Kulmbach
Entdecker-Tour (146)

Ein Tiroler Quereinsteiger betreibt in Kulmbach eine Brauerei

Ein prachtvolles Gebäude im Kressenstein mit einem "R" über der Haustür erinnert an eine große Brauerei.
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Diese Gebäude im Kressenstein ziert ein großes "R", das für den Namen Rizzi steht. Foto: Erich Olbrich
Diese Gebäude im Kressenstein ziert ein großes "R", das für den Namen Rizzi steht. Foto: Erich Olbrich
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Das Gebäude mit der Hausnummer 12 im Kressenstein trägt über dem Eingang ein reich verziertes großes "R". Erbaut wurde es, wie uns die angebrachte Jahreszahl 1896 verrät, in einer Zeit, in der Kulmbach industriell aufblühte. Und so gab es auch viele erfolgreiche Unternehmer, die eindrucksvolle Villen errichteten.

Es war durchaus üblich, an der Fassade den Anfangsbuchstaben des Nachnamens anzubringen, dieser verkündete stolz den Besitzer. Unser verziertes "R" erinnert an eine der großen Kulmbacher Brauer-Familien, es steht für die Rizzis.

In Innsbruck geboren

Der wohlklingende italienische Name wurde von Karl Franz Rizzi aus Tirol nach Kulmbach gebracht. Geboren am 7. März 1836 in Innsbruck, kam Karl nach Kulmbach, um bei der Firma J. J. Trendel zu arbeiten. Er lernte hier Cornelie Anna Margareta Reichel kennen und lieben.

Sie war die Tochter der geschäftstüchtigen Margaretha Reichel, einer wichtigen Frau, was die Entwicklung der Kulmbacher Brauindustrie angeht. Die jungen Leute heirateten und bekamen drei Kinder: Eduard (geboren 1871), Heinrich (1874) und Otto (1881).

Sehr geschäftstüchtiger Mann

Die Familie bewohnte das Haus Marktplatz 4. Viele Kulmbacher werden sich noch an die im Erdgeschoss beheimatete Gaststätte "Hubertus" und danach an den Gasthof "Wolfrum" erinnern. Heute befindet sich dort ein italienisches Restaurant.

Karl Rizzi war zwar kein gelernter Brauer, muss aber sehr geschäftstüchtig gewesen sein. 1871 trat er als Gesellschafter in die Firma seiner Schwiegermutter Margarete Reichel ein und blieb dort bis 1877. Bereits in dieser Zeit übernahm er Anteile der Brauerei "E. Barth Nachfahren". Unter Rizzis Leitung gab es bedeutende Veränderungen. 1886 wurde aus der Brauerei eine Aktiengesellschaft mit dem Namen "Kulmbacher Export Brauerei Aktiengesellschaft vorm. C. Rizzi". 1899 erhielt sie den einfacheren Namen "Kulmbacher Rizzibräu Aktiengesellschaft".

Umzug auf die anderes Seite des Weißen Mains

Die Brauereigebäude befanden sich auf dem Gelände der heutigen Dr.-Stammberger-Halle. Als es dort zu eng wurde, verlegte man ab 1891 den Betrieb über den Weißen Main hinweg an die Kronacher Straße. Karl Rizzi erlebte diesen Umzug nicht mehr. Nach seinem Ausscheiden 1888 verstarb er am 25. April 1890, er wurde gerade einmal 54 Jahre alt.

Vermutlich hat sich die Familie Rizzi vollkommen aus der Brauerei zurückgezogen, muss aber ein bedeutendes Aktienpaket behalten haben.

Gleich drei neue Häuser gebaut

Cornelie Rizzi verfügte offensichtlich über eine größere Menge an Geld. Sie kaufte im Kressenstein die Anwesen mit den Hausnummern 8, 10 und 12 und ließ dort unter ihrem Namen zwischen 1896 und 1901 Neubauten errichten.

In Kulmbach gilt als Rizzi-Villa (Baujahr 1897) das Gebäude Kronacher Straße 2. In dieser Villa haben aber weder Karl Rizzi noch seine Witwe Cornelie gewohnt.

Sie und ihr Mann lebten immer in dem Haus Marktplatz 4. Hier war auch der Sohn Otto Ritter von Rizzi gemeldet, ein im Ersten Weltkrieg hoch ausgezeichneter Offizier der Ulanen. Sohn Eduard lebte als Ingenieur in Tübingen und ist dort mit nur 31 Jahren verstorben.

1943 endgültig erloschen

Im Haus Kressenstein 12, mit dem "R" über der Haustür, zog der Kommerzienrat Heinrich Rizzi ein. Er war auch als Verwaltungsrat und stellvertretender Geschäftsführer der Markgrafenbräu tätig. Die Familie Rizzi war ebenfalls Eigentümer der Markgrafenbräu (heute steht dort die Firrma Bergophor).

Nach der Fusion von Rizzi und Markgrafen mit der Reichelbräu im Jahr 1930 waren die Brüder Otto und Heinrich Rizzi dort im Aufsichtsrat vertreten. 1943 erlosch Rizzi als Firma gänzlich.

Heinrichs Tochter Martha war übrigens eine verheiratete Semmelroch - ein in Kulmbach heute noch bekannter Name.

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