Kulmbach
Politik

Eine Kulmbacherin sitzt für die Grünen im hessischen Landtag

Mirjam Schmidt stammt aus Kulmbach und sitzt ab Januar für die Grünen im hessischen Landtag. Im Interview berichtet sie, wie es dazu kam.
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Die aus Kulmbach stammende Mirjam Schmidt ist für die Grünen in den hessischen Landtag gewählt worden.  Foto: Roman Gerike
Die aus Kulmbach stammende Mirjam Schmidt ist für die Grünen in den hessischen Landtag gewählt worden. Foto: Roman Gerike

Erzählen Sie doch erst einmal etwas zu Ihrer Person.

Ich bin in Kulmbach aufgewachsen und habe das CVG besucht. In München habe ich Kunstgeschichte und Geschichte studiert. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt und bin nach Frankfurt gezogen. Dort lebe ich jetzt seit 15 Jahren. Zunächst habe ich in einer zeitgenössischen international tätigen Galerie gearbeitet, bevor ich in die Architektur-Branche gewechselt bin. In den vergangenen fünf Jahren war ich für Christoph Mäckler tätig, der sich sehr für die Stadtentwicklung engagiert. Über ihn bin ich vor zweieinhalb Jahren zur Politik gekommen. Seit August bin ich die Referentin für Drogenpolitik der Stadt Frankfurt.

Sind Sie noch ab und zu in Kulmbach?

Meine Eltern und mein Bruder wohnen noch in Kulmbach. Meinen Eltern gehört das Hotel "An der Eiche" am Pörbitscher Platz. Leider komme ich nicht mehr so oft her, wie ich gerne würde. Aber wenn ich da bin, fühle ich mich immer wie zu Hause.

Ihre Eltern sind sicher stolz auf ihren Erfolg.

Meine Eltern sind stolz auf meine Karriere - und überrascht, wie schnell das ging. Ich bin übrigens die erste Politikerin in unserer Familie.

Sie haben tatsächlich einen Blitzstart hingelegt, nachdem sie erst seit zweieinhalb Jahren politisch tätig sind.

Vor einem halben Jahr wurde ich als Direktkandidatin im Wahlkreis 37 im Frankfurter Süden aufgestellt. Das war schon ein Raketenstart. Bei der Wahl habe ich 25,7 Prozent geholt und mir ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Fraktionsvorsitzenden der hessischen CDU, Michael Boddenberg, geliefert. Die Grünen holten in Hessen insgesamt 19,8 Prozent.

Haben Sie sich die Kandidatur lange überlegen müssen?

Ich bin eher der Typ, der angetragene Verantwortung annimmt. Natürlich habe ich überlegt, ob ich es schaffen kann. Aber eigentlich bin ich als aussichtslose Kandidatin gestartet.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Am 19. Januar ist konstituierende Sitzung des Landtags. Bis dahin mache ich meinen Job bei der Stadt. Ab Januar wird dann mein Vertrag ruhend gestellt.

Was sind Ihre Ziele als Abgeordnete?

Ich bin mit dem Thema Europapolitik angetreten und will den Landtag europäischer machen. Denn Klimaschutz und nachhaltige Landwirtschaft sind länderübergreifende Themen. Wir Grüne sind eine glaubhafte Alternative in der EU und kämpfen für eine Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Wir Grünen haben in Bayern und in Hessen so gute Ergebnisse eingefahren, weil wir als einzige eine Lösung für die Zukunft bieten. Aber eine solche Lösung gibt es nur auf europäischer Ebene.

Die Grünen befinden sich derzeit auf einem Höhenflug. Wird der anhalten?

Das kommt darauf an, wie viel wir arbeiten. Die Wahlergebnisse sind ein Vertrauensvorschuss. Jetzt müssen wir mit den Bürgern reden und ihnen Lösungen anbieten. Wir müssen schauen, wo Probleme bestehen und mit den Menschen um Antworten ringen. Wir dürfen uns nicht auf den Ergebnissen ausruhen und denken, es geht so weiter.

Was sind die großen politischen Unterschiede zwischen Hessen und Bayern?

In Hessen haben wir schon eine schwarz-grüne Regierung hinter uns und dabei gezeigt, dass wir als Grüne etwas erreichen können. Zum Beispiel wurde das Sozialbudget erhöht. Derzeit führen wir Verhandlungen mit der CDU. In Bayern war dagegen seit 60 Jahren die CSU an der Regierung. Aber auch in Bayern hat es jetzt offensichtlich einen gesellschaftlichen Wandel gegeben und die Menschen haben gemerkt, dass Vielfalt kein Problem ist.

Gibt es einen Unterschied in der Mentalität zwischen Franken und Hessen?

Wir Franken sind sehr bodenständig. In Frankfurt gibt es übrigens eine regelrechte Tradition mit Politikern, die aus Franken kommen. Übrigens werde ich bei jeder Rede als Fränkin identifiziert. Aber darauf bin ich stolz. Es ist gut zu wissen, wo man herkommt. Deshalb bin ich dankbar für die Werte, die mir meine Eltern mitgegeben haben. Übrigens mag ich Bier immer noch lieber als Wein. Und ich liebe die Kulmbacher Bratwürste.



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