Familie und Freunde sind glücklich: Yusef hat keine Schmerzen mehr. Der kleine Junge hat in den vergangenen Monaten mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen. Es gab Komplikationen und für das Kind sehr schmerzhafte Behandlungen. Aber das alles hat sich gelohnt! Was noch vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hat, ist gelungen: Yusef macht seine ersten Schritte auf eigenen Beinen! Für andere Kinder ist das spätestens ab einem Alter von einem Jahr selbstverständlich, im Fall Yusef ist es ein kleines Wunder.

Rückblick: Die Familie Mohamad stammt aus Syrien und ist 2015 nach Deutschland geflohen, als Mutter Yasmin mit Yusef, dem jüngsten ihrer drei Kinder, schwanger war.Yusef kam im April 2016 in Kulmbach zur Welt - geistig gesund, aber mit schweren Deformationen beider Beine und Füße. Ärzte gehen davon aus, dass die Behinderung eine unmittelbare Folge des Krieges ist: Seine Mutter war in Syrien Giftgas ausgesetzt. In ihrer Heimatregion teilen viele kleine Kinder Yusefs Schicksal.

Angst vor einer Amputation

Ärzte in mehreren Kliniken waren der Ansicht, dass eine Amputation beider Beine unvermeidlich ist. Dass es dazu nicht gekommen ist, verdankt Yusef dem Engagement vieler Unterstützer und einem Spezialistenteam des Universitätsklinikums Münster. In mehreren Operationen bemühen sich die Chirurgen darum, die Beine zu korrigieren und fehlende Gewebestrukturen zu ergänzen. Ein aufwendiger und langwieriger Prozess.

Im Februar hat Yusef für mehrere Monate einen sogenannten Fixateur externe bekommen - an beiden Beinen. Ein Fixateur ist ein mit Knochen verbundenes, äußerlich getragenes Haltesystem, mit dem die Beine gedehnt und gestreckt, die Füße begradigt wurden - eine schmerzhafte Prozedur für das Kind und für seine Mutter, die jeden Tag nach einem genau definierten Plan an den Stellschrauben drehen musste.

Den Fixateuren folgten viele Wochen im Liegegips. "Es gab Komplikationen, der Gips musste mehrmals erneuert werden", erzählt Sonja Birner aus Wonsees, die sich als ehrenamtliche Patin um die Familie kümmert und sie auf ihrem schwierigen Weg begleitet. Ein zweijähriges Kind bleibt nicht wochenlang bewegungslos in einer Gipsschale liegen. Es will krabbeln. Mal drückte der Gips, mal war er zu locker. "Die Ärzte in den Kliniken in Kulmbach, Bayreuth und Münster haben sich viel Mühe gegeben zu helfen."

Gut verpackt für mehr Stabilität

Nach dem Gips kamen die Orthesen, die es Yusef nun tatsächlich ermöglichen, auf seinen Beinen zu stehen und laufen zu lernen. Auch hier gab es zunächst Schwierigkeiten mit der Passform der stützenden Beinhülle. Zusätzlich mussten im schwächeren linken Bein die innenliegende stabilisierenden Drähte ausgetauscht werden.

All das ist nicht angenehm für den Zweieinhalbjährigen, der trotz allem ein fröhliches Kind ist. Yusef ist ein Kämpfer: Lange musste er üben, bis er sich tatsächlich auf den Beinen halten konnten. Aufstehen, hinfallen, ein paar Tränen - und wieder aufstehen! Inzwischen wird er von Tag zu Tag sicherer. Wenn er sich an einem Tisch und der Couch festhalten kann, kommt er in der Wohnung oft schon ganz allein ans Ziel.

Mama Yasmin und Papa Samir sind überglücklich über diese großen Fortschritte und auch die Geschwister Asya und Rashid sind stolz auf ihren tapferen kleinen Bruder.

Viele teure Extras sind nötig

Die Kosten für die Operationen und die ärztliche Behandlung sowie einen Teil der Fahrtkosten in die Klinik übernimmt die Krankenkasse. Doch die Familie muss viele weitere Belastungen stemmen, die sie aus eigener Kraft nicht finanzieren könnte: Reise- und Übernachtungskosten, Aufwand für Spezial-Autositz und Spezial-Kinderwagen, Zuzahlungen...

11 500 Euro und ein Auto

Dass die Familie das alles meistern kann, verdankt sie der Großzügigkeit vieler Rundschau-Leser, die insgesamt 11 500 Euro gespendet hatten. Das Geld hat unser Spendenverein "Franken helfen Franken" an den Caritas-Kreisverband Kulmbach überwiesen, der das Finanzielle abwickelt.

Die Hilfsbereitschaft der Spender zog weitere gute Taten nach sich: So haben die Adalbert-Raps-Stiftung und das Autohaus Hahn die Anschaffung eines gebrauchten Autos ermöglicht, mit dem Arztbesuche leichter fallen.

Auch sonst läuft es für Familie Mohamad gut: Sie ist in Stadtsteinach gut integriert, die beiden älteren Kinder sind sehr gute Schüler. Asya tanzt in der Faschingsgarde, Rashid trainiert Karate, Mutter Yasmin unterstützt mit ihren Erfahrungen andere syrische Familien, und Samir Mohamad hat in seinem gelernten Beruf als Fliesenleger Arbeit gefunden.

"Wir danken allen, die uns so unwahrscheinlich viel geholfen haben", sagt Yasmin Mohamad: "Den vielen Menschen, die Geld gegeben haben, damit Yusef eine Chance auf ein normales Leben hat, und den ehrenamtlichen Fahrern vom Roten Kreuz, die sich mit einem großen Herzen um uns kümmern."

Spendenverein und aktuelle Aktion

Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen und Internet-Angebote viele Menschen. Das nutzt sie, um mit Hilfe des Spendenvereins "Franken helfen Franken" Geld für jene zu sammeln, die auf Hilfe angewiesen sind. Den Verein gibt es seit 2009, bislang sind 450 000 Euro ausgeschüttet worden. Aktuelle Aktion Die Spenden gehen an gemeinnützige Initiativen, Projekte oder Vereine in der Region. Jeder gespendete Euro geht zu 100 Prozent an den guten Zweck. Dieses Jahr kommt das Geld einer traumatisierten Frau zugute, die dringend einen Assistenzhund benötigt, dessen Ausbildung sie sich aber alleine niemals leisten könnte.

Spendenkonto Sparkasse Bamberg; BIC: BYLADEM1SKB; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01

Bitte als Verwendungszweck bei der Überweisung angeben Assistenzhund für Elisa

Info Weitere Informationen zu unserer Spendenaktion gibt es auch online unter der Adresse

franken-helfen-franken.de.

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