Kulmbach
Entdeckertour 30

Eine Inschrift gibt Rätsel auf

Historiker sind sich über die Bedeutung einer Buchstabenfolge am Christiansportal auf der Plassenburg nicht so ganz einig.
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Das Christiansportal.  Foto: Archiv
Das Christiansportal. Foto: Archiv
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Das imposante Bauwerk gehört zu den ersten, das Besuchern ins Auge sticht, die zu Fuß den Weg zur Plassenburg genommen haben oder im Kasernenhof aus dem Plassenburg-Express steigen: Markgraf Christian ließ im Jahre 1606 das schönste und wichtigste aller seiner Werke, die hohe Bastei, erbauen und sie nach ihm benennen.
Das Christiansportal macht den größten Fehler der Festung, die von Osten her stets leicht angreifbar war, beinahe wett: Es liegt mit dem Höhenzug des Buchwaldes fast auf gleicher Höhe und ist damit geeignet, Feinde abzuhalten. Die Aufschrift links über dem schönen Portal, durch das man gehen muss, um auf die Befestigung hinauf zu kommen lautet folgendermaßen:
T . Q . F . F . Q . S
Marchio Christiano dux cardatissimus altas
Hanc e ruderibus partam revocavit in auras,
Cum sibi Prefectum Francoi sanguinis ordo
Nobilis eligeret submissis fascibus illum,
Fac Deus hoec Duce cum Patriae sit porta
Perennis Anno Christi M. D. CVII*

Die Übersetzung des unteren Teils der Inschrift lautet in der von Helmut Haas für seinen Beitrag über kirchliche und herrschaftliche Bauinschriften in Kulmbach gefertigten deutschen Übersetzung folgendermaßen: "
Markgraf Christian, der beherzte Führer, hat dieses Tor aus den Trümmern wieder in hohe Lüfte wachsen lassen, da ihn sich der adelige Stand fränkischem Geblüts mit gesenkten Fahnen zum Obristen erkor. Gib, Gott dass dies Tor mit dem Führer des Vaterlandes Von Dauer sei. Im Jahre Christi 1607."
Die erste Reihe des lateinischen Textes besteht aus sechs mit Punkten versehenen Buchstaben. Hierzu gibt es verschiedene hypothetische Auflösungen.
Jürgen Mittrücker (†), der einstige Kulmbacher Stadtarchivar, deutet dies so: "TOTIVSQVE FILIIS FILIABVSQVE SALVETEM" - zu deutsch: "Und des ganzen Landes Söhnen und Töchter Heil."
Der Geschichtsforscher Helmut Haas meint hingegen, die Abkürzungen stünden für "TERRAE QVOD FECI FERAT QVIETAM SALVTEM" - zu deutsch: "Dem Land bringe, was ich errichtete, Wohlergehen in Ruhe". Denkbar sei aber auch "TVRRIS QVADRATA FIAT FVNDAMENTVM QVIETIS
SEMPITERNAE", was in der deutschen Übersetzung soviel heißt wie "Der viereckige Turm bilde die Grundlage immerwährenden Friedens".
Quelle für diese Deutungen ist das Buch "Helmut Haas: Archiv für die Geschichte von Oberfranken, Band 74, Bayreuth 1994."
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