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Steinenhausen
Entdecker-Tour (152)

Ein Schloss bei Melkendorf war einst der einzige Steinbau der Gegend

Die Wappen von Schloss Steinenhausen sind sehr aufschlussreich. Sie erzählen von einer wechselvollen Geschichte.
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Über dem Marientor von Schloss Steinenhausen grüßen die Wappen der Geschlechter von Guttenberg und Heidenheim. Foto: Erich Olbrich
Über dem Marientor von Schloss Steinenhausen grüßen die Wappen der Geschlechter von Guttenberg und Heidenheim. Foto: Erich Olbrich
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Ein schönes Schloss im Kulmbacher Land ist das nahe bei Melkendorf gelegene Steinenhausen. Es liegt auf einer Bergnase und ist wohl Ende des 13. Jahrhunderts entstanden. Der Name Steinenhaus tritt 1316 erstmals urkundlich auf und rührt daher, dass es der einzige Steinbau in der Gegend war.

Das Schloss ist ein mächtiger dreistöckiger Sandsteinbau und zeigt die im 18. Jahrhundert häufige Dreiflügelform. An einen Hauptflügel stoßen im rechten Winkel zwei Seitenflügel, die je ein Haubentürmchen schmückt. Vom äußeren Schlosshof aus gelangt man hinab zu den Mainauen und zum Zusammenfluss des Weißen und des Rotes Mains.

Der Besucher betritt Steinenhausens äußeren Schlosshof durch das Nepomuk-Tor. Der heilige Nepomuk hilft gegen Hochwasser, gilt als Schutzpatron der Schiffer und als ein Schützer des Beichtgeheimnisses. Der Hof wird rechts und links von langgestreckten Gebäuden neueren Datums abgeschlossen.

Gepflegtes Aussehen

Blumenrabatten und Grünflächen geben dem Hof ein gepflegtes Aussehen. Im Westen, als direkter Zugang zum Schloss, steht das Marientor. Über dessen Torbogen grüßen die Wappen der Geschlechter von Guttenberg und Heidenheim.

Entscheidend für Steinenhausen ist unter den verschiedenen Linien allein die der Henlein-Blassenberg, mit einem Wappenschild, das eine goldene Rose auf blauem Grund zeigt. Bis zum Hussiteneinfall war es freies Eigen. Von den Hussiten wurde es im Februar 1430 zerstört. Am 18. März 1439 erhielten es die Brüder Rüdiger, Jörg und Ulrich Henlein als Lehen.

Goldene Rose auf blauem Grund

1466 wurde Rüdiger Henlein mit dem "Burgstall zum Steinenhaus" belehnt, sein Sohn Veit nahm um 1475 als erster den Namen seiner Geschlechtsverwandten "von Guttenberg" an, führte aber weiterhin die goldene Rose auf blauem Grund im Wappen. Er verkaufte die Burg an Bernhard und Moritz von Guttenberg. Ihnen ist der Wiederaufbau zu verdanken, der erst 1523 durch Caspar von Guttenberg beendet wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Burg viel zu leiden. Im Jahre 1698 war die Kemenate dem Einsturz nah.

Über der Eingangstür zum Südflügel befindet sich das Allianzwappen des Moritz von Guttenberg und seiner Ehefrau, einer geborenen Fuchs von Schweinshaupten. Die Inschrift besagt, dass Moritz die Wappentafel 1512 anbringen ließ, als er den Bau einer neuen Kemenate im Schloss begann.

Der Zusatz "do mei eld uch gewaut" ist sehr aufschlussreich. Moritz bringt damit zum Ausdruck, dass bereits die älteren Brüder Heinz IV. und Bernhard an dem Wiederaufbau gearbeitet haben.

Der über der Eingangstür zum Nordflügel angebrachte Wappenschild erzählt von den Bemühungen von Moritz' Neffen Caspar um weitere Umbauten: "Anno 1553 am Montag nach Bartholome, hab ich Caspar von Gutnbergk diese newe Kematt wider umb erbaut."

Darunter ist das Wappen derer von Guttenberg zu sehen, die fünfblättrige goldene Rose im blauen Feld. Der Stein wurde wohl bei Vollendung des Baues gesetzt.

Kapelle als Streitobjekt

Von 1720 bis 1724 haben der Domprobst Otto Philipp und sein Neffe Johann Gottfried von Guttenberg das Schloss in der heutigen Form errichtet. Da die Herrschaft katholisch war, wurde im Erdgeschoss des Nordflügels eine private Schlosskapelle geschaffen. Deren Glocken dienten zum täglichen Gebrauch und zur Anzeige der Tageszeiten. Dem Kulmbacher Markgrafen war das zu viel, er schickte seinen Stadtvogt mit 30 Mann, um die Kapelle zu entfernen und alles Katholische herauszubrechen.

Im folgenden Prozess vor dem kaiserlichen Halsgericht verlor der Markgraf jedoch. Johann Gottfrieds Sohn, Otto Philipp Marquard, ließ die Schlosskapelle wieder instandsetzen und stellte sogar einen Kapuzinermönch als Geistlichen ein.

1935 wurde Schloss Steinenhausen an die "Bayerische Bauernsiedlung" verkauft. Ab 1940 folgte die Nutzung als Gauschule des nationalsozialistischen Reichsbunds und als Gau-Kindergärtnerinnen-Schule. Nach dem Krieg diente es für einige Jahre dem Landkreis Kulmbach als Entbindungsstätte. Danach fungierte es über Jahrzehnte als Altersheim der Arbeiterwohlfahrt. Viele Vertriebene des Weltkrieges verbrachten hier ihren Lebensabend.

Eine kleine Anekdote

1988 wurde Steinenhausen zur Außenstelle Nordbayern des damaligen Landesamts für Umweltschutz, offizielle Bezeichnung heute:Landesamt für Umwelt, Dienststelle Kulmbach.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Die Familie von Guttenberg wurde von markgräflicher Seite gezwungen, die Figur des heiligen Nepomuk vom Schlosshoftor zu entfernen, mit der Begründung, dass es nicht gehe, dass ein katholischer Heiliger in das evangelische Kulmbach schaue.