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Kulmbach
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Eine neue Promillegrenze für Radfahrer?

Die Innenminister denken derzeit über neue Promillegrenzen für Fahrradfahrer nach. 1,6 Promille erscheint manchem zu viel. Was sagt die Polizei dazu? Und wie viele betrunkene Radfahrer sind in Kulmbach überhaupt unterwegs?
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Wer kräftig gezecht hat, sollte das Fahrrad lieber stehen lassen. Noch sind die Promillegrenzen für Radler relativ großzügig. Das aber könnte sich bald ändern. Fotos: Sonja Adam
Wer kräftig gezecht hat, sollte das Fahrrad lieber stehen lassen. Noch sind die Promillegrenzen für Radler relativ großzügig. Das aber könnte sich bald ändern. Fotos: Sonja Adam
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An den Fall der 37-jährigen Frau, die seine Kollegen eines Nachts in Kulmbach antrafen, erinnert sich Michael Kofer, Verkehrssachbearbeiter bei der Kulmbacher Polizei, noch ganz genau: "Sie war mit dem Fahrrad unterwegs, fuhr Schlangenlinien und war offensichtlich stark betrunken. Sie hatte einen Rucksack dabei und wollte an der Tankstelle Nachschub holen."

Ein Einzelfall? Keineswegs, sagt Kofer. Immer wieder hat sich die Kulmbacher Polizei mit betrunkenen Radfahrern zu beschäftigen. Von einem "Problem" möchte Verkehrssachbearbeiter Kofer nicht unbedingtsprechen - die Zahl der Fälle bleibt jährlich im einstelligen Bereich.

Hohe Dunkelziffer.
Aber die Dunkelziffer ist hoch, denn routinemäßige Alkoholkontrollen für Radfahrer gibt es nicht. "Wenn jemand auf irgendeinem Feldweg betrunken fährt und stürzt - dann ist das nur schwer kontrollierbar", sagt Kofer.
Von der Polizei werden Radfahrer immer nur dann kontrolliert, wenn sie durch ihre Fahrweise oder ihr Verhalten auffallen - und andere erkennbar gefährden. "Es fällt natürlich auf, wenn einer in Schlangenlinien fährt oder wenn einer nachts ohne Licht unterwegs ist" so Kofer. Falsch herum in die Einbahnstraße fahren oder sich sonst auffällig verhalten - das ist für die Polizei meist Anlass, einmal genauer hinzuschauen.

In Landkreis hat die Polizei auf diese Weise in diesem Jahr zwei betrunkene Radfahrer aus dem Verkehr gezogen. Beide hatten ordentlich "getankt" - eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille deutete darauf hin. Einen weiteren habe man davon abhalten können, überhaupt erst aufs Fahrrad zu steigen.

Im letzten Jahr wurden neun Fälle von Trunkenheit am Fahrradlenker registriert. In einem Fall hatte ein Radfahrer einen Unfall mit einem Auto verursacht - mit einem Promillewert von 2,18 Promille! Der Spitzenreiter unter den Trunkenheits-Radlern brachte es gar auf 2,4 Promille.

Grenzwert 1,6 Promille
Das ist deutlich mehr als der gesetzlich festgelegte Grenzwert von 1,6 Promille. Um den zu erreichen, muss jemand - sofern er Alkohol nicht in großen Mengen gewohnt ist, tüchtig zechen. Mit der Reaktionsfähigkeit im Verkehr ist es dann nicht mehr weit her - und das hat Folgen: Bundesweit verunglückten im Jahr 2011 nach Angaben des Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Clubs 3725 Fahrradfahrer in betrunkenem Zustand. Damit standen fünf Prozent aller insgesamt verunglückten Zweiradfahrer unter Alkoholeinfluss.

Mittlerweile haben sich die Innenminister der Länder des Problems angenommen. Der Vorsitzende der Bundesinnenministerkonferenz, Bernd Pistorius (SPD), macht sich für eine Neuregelung der Promillegrenze stark - und fordert eine Senkung. Der ADFC hat bereits einen neuen Richtwert von 1,1 Promille ins Gespräch gebracht.
"Ich denke, es wäre schon sinnvoll, die Promillegrenze um einige Prozentpunkte zu senken. Die liegt wirklich sehr hoch", sagt Verkehrssachbearbeiter Kofer - und warnt davor, sich betrunken aufs Fahrrad zu setzen. Radler, die sich nicht mehr unter Kontrolle haben, gefährden nicht nur sich und andere - sie riskieren auch ihren führerschein.

Was sagt der radelnde Polizist dazu ?

Michael Kofer, der Verkehrssachbearbeiter der Kulmbacher Polizei, ist selbst ein passionierter Radler. In einem schlechten Jahr - so wie diesem - bringt er es vielleicht auf 2000 Kilometer pro Sommer, ansonsten hat er auch schon 5000 Kilometer und mehr herunter geradelt. Kofer versucht, so oft wie möglich mit dem Rad zur Arbeit zu fahren - täglich von Neuenmarkt nach Kulmbach und zurück. "Zur Zeit, bei dem Regen, mache ich das natürlich nicht", sagt er. "Ich bin ein Genussradler.

Wenn sich nun für jemanden der Genuss nicht nur aufs Radeln beschränkt? "Ich glaube, es spricht nichts dagegen, im Biergarten einmal ein oder zwei Bier zu trinken", meint Kofer. Eine Null-Promille-Regelung sei nicht nötig. "Aber die aktuelle Promillegrenze kann ruhig gesenkt werden, die ist deutlich zu hoch."

Von Schnaps und anderen harten Sachen rät Kofer prinzipiell ab, wenn jemand mit dem Rad unterwegs ist. Man sollte immer berücksichtigen, dass Alkohol die Reaktionszeit verlängert - was im Straßenverkehr gefährlich werden kann. Allerdings dürfe, so meint er, die Neuregelung der Promillegrenze für Radler auf keinen Fall dazu führen, dass die Leute wieder mehr mit dem Auto fahren - weil's ja kein so großer Unterschied mehr ist. "Das wäre fatal!"
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