Kulmbach
Theater

Eine Stadt und der Lockruf des vielen Geldes

Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums brachten den "Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne.
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Die Bürger von Güllen freuen sich auf einen Geldregen.Uschi Prawitz
Die Bürger von Güllen freuen sich auf einen Geldregen.Uschi Prawitz
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Kann man Gerechtigkeit kaufen? Wie weit ist man bereit, für eine hohe Summe Geld zu gehen? Diese Fragen stellten sich mit der Theateraufführung des Mittelstufentheaters am Caspar-Vischer-Gymnasium im Schulforum.

Im Fall von Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" sind die Bewohner der verarmten Kleinstadt Güllen zu vielem bereit und schrecken gar vor einem Mord nicht zurück. Die Milliardärin Claire Zachanassian (Sarah Neubing), selbst in Güllen aufgewachsen, wurde in ihrer Jugend von ihrem Geliebten Alfred Ill (Laurin Hennies) verraten. Sie musste den Ort verlassen, landete in der Prostitution, aus der sie sich jedoch empor arbeitete und schließlich zur heimlichen Eigentümerin der ganzen Stadt wurde. Diese ließ sie ausbluten und verarmen, denn die Bürger Güllens hatten einst tatenlos zugesehen - ihr müde hinterher gelächelt.

Der Wohlstand lockt

"Ich biete Güllen eine Milliarde für die Gerechtigkeit", verkündete Claire, als sie in hohem Alter ihrer Heimatstadt einen Besuch abstattet. Als Preis verlangt sie die Ermordung von Alfred Ill. Die Bürger Güllens stürzen in einen dramatischen Konflikt, stehen anfangs noch zum zukünftigen Bürgermeisterkandidaten Ill, lassen sich jedoch zusehends vom lockenden Wohlstand verleiten. "Nicht des Geldes wegen, sondern wegen der Gerechtigkeit", versuchen sich die Güllener Bürger einzureden.

"Wenn es um Geld geht, dient die Moral oft nur als Feigenblatt", sagte Christian Kramer, Mitarbeiter der Schulleitung, zur Begrüßung. Mit Geld ein Unrecht zu kaschieren habe an Aktualität nichts verloren. Auch die beiden Regisseure Frank Hoyer und Andreas Schoberth hat dieses Thema umgetrieben. "Wie stark soll der Konsum unser Leben bestimmen?", fragte sich Kunstlehrer Schoberth. Rechtfertigt das Leid der Claire Zachanassian einen Mord?

Um die Thematik knackig auf die Bühne zu bringen hat Frank Hoyer die Vorlage umgeschrieben, gekürzt und dramatisch zugespitzt. "Der Wechsel zwischen Spielfreude und kleinen Spitzen, zwischen Komik und Dramatik macht das Stück lebendig", sagte er. Die Darsteller hätten die Möglichkeit gehabt, die jeweiligen Stärken auszuspielen. "Wir haben die Rollen demokratisch verteilt und waren seit November am Proben."

Viel Applaus für die Schüler

Zum ersten Mal leitete er das Mittelstufentheater zusammen mit Andreas Schoberth, der bis zum letzten Schuljahr für das Unterstufentheater verantwortlich zeichnete. "Der größte Unterschied zum Unterstufentheater ist, dass man die Spielerfahrung der Schülerinnen und Schüler merkt", sagte Schoberth, außerdem habe es bei den Proben weniger Gewusel gegeben, ergänzte er mit einem Augenzwinkern. "Die größte Herausforderung ist jedoch, Schule und Theater in Einklang zu bringen." Dem pflichtete Hoyer bei, der seinem Ensemble großen Respekt aussprach. "Während der Proben gab es insbesondere in der Schlussphase viel Stress, die Schüler sind teilweise aus der Probe zur Abfrage oder zum Schulaufgabeschreiben gegangen und haben dann wieder weiter geprobt."

Der Einsatz und die Leistung des Theaterensembles wurden jedenfalls mit einem dicken Applaus belohnt.

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