Kulmbach
Campus

Ein Uni-Campus: Das Henne-Ei-Problem

Die Wirtschaftsjunioren sehen den Campus als herausragende Chance, allerdings müsse der Standort Kulmbach attraktiver gestaltet werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto:
Foto:

In einem Positionspapier haben die Kulmbacher Wirtschaftsjunioren ihren Standpunkt zum Uni-Campus Kulmbach deutlich gemacht. Man habe es hier mit einem Henne-Ei-Problem zu tun, so Kreissprecherin Mientje Krüger. Der Aufbau des Campus könne nur Hand in Hand gehen mit weiteren Maßnahmen zur Förderung der Standortattraktivität, so die Jungunternehmer. Ziel müsse sein, Kulmbach für Studenten, aber auch grundsätzlich für Arbeitnehmer und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen.

In aller Munde

Seit einigen Monaten sei der Campus der Universität Bayreuth in Kulmbach in aller Munde, heißt es in dem Positionspapier. Damit einhergehend werde immer wieder betont, wie gut der Campus für die Standortattraktivität sei, Kulmbach solle künftig nicht nur die Studentenscharen anziehen, sondern auch Fachkräfte und Arbeitgeber an den Standort locken.

Innovativ ausgerichtet

Dabei stelle sich für die Wirtschaftsjunioren die Frage, "ob der Campus wirklich die Attraktivität des Standorts Kulmbach in diesem Maße steigert oder ob nicht vielmehr die Attraktivität des Standorts Kulmbach die Voraussetzung für ein funktionierendes Campuskonzept bildet?" Die neue Fakultät für Lebenswissenschaften sei innovativ ausgerichtet. "Organisieren sich universitäre Fakultäten bisher um eine Disziplin, so soll der Campus rund um diesen gesellschaftlich relevanten Themenkomplex interdisziplinär aufgebaut werden. In Lehre (Start zunächst mit einem Masterstudiengang), Forschung und Öffentlichkeitsarbeit sollen so drei Themenblöcke Lebensmittelsicherheit, Gesundheit und gesellschaftliches Umdenken bespielt werden."

Mit einem Gesamtkonzept, dass sich im Etat über drei Doppelhaushalte erstrecke und, zum Beispiel über die Lebensmittelrechtsakademie zusätzlich wirtschaftlich relevante Themen aufgreife, sei man langfristig ausgerichtet, so die jungen Führungskräfte weiter. "Doch um das theoretisch ausgefeilte Konzept auch erfolgreich in die Praxis umzusetzen, müssen noch einige Hürden überwunden werden." Konkret nennen die Wirtschaftsjunioren folgende Punkte: Planungssicherheit "Die erfolgreiche Etablierung einer Universitätsfakultät ... erfordert langfristige finanzielle Sicherheit. Aktuell gibt es diese jedoch nur für je einen Haushalt, so dass die Umsetzung des Konzepts bei jeder Haushaltsentscheidung neu in Frage gestellt werden kann. Die Abhängigkeit von der politischen Unterstützung (und damit von den jeweiligen Mehrheiten) stellt ein erhebliches Risiko dar." Attraktivität "Um den Campus mit Leben zu füllen, müssen Studenten, wissenschaftliche Angestellte und Professoren geworben werden. Hier befindet sich der Campus Kulmbach in gleichem Maße im Kampf um die Fachkräfte wie Unternehmen der freien Wirtschaft. Ein innovatives Arbeits- und Lehrkonzept reichen dabei nicht aus, um den Standort Kulmbach attraktiv zu gestalten. Ein Bibliotheks- oder Mensakonzept gehören ebenso dazu wie die Bereitstellung von zukunftsfähigen Verkehrslösungen, attraktivem Wohnraum und ausreichend Kindergarten- oder Schulplätzen. Und dann wäre da noch die Herausforderung der sogenannten Dual Career. Wo kommen Partner unter, wenn beide eine Karriere anstreben und dann womöglich auch noch im Wissenschaftsumfeld? Welche Unterstützungsmöglichkeiten kann die Region bieten, zum Beispiel über die Zusammenarbeit in regionalen Netzwerken oder über Dienstleistungspartner?

Das Henne-Ei-Problem bleibt also: Der Aufbau des Campus kann nur Hand in Hand gehen mit weiteren Maßnahmen zur Förderung der Standortattraktivität, um Kulmbach für Studenten, aber auch grundsätzlich für Arbeitnehmer und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen. Schließlich bietet unser Landkreis wirtschaftlich viel mehr als nur die Unternehmen aus dem direkten thematischen Umfeld der Lebenswissenschaften. Die Wirtschaftsstruktur ist breit gefächert. Die Anzahl der Hidden Champions im Weltformat ist groß, die Innovationskraft ebenfalls. Ständig werden neue Produkte und Technologien entwickelt, die national und international vertrieben werden." Risiken "Heute geltende Argumente wie die hohe Lebensqualität in der Region können langfristig nur bestehen, wenn wir für den Erhalt und Ausbau dieser Vorteile sorgen. Entsteht beispielsweise eine Verknappung an attraktivem Wohn- und Bauraum, so werden auch die Immobilienpreise steigen. Schaffen wir keine Anreize für den Unterhalt kultureller und gastronomischer Angebote oder unseren Einzelhandel, so werden weitere Gasthäuser und Lokale der Region schließen und die Fußgängerzonen der kleineren Städte verlieren zunehmend an Anziehungskraft."

Zusammenfassend stellen die Kulmbacher Wirtschaftsjunioren fest: "Der Campus ist aus unserer Sicht eine hervorragende Chance, die wir als Stadt und Landkreis für uns nutzen können und sollten. Jedoch ist es wichtig, den größeren Kontext dieser Aufgabe zu sehen. "

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren