Würzburg
Familiengeld

Einseitige Förderung: Eltern bekommen für Pflegekinder kein Familiengeld

Während leiblichen Kindern Familiengeld zustehen, gehen Pflegekinder leer aus. Eine Familie aus Würzburg ist empört und möchte dagegen klagen.
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Familien bekommen nur für leibliche Kinder Familiengeld. Symbolfoto: pixabay.com
Familien bekommen nur für leibliche Kinder Familiengeld. Symbolfoto: pixabay.com

Für Petra Waldinger ist das Familiengeld eine gute Sache. Allerdings: Sie hat nichts davon. Denn der einjährige Liam, den sie großzieht, ist "nur" ihr Pflegesohn. Würde er bei seinen leiblichen Eltern aufwachsen, bekäme die Familie aus Kulmbach für ihn Familiengeld. Doch Liams Mutter kann ihn nicht erziehen: "Das ist ihr aufgrund ihrer Lebensumstände nicht möglich." Mit drei Tagen kam der Junge zu den Waldingers.

Leibliches Kind bekommt Förderung

Liam hat einen dreijährigen Bruder und eine achtmonatige Schwester. Während der leiblichen Tochter der Waldingers Familiengeld zusteht, geht das Pflegekind leer aus. Was die Kulmbacherin empört: "Herr Söder versprach, dass das Familiengeld allen Kindern zugutekommen wird." Wie könne es sein, dass zwei Kinder, die im selben Haushalt aufwachsen, derart unterschiedlich unterstützt werden?

"Das Familiengeldgesetz verlangt grundsätzlich die Erziehung des eigenen Kindes", heißt es vom Bayerischen Familienministerium.

Dort räumt man zwar ein, "dass Pflegefamilien einen enormen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten". Eben deshalb würden sie stark vom Staat unterstützt. Diese Förderung ziele darauf ab, dass Pflegepersonen dem Pflegekind den gleichen Lebensstandard wie den eigenen Kindern bieten können: "Ohne aus eigenen Mitteln zuschießen zu müssen."

Mehr zum Thema: Zweifelhafte Förderung: Bayerisches Familiengeld hilft armen Familien nicht

Genau das stimmt aber nicht, sagt Waldinger. Für Liams Ernährung, für sein Zimmer, für Möbel, Kleidung, Spielsachen und Freizeitgestaltung des Kindes erhält die Familie rund 500 Euro im Monat. Hinzu kommt eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 300 Euro für sie als Eltern: "Also dafür, dass wir 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche für das Kind da sind." Der Gesamtbetrag decke die Aufwendungen bei weitem nicht ab: "Wer kann es sich denn überhaupt schon erlauben, für 300 Euro im Monat den Job aufzugeben, um ein Pflegekind zu erziehen?"

"Kinder zweiter Klasse"

Petra Waldingers Mann ist derzeit in Elternzeit, sie selbst, die einen guten Job als Personalleiterin hat, arbeitet in Teilzeit. Beide Eltern versuchen, ihre drei Kinder so gut es geht zu fördern.

Die Knauserei der Staatsregierung versteht Waldinger umso weniger, als sie weiß, dass ein Heimplatz für Kinder, die nicht in ihrer Familie aufwachsen können, viele Tausend Euro pro Monat kostet. Sie will gegen die Benachteiligung von Pflegekindern kämpfen: "Wir werden auch für Liam einen Antrag auf Familiengeld stellen." Vermutlich werde der Antrag abgelehnt: "Dagegen werden wir mit einem Anwalt klagen." Zudem wollen die Waldingers eine Petition einreichen, um auch Familiengeld für Pflegekinder durchzusetzen.

Der Ausschluss vom Familiengeld sorge für "Kinder zweiter Klasse", meint auch Silvia Wehner-Dörschner. Sie erzieht zusammen mit ihrem Mann Fabian Dörschner einen Sechsjährigen. Die Ausgaben für den Jungen übersteigen das Budget, das sie von öffentlichen Stellen erhalten, sagt die Familie aus Röttingen im Landkreis Würzburg.

Vom Familiengeld würde das Pflegekind des Röttinger Paars zwar nicht profitieren, da es nur an Kinder vom 13. bis zum 36. Lebensmonat ausgezahlt wird. Dennoch gehen die beiden an die Öffentlichkeit. Denn sie wollen, dass Pflegefamilien endlich als "normale Familie" anerkannt werden.



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