Kulmbach
Entdecker-Tour (113)

Elf Tore schützten einst die Stadt Kulmbach

Wo sich früher die Befestigungsanlagen entlang der Kulmbacher Stadtmauer befanden, lesen Sie hier.
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In diesen Stadtplan von 1852 hat Erich Olbrich die Standorte der einstigen Kulmbacher Stadttore eingezeichnet. Grafik nach Erich Olbrich: Micho Haller
In diesen Stadtplan von 1852 hat Erich Olbrich die Standorte der einstigen Kulmbacher Stadttore eingezeichnet. Grafik nach Erich Olbrich: Micho Haller

Nachdem wir in der Entdecker-Tour 111 das Kirchwehr mit seinen Mauern betrachtet haben, entsprechen wir heute dem Wunsch vieler treuer Leser und schauen uns einmal die gesamte Kulmbacher Stadtmauer an. Grundlage der Angaben ist ein Stadtplan von 1852. In diesen haben wir den Verlauf der Stadtmauer, die alten Toranlagen und verschiedene wichtige Orte eingezeichnet.

Die erste Erwähnung des Ortes Kulma gab es um 1035, die der Plassenburg folgte 1135, also 100 Jahre später. Nach der Verleihung der Stadtrechte 1231 wurde die Stadt befestigt.

In der Ebstorfer Weltkarte

Die Bedeutung Kulmbachs mit der Plassenburg zeigt sich auch daran, dass diese in der Ebstorfer Weltkarte (um 1230) eingezeichnet ist. Die Stadt entwickelte sich, was auch einen Ausbau der Befestigungen zur Folge hatte. Die von uns gezeigte Stadtmauer entspricht der Zeit der Zerstörung im Jahr 1553. Das war noch vor dem 30-jährigen Krieg.

1. Bayreuther Tor: Es stand im Kressenstein vor der Abzweigung zur Hans-Hacker-Straße. Obwohl im 18. Jahrhundert Tore und Stadtmauern ihre militärische Wehrkraft längst verloren hatten, forderte das Ratskollegium der Stadt noch 1747 von der markgräflichen Regierung in Bayreuth den sehr wichtig erscheinenden Wiederaufbau des Bayreuther Tores. Markgraf Friedrich (1735 - 1763) genehmigte wohl das Gesuch, aber zum Bau des Tores kam es trotzdem nicht.

Der Stadtrat ließ in dieser Angelegenheit nichts unversucht und stellte beim Nachfolger, dem Markgrafen Friedrich Christian (1763 bis 1769), einen weiteren Bauantrag. Dieser Landesherr genehmigte sogleich beim Regierungsantritt "die Herstellung des längst verfallenen sogenannten Bayreuther Thores und Bollwerkes".

Symbolischer Akt

So war es wohl ein symbolischer Akt der Huldigung, als am 15. Mai 1764 dem regierenden Markgrafen Friedrich Christian beim Einzug in Kulmbach von Bürgermeister und Rat die Stadtschlüssel am Bayreuther Tor feierlich überreicht wurden.

Das Wachthaus am Bayreuther Tor war ein eingeschossiger Bau aus Sandsteinen. Sein Dach war mit Ziegeln gedeckt. Die Straßenseite des Gebäudes zeigte einen vorgestellten Dreiecksgiebel auf vier Rundsäulen. Tor und Haus mussten beim Bau des Hauses Kressenstein 30, dem früheren Verwaltungsgebäude der "Petzbrauerei", weichen.

2. Rindles Tor: Es wurde bereits 1436 erwähnt. Im Kriegsjahr 1632 wurde das Rindlas-, Ryleins- oder auch Ringels-Tor als schwächste Stelle in der Stadtbefestigung bezeichnet. Deshalb stellte man sofort Mittel bereit, um eine Schanze aufzuwerfen. 1876 kaufte die Stadt Kulmbach die beiden Häuser des Färbermeisters Rußler, um die Engstelle im Kressenstein zu beheben. Diese Anlage befand sich im Bereich der heutigen Häuser Kressenstein 13 und 14.

