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Kulmbach
Burggeflüster

Ein zweifelhaftes Vorbild

Wer kennt das nicht aus der eigenen Schulzeit? Da ist der Banknachbar plötzlich ein oder zwei Tage vor Ferienbeginn krank.
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Symbolbild: Felix Kästle/dpa
Symbolbild: Felix Kästle/dpa
Man hat vielleicht noch Mitleid mit dem armen Mitschüler, der die freie Zeit jetzt nicht gebührend genießen kann. Um dann nach den Ferien zu erfahren: das Reisefieber war schuld. Um das Fernweh möglichst effektiv zu kurieren, war schnell noch vor dem offiziellen Ferienbeginn ein Urlaub angetreten worden, und die Eltern freuten sich angesichts der günstigeren Konditionen.
Wie gesagt: Das gab's immer schon. Doch die Dreistigkeit der Erziehungsberechtigten nimmt zu. Am Nürnberger Flughafen hat die Polizei in diesem Jahr schon 220 Fälle von elterlich verordnetem Schuleschwänzen auffliegen lassen - so viel wie im ganzen letzten Jahr. Und dabei dürfen überhaupt nur Flüge in den Nicht-Schengen-Raum kontrolliert werden. Sprich: Malle und Co. sind da noch gar nicht drin, Autoreisen natürlich auch nicht - die Dunkelziffer liegt also viel höher. Auch ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro scheint die ordnungswidrigen Reisewütigen nicht abzuschrecken.
Und wer noch zweifelt: Im Internet können sich Eltern sogar Tipps holen, wie sie sich am besten gegenüber Schule und am Flughafen verhalten sollen. Wenn man da mal schmökert, fällt man fast vom Glauben ab. Manche praktizieren das bis zu vier Mal (!) pro Jahr.
Von mir aus soll jeder so oft und lange Urlaub machen, wie er möchte und es sich leisten kann. Aber alle urlaubshungrigen Schnäppchenjäger unter den Eltern möchte ich dann doch mal ganz oberlehrerinnenhaft an ihre Vorbildfunktion und die Schulpflicht in unserem Land erinnern. Schließlich sollen aus den Schulschwänzern von heute doch mal verantwortungsbewusstere Erwachsene werden als ihre Eltern es waren.
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