Kulmbach
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Endlich wieder schmerzfrei gehen mit individuellen Knie-Prothesen

Ein neues Operationsverfahren macht's möglich: Knie-Prothesen können im Kulmbacher Endoprothetikzentrum individuell angepasst werden. Das Verfahren ist aufwendig, bringt aber viele Vorteile.
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Chirurgie ist nicht nur Medizin, sondern auch Handwerk. Bohrmaschine, Hammer und Meißel gehören zum Handwerkszeug, wenn Gerhard Finkenzeller mit seinem Team ein neues Kniegelenk einsetzt. Foto: Dagmar Besand
Chirurgie ist nicht nur Medizin, sondern auch Handwerk. Bohrmaschine, Hammer und Meißel gehören zum Handwerkszeug, wenn Gerhard Finkenzeller mit seinem Team ein neues Kniegelenk einsetzt. Foto: Dagmar Besand
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Die Kniegelenke sind die am meisten beanspruchten Gelenke des Körpers: Sie werden bei jedem Schritt, jeder Drehung, jedem Sprung, jeder Beugung belastet. Das macht ihnen normalerweise nichts aus. Sie sind so aufgebaut, dass sie die tagtägliche Belastung locker ein Leben lang aushalten. Sie verfügen über ein ausgeklügeltes und effektives Dämpfungssystem mit dicken Knorpelpuffern, die die Knochenenden von Ober- und Unterschenkel überziehen, und dünnen, elastischen Kissen dazwischen, den Menisken.



Bewegungsmangel, Fehlstellungen, Übergewicht und einseitige Belastungen können mit den Jahren zum Verschleiß führen. Resultat: schmerzhafte Bewegungseinschränkungen.
Reichen Physiotherapie und Medikamente nicht mehr aus, hilft oft nur noch ein neues Kniegelenk.

Millimetergenau geplant
Relativ neu ist ein Operationsverfahren mit Total- oder Teilprothesen nach Maß, das am Klinikum Kulmbach seit etwa einem Jahr mit Erfolg eingesetzt wird. Chefarzt Gerhard Finkenzeller ist ein erfahrener Chirurg und begeistert von den neuen Möglichkeiten: Nie zuvor konnte man Operationen so exakt planen und so passgenau arbeiten, wie dies mit Hilfe der so genannten "patientenspezifischen Instrumente" möglich ist.

"Größe, Stellung und Ausrichtung des Kniegelenks unterscheiden sich bei jedem Menschen. Mit individuellen Knieprothesen können wir das berücksichtigen." Selbstverständlich könne man auch eine klassische OP gut planen, "aber die Umsetzung hängt dann in erster Linie vom Augenmaß des Operateurs ab". Bei der computergestützten Planung braucht es zwar ebenso den erfahrenen Chirurgen, aber dieser kann seine Arbeit auf exakte Vermessungsdaten stützen.

Das gesunde Knie besteht aus drei Knochenteilen: dem Oberschenkelknochen, dem Schienbein und der Kniescheibe. Diese Knochen sind mit glattem Knorpel überzogen. Er ermöglicht die geschmeidige Bewegung und dämpft die Erschütterungen. Wenn dieser Gelenkknorpel verschlissen ist, dann reibt Knochen auf Knochen. Es ist ein schleichender Prozess, doch am Ende ist der Knorpel so abgenutzt, dass die Betroffenen laufen wie ein Auto, das "auf der Felge" fährt.

So fühlen sich viele Patienten, die sich im Klinikum operieren lassen. Das künstliche Implantat, ein Metallgelenk mit einer Gleitfläche aus Polyethylen, sorgt bei optimaler Anpassung dafür, dass der Patient damit wieder schmerzfrei gehen kann.

Bis das Gelenk sitzt, hat das OP-Team reichlich Arbeit: Eine Vielzahl an sterilen Instrumenten und Verbrauchsmaterialien muss bereit liegen, der Patient vorbereitet und überwacht werden.

Es fließt kein Blut
Obwohl für den Gelenkaustausch ein recht großer Schnitt durch alle Gewebeschichten nötig ist, fließt in der Regel kein Blut. Das wird für die Dauer der Operation zurückgestaut, was die Übersicht über das Operationsgebiet sehr erleichtert.

Nicht nur das Skalpell gehört zu Finkenzellers Handwerkszeug, sondern auch Bohrmaschine, Hammer und Meißel. Chirurgie ist die handwerklichste aller medizinischen Disziplinen, doch auch der Bohrer muss mit Feingefühl geführt werden.

Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum Kulmbach ist das erste zertifizierte Endoprothetikzentrum in Oberfranken. Gerhard Finkenzeller und sein Team haben hier im vergangenen Jahr 241 Patienten mit einem neuen Kniegelenk versorgt, 345 mit einer neuen Hüfte.

Noch Luft nach oben
Für Hüftoperationen bringt das neue Verfahren keine Vorteile, denn hier sind schon bei herkömmlichen Operationsmethoden 95 Prozent aller Patienten anschließend beschwerdefrei. "Da lässt sich fast nichts mehr verbessern", sagt Finkenzeller. "Bei den Knieprothesen gibt es dagegen noch Luft nach oben. Etwa 90 Prozent der Patienten sind nach der Operation mit dem Ergebnis zufrieden, jeder zehnte hat aber danach noch mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu kämpfen."

Der Anteil des neuen Verfahrens an allen endoprothetischen Knie-Operationen im Kulmbacher Klinikum liegt bei etwa 20 Prozent. "Wir können das nicht jedem anbieten, denn es ist mit längeren Wartezeiten verbunden: Die Kernspin-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie), ihre Auswertung und die Maßanfertigung der Sägescha blonen durch eine Spezialfirma nehmen insgesamt bis zu sechs Wochen Zeit in Anspruch.

Finanziell macht es keinen großen Unterschied, welches Verfahren eingesetzt wird: Die Maßanfertigungen sind zwar teurer, sparen dafür aber anschließend OP-Zeit ein. "Ist die Wartezeit kein Hinderungsgrund, bringt die individuelle Lösung schon deutliche Vorteile - vor allem für Menschen, die ihre Kniegelenke im Beruf stark belasten, weil sie zum Beispiel in der Gastronomie arbeiten oder auf dem Bau."

Ob die mit dem neuen Verfahren angepassten Kunstgelenke auch länger halten als die herkömmlich operierten, bleibt noch abzuwarten. "Die durchschnittliche Standzeit beträgt 15 bis 20 Jahre. Es gibt noch keine belastbaren Vergleichszahlen, da die Methode noch neu ist."
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