacher, der am Montag, 3.September, 60 wird, gesprochen.

Herr Olbrich, es ist doch gar nicht schlecht, wenn man für sein Hobby bezahlt wird, oder?

Richtig, finde ich vollkommen in Ordnung (lacht). Ich fühle mich seit sechs Jahren im Stadtarchiv wie ein Profifußballer, der auch für sein Hobby Geld kriegt.

Der Weg zum Traumberuf war so gar nicht vorgezeichnet?

Nein, das war nicht geplant. Ich wurde gefragt, ob ich ins Stadtarchiv wechseln will. Zuvor war ich 28 Jahre beim Bauhof beschäftigt. Schon damals habe ich gemerkt, dass viele Leute alte Bilder wegwerfen, und habe angefangen, diese Zeitdokumente zu sammeln. Das mache ich schon seit 20 Jahren. Inzwischen bin ich bekannt und tue mich leichter, wenn ich Bildbestände retten will.

Wie würden Sie Ihre Lieblingsbeschäftigung bezeichnen?

Ich liebe meine Heimat und versuche etwas zu tun, damit Einheimische und Gäste die Stadt schätzen lernen. Als Mitarbeiter im Stadtarchiv bin ich Autodidakt wie einer meiner Vorgänger, der legendäre Richard Lenker. Was mich besonders begeistert: Sachen nachzuforschen und rauszufieseln, was sonst keiner findet.

Schon mal einen Schatz entdeckt?

Ja, das waren Glasplatten, die unbeachtet im Archiv rumlagen. Auf denen sind, gestochen scharf, Bilder aus den dreißiger Jahren von der Innenstadt oder von der Burg zu sehen. Das hat mich arg gefreut.

Wie kommt man zu so einer Kulmbach-Liebe, wenn man in Presseck aufgewachsen ist?

Es hat angefangen vor 40 Jahren mit einem Aufruf des Landratsamts, dass Gästeführer gesucht werden. Die Woche Schulung - da war auch der frühere Kulturreferent Hans Stößlein dabei - hat so viel Spaß gemacht, dass ich hängengeblieben bin. Das Interesse für Geschichte hat schon meine damalige Lehrerin in Presseck, Christine Nerrlich, geweckt. Inzwischen habe ich mich reingesteigert und daheim mein eigenes Archiv angelegt.

Stimmt es, dass die Kellerführungen Ihre Idee waren?

Ja, es ging um das städtische Programm für einen Denkmaltag. Ich habe vorgeschlagen, ein paar Keller aufzumachen. Wir haben dort haufenweise Müll und Dreck gefunden, aber die Besichtigung war mit 250 Leuten ein großer Erfolg. Aufgrund des großen Interesses haben wir die Keller hergerichtet und machen regelmäßig Führungen - mittlerweile bereits seit sieben Jahren.

Was macht für Sie Heimat aus?

Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt, wo die Familie ist. Ich habe mir zuerst auch nicht vorstellen können, einmal von Presseck wegzugehen. Ich bin ein Highlander. Aber durch die Bundeswehr kam ich nach München, und danach war es leicht, in Kulmbach heimisch zu werden.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Kulmbach?

Die Plassenburg, der alte Friedhof oder die Natur außenrum sind ideal, um zu entspannen. Dort habe ich auch meine besten Ideen.

War es nie eine Option für Sie, Kulmbach als Mitglied im Stadtrat mitzugestalten?

Nein, wenn man bei der Stadt arbeitet, dann darf man nicht kandidieren. Für den Kreistag wäre es möglich gewesen. Aber so etwas ist nichts für mich. Wobei es wichtig ist, dass es Leute gibt, die im Stadtrat oder Kreistag mitarbeiten.

Aktuell wurde und wird viel über das Haus in der Oberen Stadt 18 diskutiert, dessen altes Dach abgebrochen und durch einen Glaskubus ersetzt wird. Dafür oder dagegen?

Ich bin hin- und hergerissen. Ich bin eigentlich dagegen. Für die Ansicht der Altstadt ist es bestimmt nicht gut. Aber ich kann die Hausbesitzer verstehen, dort oben hat man einen einmaligen Blick über Kulmbach, auf die Burg oder die Petrikirche. Es gibt in Kulmbach andere Bausünden, die mich mehr ärgern. Ich mache mir schon Gedanken, wie es mit der Altstadt weitergeht, und hoffe nicht, dass sich dieser eckige, moderne Baustil hier breitmacht.

Haben Sie neue Projekte in der Schublade?

Ja, ich möchte ein Stadtlesebuch machen. Mit Kapiteln wie bei den Entdeckertouren, die Texte aber noch verfeinert und ausgeweitet. Und es sollen ab nächstem Jahr Führungen im neuen Friedhof dazukommen. Es gab schon einen Termin, der sehr gut ankam. Die Gräber bekannter Kulmbacher mit Namen, die man heute noch kennt, interessieren die Leute. Auch hier will ich einen Teil der Einnahmen wie bei anderen Führungen und Vorträgen oder das Honorar der Zeitungsartikel für Kinderprojekte spenden.

Man kennt Erich Olbrich als ruhigen, besonnenen Menschen. Was bringt Sie auf die Palme?

Wenn irgendjemand etwas gegen meine Familie unternimmt, dann kann ich aus der Haut fahren.

Lebenslauf

geboren: in Presseck

Volksschule: Presseck

Lehre: Schreinerei Gareis, Presseck

Bundeswehr: vier Jahre in München - mittlere Reife nachgeholt

Beruf: seit 1984 beim Bauhof der Stadt Kulmbach beschäftigt, zum Schluss als stellvertretender Bauhofleiter; 2012 Wechsel ins Stadtarchiv

Wohnort: seit 1985 in der Blaich

Familie: verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkel



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