Kulmbach
Entdecker-Tour (77)

Eine Kulmbacher Kirchturmuhr vermittelte eine christliche Botschaft

Das Zifferblatt der Uhr der Kulmbacher Petrikirche ist eine Besonderheit. Statt Zahlen trägt es Buchstaben, die eine christliche Botschaft enthalten.
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Der Spruch "Wachet und betet" ist auf dem Zifferblatt der Turmuhr der Kulmbacher Petrikirche zu erkennen, ebenso ein Kelch und ein Kreuz. Auch die Zeiger tragen besondere Symbole.Erich Olbrich
Der Spruch "Wachet und betet" ist auf dem Zifferblatt der Turmuhr der Kulmbacher Petrikirche zu erkennen, ebenso ein Kelch und ein Kreuz. Auch die Zeiger tragen besondere Symbole.Erich Olbrich
Ein sehr beliebtes Motiv, um einen Besuch in Kulmbach im Bild festzuhalten, ist der Blick von der Treppe der kathlischen Stadtpfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau Richtung Petrikirche und Plassenburg. Wer sich beim Hochgehen zur Petrikirche die Turmuhr genauer anschaut, wird feststellen, dass die sonst üblichen Zahlen hier durch Buchstaben ersetzt sind.


Hans Lewerenz war der Schöpfer


Das alte Zifferblatt war aufgebraucht und musste ersetzt werden. Im November 1954 wurde das bisherige durch ein neues, von Hans Lewerenz geschaffenes Exemplar ausgetauscht. Dieses ist aus Kupfer gefertigt und mit Blattgold belegt. Die Minuteneinteilungen sind versilbert, aber leider mit der Zeit schwarz angelaufen und so nicht mehr erkennbar.

Hans Lewerenz' Entwurf hatte einen Durchmesser von 4,15 Metern, die Bauflaschnerei Hans Hofmann im Oberhacken setzte die Pläne um. Die ebenso eigenwillige wie geschmackvolle Lösung verwendete anstatt der sonst üblichen Zahlen oder Striche einen Bibelspruch zur Zeiteinteilung.


Mahner und Wegweiser


Dadurch wird die Uhr nicht nur zum Zeitmesser, sondern ist auch ein Mahner und Wegweiser, der uns anhält, unsere Zeit zu nutzen. Sie weist uns vom flüchtigen Augenblick hin zum ewig Gültigen.
Es handelt sich um die letzten Worte Jesu, die er im Garten Gethsemane an seine Jünger gerichtet hat ("Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." Matthäus 26,41). Schauen wir nun ganz genau hin.

Fängt man um 7 Uhr mit dem Lesen an, und beachtet dabei, das der 9 der Doppelbuchstabe "CH" zugeordnet ist, so heißt es "WACHET", die 12 ist als Kreuz oder in unserem Fall als "UND" dargestellt.
Danach folgt von 13 bis 17 Uhr noch "BETET". Als Anfang und Ende des Ganzen fehlt nun noch die Zahl 6, dargestellt als das Symbol eines Kelches. Dieser wird in der katholischen heiligen Messe oder beim evangelischen Abendmahl zur Aufnahme des Weins verwendet.

Auch der Stunden- und der Minutenzeiger tragen ein Symbol. So wird der kleine Zeiger als Schwert Gottes gezeigt, der große dagegen als Lanze, die eine Schlange, das Böse darstellend, aufspießt.


Heute per Funk gesteuert


Früher wurde die Uhr durch ein mechanisches Werk der Firma Förster aus Nürnberg angetrieben. Ein städtischer Mitarbeiter musste das Werk stets aufziehen und warten.
Auch heute noch ist die Stadt für alle Kirchenuhren zuständig, aber diese werden mittlerweile mit Funk gesteuert.

Wie wichtig eine einheitliche Zeit gewesen ist, ersieht man daraus, dass im 18. Jahrhundert ein Schlossermeister wegen mehrmaliger Unzuverlässigkeit der Kirchturmuhren für einige Tage ins Bürgerloch gesperrt wurde.


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