Kulmbach
Entdecker-Tour (59)

Eine schändliche Tat mitten in Kulmbach

Eingeweiht, zerstört und wieder aufgestellt: der Davidsbrunnen im Kulmbacher Stadtpark.
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Der Davidsbrunnen im Kulmbacher StadtparkErich Olbrich
Der Davidsbrunnen im Kulmbacher StadtparkErich Olbrich
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Der Davidsbrunnen im Stadtpark erinnert an einen großen Kulmbacher Künstler und an eine schändliche Tat. Das "Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Söhne" von Carl August Bachmann war am 24. April 1927 eingeweiht, und 1934 zerstört worden.

Der Künstler Carl August Bachmann wurde 1885 in Kulmbach geboren. Sein Vater, ein Holzbildhauer, war ein Nürnberger, die Mutter eine Kulmbacherin. Carl August besuchte die Volks- und Realschule, in der Werkstatt seines Vaters im Oberhacken erlernte er die Grundzüge der Schnitzerei. Leider wurde die Werkstatt in den 1960er Jahren abgerissen, heute steht dort das Haus Oberhacken 5.


Viele Preise eingeheimst


Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Nürnberg begann Bachmann 1906 ein Studium an der Kunstakademie in München. Zwischen 1912 und 1917 schaffte er den künstlerischen Durchbruch. Seine plastischen Arbeiten wurden mit Akademiepreisen gewürdigt.

Für die Kopfstudie seiner Figur "David" wurde er 1918/19 mit dem höchsten Akademiepreis überhaupt, dem "Rompreis", ausgezeichnet.


Preisgekrönte Figur


1927, also drei Jahre nach Bachmanns Tod, fasste der Kulmbacher Stadtrat den Beschluss, die preisgekrönte Figur des David als "Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Söhne" zu kaufen. Noch im gleichen Jahr erfolgte die feierliche Einweihung. Der Brunnen wurde unter der hohen Linde hinter dem städtischen Krankenhaus (heute Bücherei und AOK-Pflegekasse), errichtet.

Die von Bachmann geschaffene Jünglingsfigur stellte den aus der biblischen Geschichte wohlbekannten Helden David dar, der seinen Fuß auf das Haupt des von ihm mit Gottes Hilfe besiegten Riesen Goliath setzt. Die Wahl dieses Motives sollte dem Kunstwerk zum Verhängnis werden. In ihrem Hass gegen alles Jüdische scheuten einige Fanatiker nicht davor zurück, die Figur 1934 mehrmals zu beschädigen und sie schließlich von ihrem Podest zu stürzen. Es ist besonders betrüblich, dass es wohl Kulmbacher waren, die dieses Kunstwerk zerstört haben und sich auf diese Tat noch etwas einbildeten. Bei den herrschenden Zeitumständen und politischen Verhältnissen im nationalsozialistischen Deutschland waren sie offenkundig der Meinung, zum Besten ihres Volkes gehandelt zu haben.


Kunstwerke auf dem Friedhof



Man brachte das Bronzestandbild daraufhin in den städtischen Bauhof und lieferte es im Krieg zum Einschmelzen ab. Ein Gipsmodell des Standbildes war zwar auf der Plassenburg eingelagert und überdauerte die Kriegsjahre, wurde aber 1945, als die Burg mit verschleppten Ausländern belegt war, in den Schönen Hof gestürzt und zertrümmert.

Glücklicherweise gibt es im neuen Friedhof noch einige Kunstwerke des 1924 im Alter von nur 39 Jahren verstorbenen Bildhauers Bachmann. Auf dem Meußdoerfferschen Familiengrab entdeckt man die Figur eines müden Wanderers; auf der von Sprunerschen Gruft ist es ein erschöpfter Greis, dem eine Frauengestalt eine erquickende Schale reicht, und auf dem Philipp Sauermannschen Grab sehen wir Christus sitzend, als Schmerzensmann.

"


Es ist vollbracht"


Das letzte Werk Bachmanns vor seinem Tod 1924 war ein Kruzifix mit dem Titel "Es ist vollbracht", ein Schnitzwerk aus Lindenholz für die protestantische Kirche in Garmisch-Partenkirchen. Der spätere Kulmbacher OB Murrmann gab 1966 den Anstoß, zumindest die alte, noch vorhandene Fassung in den Fontänen-Brunnen im Stadtpark zu integrieren.

Seit dem 29. Mai 2006 ist der Brunnen wieder komplett anzuschauen. Dies ist ein Verdienst des Rotary-Clubs, der anlässlich seines 40- jährigen Bestehens der Stadt Kulmbach den "neuen David" zum Geschenk machte. Der Gestalter dieser Plastik war Reinhard Klesse aus Viereth. Für diesen war es nicht einfach, das Projekt anhand von Postkarten umzusetzen.


Jüdischer Jüngling im Dritten Reich


Der Vorsitzende der Rotarier, Georg Elben, erinnerte bei der Übergabe an den 24. April 1927, als Bürgermeister Hans Hacker das von Bachmann geschaffene Original für den Davidsbrunnen enthüllte, aber auch an die Weltanschauung der Nazis, die keinen Platz mehr für die biblische Darstellung eines siegreichen jüdischen Jünglings zuließ.

Der Präsident des Rotary Clubs, Rudolf Streng, verband mit dem Geschenk an die Stadt den Wunsch, dass sich diese düstere Geschichte niemals wiederholen möge. Oberbürgermeisterin Inge Aures lobte die Spender: "Es ist keine Selbstverständlichkeit, ein solches Engagement an den Tag zu legen, das weit über das normale Maß hinausgeht."
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