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Kulmbach
Geschichte

Entfernter Verwandter will Porträt des früheren Kulmbacher Bürgermeisters von Pannwitz für die Familie zurückholen

Im Depot auf der Kulmbach Plassenburg schlummert das Ölgemälde des ehemaligen Bürgermeisters von Pannwitz. Ein Verwandter möchte es gerne haben.
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Walter von Pannwitz und seine zweite Frau Catalina. Repro: privat
Walter von Pannwitz und seine zweite Frau Catalina. Repro: privat
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Im Depot auf der Kulmbach Plassenburg schlummert das Ölgemälde des ehemaligen Bürgermeisters von Pannwitz. Ein Verwandter möchte es gerne haben."Onkel Walter". Das sagt Sieghard von Pannwitz, wenn er von seinem berühmten, entfernten Verwandten spricht. "Onkel Walter" hat ein bewegtes Leben geführt, war an vielen Orten zu Hause. Unter anderem auch in Kulmbach, wenn auch nur für sehr kurze Zeit.

Dass Walter Sigismund Emil Adolf von Pannwitz, geboren 1856 in Ostpreußen, gestorben 1920 in Buenos Aires, 548 Tage lang rechtskundiger Bürgermeister der Stadt Kulmbach war, war in der Familie Pannwitz bekannt. Viel mehr aber auch nicht. Sehr zum Leidwesen von Sieghard von Pannwitz, der vor knapp drei Monaten damit begonnen hat, eine Biografie zu schreiben. Zwar sei, so berichtet er, das Familienarchiv bis 1914 lückenlos. Dennoch: "Über die Kulmbacher Zeit wussten wir nicht viel."

Das änderte sich vor gut zwei Wochen. Sieghard von Pannwitz suchte, wie so oft, im Internet nach Informationen, die für seine Biografie nützlich sein könnten. Dabei stieß er auf einen Artikel, den inFranken, das Online-Portal unserer Zeitung, am Tag zuvor veröffentlicht hatte. Der Historiker Wolfgang Schoberth hatte darin eine Fülle von Details zusammengetragen über den berühmten Bürgermeister der Stadt, der - selbst ein brillanter Verwaltungsrechtler - wohl am lokalpolitischen Kleinkrieg in der Stadt verzweifelt war und nach nur eineinhalb Jahren im Amt seinen Rücktritt erklärt hatte.

"Ich war hell begeistert", erinnert sich Sieghard von Pannwitz. "Plötzlich hatten wir authentische Informationen." Erhellend war der Beitrag in der Bayerischen Rundschau für den 76-jährigen Osnabrücker noch in anderer Hinsicht. Da gab es, so erfuhr er, ein Porträt von Walter von Pannwitz, das allerdings nicht in der Bürgermeister-Galerie auf der Plassenburg hängt, sondern im Depot der Sammlungen liegt. Das dort "verstaubt", wie der Autor der Biografie mutmaßt. Dass man den berühmten Vorfahren nicht höher schätzt, wurmt ihn. "Sollte sich auch weiterhin kein Platz für ihn in der Ahnengalerie finden, so würde ich der Stadt gerne ein Angebot machen, da er dann zurück zu seiner Familie kommen könnte. Wir machen für ihn sofort Platz an der Wand!"

Das freilich dürfte nicht so einfach sein. Das Pannwitz-Gemälde nämlich befindet sich im Bestand des früheren Luitpoldmuseums - und dieser Bestand wiederum gehört zum Grundstockvermögen der Stiftung Landschaftsmuseum Obermain, erläutert Ulrike Michael, Pressesprecherin der Stadt Kulmbach. "Das Grundstockvermögen ist laut Stiftungssatzung dauernd und ungeschmälert zu erhalten."

Schlechte Chancen also für die Familie Pannwitz, ihren "Onkel Walter" heimzuholen.

Bleibt die Frage, warum das 71,5 mal 56 Zentimeter große Ölgemälde, das der Maler Alfred Schwarz aus Berlin angefertigt hat, derzeit im Depot der Sammlungen schlummert und nicht öffentlich gezeigt wird - so wie andere Bürgermeister-Porträts auch. Insgesamt 14 solcher Porträts sind im ersten Stock des Landschaftsmuseums Obermain auf der Plassenburg ausgestellt. Die Galerie beginnt mit dem Bürgermeister Georg Schultheiß vom Hoff, der ab 1583 Bürgermeister in Kulmbach war. Sie endet mit Wilhelm Flessa, der 1896 gewählt wurde und mehrere Jahrzehnte Bürgermeister war.

Dazwischen liegen die Bürgermeister Heinrich Rüger (1590), Hans Wernlein (1593), Hans Hahn (1599), Leonhard Vischer (1604), Friedrich Fugmann (1626), Thomas Meusel (1636), Caspar Burkhard (1761), Johann Lorenz Seeberger (1777), Johann Wolfgang Pöhlmann (1782), Martin Planck (1786) sowie Johann Matthäus Maurer (1796).

Warum der langjährige Museumsleiter auf der Burg, Wolfgang Mössner (†) seinerzeit gerade diese Auswahl getroffen h at? "Das kann im Einzelnen nicht nachvollzogen werden", heißt es aus der Pressestelle der Stadt.

Und so wird das Porträt von Walter von Pannwitz wohl auch weiterhin im Depot schlummern - oder vielleicht irgendwann einmal in einer Sonderstellung gezeigt werden. Dann könnten Sieghard von Pannwitz und seine Familie ihrem berühmten "Onkel Walter" immerhin einen Besuch abstatten.

Walter von Pannwitz und seine Familie

Vorfahren Walter von Pannwitz wurde 1856 in Mehlsack in Ostpreußen geboren. Er entstammte einem in der Lausitz und Schlesien angesiedelten uradeligen Geschlechts, das im Jahre 1276 zum ersten Mal in Bautzen in der Oberlausitz urkundlich erwähnt worden ist.

Familie Für den Vater von Walter, als zwölftes Kind von fünfzehn, wird bei der Erbteilung nicht viel übrig gewesen sein, so dass er einen bürgerlichen Beruf ergreifen musste, in den Staatsdienst eintrat, wo er bis zum Königlich preußischen Steuerrat aufstiegen ist. Walter von Pannwitz war der letzte männliche Nachkomme der sogenannten zweiten Linie mit Stammvater Wolfram (gest. 1306). Die Linie ist mit seinem Tod zum Erlöschen gekommen.

Weitere Verwandte Der heute aus der Pannwitz`schen Familie noch einzige blühende Zweig, der ersten Linie (Müschen- Spreewald) ist nach der Vertreibung 1945 aus Schlesien ausnahmslos im heutigen westlichen Teil von Deutschland wiederzufinden. Ihm gehört auch Sieghard von Pannwitz an. Nach der Auswanderung von Dietmar von Pannwitz nach Argentinien gleich nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich dort eine argentinische Linie der Familie gebildet. Das Verwandtschaftsverhältnis zwischen diesen Teilen der Pannwitz`schen Familie und Walter kann als nur entfernt betrachtet werden. SvP

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