Langenstadt
Fest

Ein Prosit auf die Langenstadter Kerwa

Rund um das Wirtshaus "Zur Linde" wurde am Wochenende in Langenstadt kräftig gefeiert. Neben Polka, Hopperer und Walzer gab es auch rockige Klänge.
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Das Bier aus dem Sprenger schmeckte auch den Frauen.Horst Wunner
Das Bier aus dem Sprenger schmeckte auch den Frauen.Horst Wunner
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Kerwas gibt es in vielen Ortschaften im Landkreis und der Region, dass aber auf einer Linde getanzt wird, ist die Ausnahme. Neben dem immateriellem Kulturerbe Limmersdorf und Peesten wird diese Tradition nur noch in Langenstadt gepflegt, und daher können die Veranstalter auch ein bisschen stolz sein. Am Wochenende stand das Dorf wieder im Blickpunkt, denn zahlreiche Gäste wollten sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen.

Das "Runterspieln" am Freitag und Sonntag vermittelte bekannte, aber immer wieder schöne Bilder, als die Ortsbum mit weißem Hemd, weißer Schürze und schwarzer Hose, und die Ortsmadla im Dirndl die Straße entlang zogen. Voraus zwei Musikanten mit Trommel und Akkordeon, der Fahnen- und die beiden Sprengerträger, die "Kerwa"-Rufe hallten weit durchs Rotmaintal.

Dann hinauf auf die Linde zum Tanz unter dem Grün, die Dorfjugend hatte fleißig geprobt und drehte sich beschwingt zu Polka, Hopperer und Walzer. Was zwanglos und spontan unten im Wirtshof, in einer Ecke oder im kleinen Festzelt mitten auf der Kreisstraße seine Fortsetzung fand. Da bewiesen die 13 Paare auch, dass sie mit der Zeit gehen: Zu den heißen Rhythmen der Band "5 Star" rockten sie sich die Seele aus dem Leib.

Oberortsbursch Florian Förster freute sich über die Begeisterung der Zuschauer: "Wir fühlen uns der Tradition verpflichtet und machen das nicht aus Kommerz." Die Kerwa-Liedla seien auf Langenstadter Verhältnisse umgedichtet worden, es falle einem immer wieder was Neues ein. Lachend weist er auf die Kondition seiner Mitstreiter hin: "Nach den anstrengenden Tagen sind wir schon heißer und leiden unter Schlafmangel, aber die Kerwa ist ja nur einmal im Jahr."

Ohne Kerwa in dieser Form kann sich Florian Langenstadt gar nicht vorstellen. Sein ausdrücklicher Dank galt auch dem Lindenverein, "der uns großartig unterstützt".

Nachwuchsprobleme gebe es nicht, ergänzte er. Ein Beweis dafür sind das jüngste Pärchen, Lena Engel (15) und David Hofmann (14), beide aus Langenstadt und erstmals dabei. Warum sie mitmachen? Darauf haben sie eine einfache Antwort: "Weil's a Gaudi ist und wir uns da wohlfühlen." Schon als kleine Kinder haben die beiden das Treiben verfolgt und gedacht, "des is schee". Auch 2019 wollen sie mittanzen und -feiern.

Neu im Amt ist auch Daniel Bär aus Hutschdorf, der Sprengerträger. Zusammen mit Lukas Engel läuft er durch die Menge und sucht Durstige. "Eine wichtige Aufgabe und ein Stück echter Tradition", ist er überzeugt. "In den Sprenger passen maximal zehn Liter, wir füllen ihn aber immer nur mit drei Seidla, damit das Bier frisch bleibt."

Daniel zeigt schließlich noch auf den Gurt, mit dem der Sprenger an seinem Körper festgemacht ist: "Den stiehlt mir keiner", sagt er und grinst.

Ein Festgottesdienst, Musik der "Gerchlas-Truppe" und die Bar im urigen Felsenkeller neben der Linde runden die Kerwa ab. Auf der Wiese neben dem Feuerwehrhaus spielten Verheiratete gegen Ledige, Erstere gewannen 8 : 7.

Am Montag steht nochmals die große Runde der Ortsbum und -madla quer durch Langenstadt nach Buch am Sand auf dem Programm, der Tanz in den Höfen und auf kleinen Plätzen, die Bitte um einen Obolus oder um Eier, die dann in einer großen Pfanne gebraten und verspeist werden, ehe das letzte Mal "Wer hot Kerwa, mir hom Kerwa" im Wirtshaus verklingt.



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