Blaich
Entdecker-Tour (78)

Einmaliger Kuh-Handel in der Kulmbacher Blaich

1979 war plötzlich die Sauermanns-Kuh in Kulmbach verschwunden. Nach einer Odyssee kehrte das Ur-Vieh 1989 heim.
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Die Sauermanns-Kuh hat in der Blaich alles im Blick.Erich Olbrich
Die Sauermanns-Kuh hat in der Blaich alles im Blick.Erich Olbrich
Begonnen hat der einmalige Kuh-Handel in der Blaich wohl bereits 1979. Damals schrieb der Konkursverwalter der Fabrik Sauermann an den Stadtschulrat Hans Stößlein, dass sich der Nachfolger des traditionsreichen Unternehmens, die Firma Emil Färber aus Emmendingen, als neuer Besitzer der Kuh betrachte. Und der wollten sie nach Baden-Württemberg überführen.

Die Kulmbacher konterten, bei der Kuh handle es sich um ein Denkmal, das hier bleiben müsse. Doch gerade als sich die Bierstädter im September 1979 noch in den Sommerferien befanden, war die Kuh weg. Die Emmendinger nutzten die Abwesenheit zur Entführung.


Italienische Kopie


Da aus Kulmbacher Sicht immer noch nicht geklärt war, wer denn nun der rechtmäßige Besitzer war, versuchte man eine gütliche Einigung zu erzielen. Selbst der Emmendinger OB wurde eingeschaltet. Schließlich einigte man sich auf die Herstellung einer Kopie - die Kuh wurde dafür zu einer Bronze-Gießerei bei Turin gebracht. Das Original sollte nach Kulmbach zurück, die Kopie zur Firma Färber.

Die Gemüter beruhigten sich, bis im November 1988 der Kulmbacher Stadtrat die Entscheidung traf, die Kuh nicht mehr in der Blaich aufzustellen, sondern bei der Bundesanstalt für Fleischforschung. Jetzt erregten sich erneut die Gemüter. Man stellte sogar eine echte Kuh auf die Wiese beim Sauermannsgelände, verfasste Leserbriefe und sammelte Unterschriften.

Angesichtes solch heftiger Proteste revidierte der Stadtrat gleich in der nächsten Sitzung seine Entscheidung und beschloss, die Kuh wieder in der Blaich aufzustellen.


Die Rückkehr des Ur-Viehs


Die Rückkehr des Ur-Viehs gestaltete sich verhältnismäßig ruhig. Über die Schweiz kam es per Spedition am 2. Juni 1989 nach Kulmbach und wurde von Baudirektor Carl Siegl höchstpersönlich in Empfang genommen. Dann gab es einen Aufruf an die Bevölkerung: Die der Kuh zugetanen Bürger sollten spenden, um einen Teil der Kosten des massiven Betonsockels zu übernehmen und das Denkmal unverrückbar für die Nachwelt zu erhalten. Als Standort kam für die Bürger nur die Grünfläche im Bereich der ehemaligen Firma Sauermann infrage, in der Nähe des alten Stellplatzes, im Schatten gelegen.

Um sich aber von den ganzen Streitigkeiten zu erholen, durfte die Kuh erst einmal einen "Kurlaub" antreten. Unter der Leitung des Schwarzacher Bildhauers Erich Hiemisch wurde sie in einem Straubinger Fachbetrieb einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

Dort stellte man fest, dass es sich bei der Kuh um eine handwerklich hervorragende Arbeit handelte, die aber bei der Demontage und den Transporten erhebliche Schäden erlitten hatte. Unter Mitwirkung von Bernd Meile bildete sich eine Bürgergemeinschaft, die sich die Finanzierung der Reparaturkosten in Höhe von 5000 D-Mark zur Aufgabe machte.


Verlötet, nicht geschweißt


So mussten die Augäpfel ersetzt und die bronzenen Wimpern erneuert werden. Die Augen bestehen aus Segmenten von Rauchquarzkugeln, das Weiße darin war aus Kitt-Masse gebildet. Das Tier war nicht verschweißt, sondern nach altem Brauch verlötet worden.

Schließlich forderte man für das Prachtstück eine Aufnahme in die Denkmalliste und sogar die Blickrichtung der Kuh am Standort wurde genau festgelegt. So sind halt die Blaicher ...


Feier auf dem Maiximiliansplatz


Am Samstag, 23. September 1989, feierte man auf dem Maximiliansplatz - so hieß der Blaicher Platz von 1852 bis 1954 - ein großes Fest zur Wiederaufstellung. Tausende kamen.

Namens der Bürgergemeinschaft erinnerte Thomas Lange an die lange Leidensgeschichte der Kuh, bis sie wieder auf ihrem angestammten Platz stand. Der Geschäftsführer der Firma Färber machte das Standbild nun der Stadt Kulmbach zum Geschenk und überreichte die Urkunde an OB Erich Stammberger. Der Gesangsverein "Eintracht" Blaich leistete einen stimmungsvollen Beitrag zum Fest. Danach übernahm die Kapelle "Die Franken" das Kommando mit dem beziehungsreichen ersten Stück "7000 Rinder, Kinder, Kinder, Kinder".

Den Auftrag zur Fertigung der Kuh hatte Direktor Hans Sauermann erteilt. Er hatte das Standbild einer Zucht-Kuh nachbilden lassen, die auf einer Landwirtschaftsausstellung in München prämiert worden war.


Mit der Münchner Bavaria verwandt


Georg Roemer (1868 bis 1922) war Bildhauer und Medailleur. Bekannt sind sein "Speerträger" in der großen Halle der Ludwig-Maximilians- Universität und die Bronzegruppe "Wilde Pferde" in München. Die Skulptur trägt zwei versteckt eingearbeitete Inschriften, die auf den Künstler und auf die ausführende Gießerei hinweisen. Eine Jahreszahl ist leider nicht vorhanden. Erich Hiemisch vermutete aber, dass es 1920 gewesen sein könne. Aufgrund der Arbeitsweise käme jedoch auch die Jahrhundertwende in Frage.

Die Erzgießerei Ferdinand von Miller bestand von 1822 bis 1931. Neben der Blaicher Kuh wurden hier bedeutende Kunstwerke geschaffen. Am bekanntesten dürfte, neben sehr vielen anderen, die "Bavaria" auf der Theresienwiese sein.

Anlass der Namensgebung für den Maximiliansplatz in der Blaich war 1852 der Besuch des bayerischen Königs Maximilian II. mit seiner Gemahlin in Kulmbach. Der Namen blieb bis 1954 erhalten.


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