3. Tränktor, später auch Kronacher Tor: So hieß ein Nebentor auch dem Weg Richtung Ziegelhütte und Petzmannsberg. Noch heute heißt die Brücke in der Sutte/Kronacher Straße die Tränkbrücke. Das Tor lag an der alten Gemeindeweide und wurde zeitweise auch das "Tor an der Tratt" genannt. Zwischen den äußersten Toren im Westen, dem Rindlestor und dem Tränktor, lag das Hirtenhaus der Stadt.

Die Bezeichnung Tränkmain gilt für jenen Mainteil, an dem einst der Mühlbach abgeleitet wurde.

Neben dem Tor lagen das Färberhaus und die Grefenmühle, die spätere Eichenmühle.

4. Grünwehrtor: Vermutlich wurde dieses beim Wiederaufbau nach 1553, vor dem 30-jährigen Krieg, errichtet. Man bezeichnete es als "unter dem Tor im grünen Wehr". Es gehörte zu den großen Toren mit einem Vorhäuslein. So steht im Lehenbuch 1597: Das Tor mit Torhaus beschloss die Vischergasse und war mit einem Torwart besetzt.

5. Tor an der Steinernen Brücke: Es wurde vermutlich in der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg errichtet. Hier wurden allerdings schon immer Sicherungs- und Kontrollaufgaben durchgeführt.

6. Alte Mangersreuther Pforte: Diese Maueröffnung beim Heilingschwertturm wird nach 1500 nicht mehr erwähnt und wurde vermutlich in dieser Zeit geschlossen.

7. Langgässer Tor: Das Tor nach Westen hatte verschiedene Namen, zum Beispiel Hirschentor, Preyols- oder Veytentor. Aber auch als Veitentor und Crinestor wurde es bezeichnet, nach dem Bewohner Veit Teufel (bis 1582) und dem angrenzenden Wirt Hans Crines.

Der Name Hirschentor rührt von der Lage am Hirschgraben her. Dort hatte die Schützengilde ihren Schießstand, wahrscheinlich mit einem beweglichen Hirschen. Dieses Langgässer Tor hatte ein Torhaus mit oberem und unterem Zimmer, letzteres für den Torwart als geschworenem Messer und Eicher, der auch Zoll und Standgeld einnahm. Es wurde bereits 1788 abgebrochen. An seiner Stelle wurden zwei Mansardenhäuser aus Sandstein im Markgrafenstil erbaut.

8. Spitaltor oder Breyeltor: Das Tor hatte oben eine Wohnung, daneben befand sich ein Häuschen für den Torwart. Daran sind zwei Türme gebaut, der eine wurde "Roter Turm" genannt und diente der Bürgerstrafe. Ferner gab es einen hohen "Weißen Turm". Das Spitaltor schloss den inneren Stadtkern nach Norden ab und sperrte bei Bedarf die Straße nach Hof.

9. Pforte am Roten Turm: Der Rote Turm ist ein auch heute noch erhaltener, das Stadtbild prägender Wehrturm. Hier wohnte der Stadtpfeifer als Brandwächter. Leider gibt keinen gesicherten Nachweis, ob diese Pforte auch früher schon vorhanden war. Im Bericht über den Conraditag wird gerne die Pforte am Roten Turm erwähnt, hier könnte aber auch der Rote Turm in der Spitalgasse gemeint gewesen sein.

10. Kanzleitor: Es befand sich neben der alten Kanzlei der Landesherrschaft als Abschluss der Oberen Stadt nach Osten und besaß Tor und Torhaus. Ein hölzerner Gang darüber verband die Häuser rechts und links beiderseits der Oberen Stadt. Die Wohnung des Torwächters befand sich im Torhaus.

11. Kirchnerstor: Das Kirchnerstor ist bisher nicht sehr bekannt. Auf dem Lageplan der Stadt Culmbach von 1851 lassen sich die Ansätze des Tores erkennen. Es überspannte den Festungsberg (Auffahrt zur Plassenburg) an den Anwesen Kirchplatz 6 und Festungsberg 8.

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