Kulmbach
Stabwechsel

Ein Polizist, den die Kulmbacher Kinder lieben

Peter Schütz hat mit viel Herzblut den schönsten Job gemacht, den die Polizei zu bieten hat. Eine Frau wird seine Nachfolgerin.
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Neue Verkehrserzieherin der Kulmbacher Polizei: Cathrin Hänsel tritt ab 1. Dezember die Nachfolge von  Peter Schütz an. Foto: Stephan Tiroch
Neue Verkehrserzieherin der Kulmbacher Polizei: Cathrin Hänsel tritt ab 1. Dezember die Nachfolge von Peter Schütz an. Foto: Stephan Tiroch
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Die Kinder haben ihn geliebt. Er hat Tausende von Mädchen und Buben in der Jugendverkehrsschule Mainleus ausgebildet und ist das bekannteste Gesicht der Kulmbacher Polizei gewesen: Jetzt sagt Peter Schütz (60) leise "Servus" und geht nach 43 Jahren im Polizeidienst in Pension. Bevor er 1984 nach Kulmbach versetzt wurde, war er bei der Einsatzhundertschaft in München, bewachte den damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß oder den Flughafen und fahndete nach RAF-Terroristen. Wir haben mit dem jung gebliebenen Sechziger gesprochen.

Wie fühlt man sich, wenn man acht Jahre lang den schönsten Job bei der Polizei gemacht hat?

Peter Schütz: Glücklich und zufrieden. Es hat unwahrscheinlich Spaß gemacht, mit Kindern zu arbeiten. Weil ich das Gefühl hatte, dass man etwas bewirken kann. Dass man ihnen nicht nur Vorschriften und Regeln, sondern auch Werte wie Miteinander und Rücksichtnahme vermitteln kann. Andererseits - da bewundere ich alle Lehrer - war es auch stressig, weil man über mehrere Stunden ständig präsent sein muss.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Die Besuche in Kindergarten oder Vorschule waren immer wunderbar. Die Kinder lieben die Polizei, was ja sonst nicht immer der Fall ist. Oder wenn Kinder bei der Fahrradprüfung durchgefallen sind, habe ich mit ihnen - manchmal auch am Sonntagvormittag - extra geübt. Wenn sie die Nachprüfung bestanden haben, hat es mich besonders gefreut.

Wissen Sie, wie viele Kinder, Schülerlotsen oder Schulweghelfer Sie ausgebildet haben?

Insgesamt dürften es bis zu 10.000 Kinder gewesen sein.

Für die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr ist die Fahrradausbildung unverzichtbar, oder?

Ja, das stimmt. Es geht für die Zehnjährigen um den Einstieg in die Mobilität. Zuvor können sie mit dem Verkehr überhaupt nichts anfangen. Manche haben überhaupt kein Verkehrssehen, was Abstand, Größe, Entfernung, Geschwindigkeit angeht. Sie sollen ab zehn Jahren selbstständig am Verkehr teilnehmen. Dazu braucht man Sicherheit, sonst geht es nicht.

Verhalten sich die Autofahrer - als größte Gefahrenquelle für die Kinder - immer richtig?

Kinder denken: Wenn ich den Autofahrer sehe, sieht er mich auch. Das ist nicht der Fall. Deshalb sollten Autofahrer Rücksicht nehmen und sich immer bewusst sein, dass schwächere Verkehrsteilnehmer Fehler im Straßenverkehr machen können, dass ein Kind plötzlich vom Gehsteig auf die Straße fährt. Autofahrer sollten daran denken, dass es dem Fahrradfahrer Angst macht, wenn man zu dicht auffährt oder mit knappem Abstand vorbeifährt.

Wie würden Sie die Radwegsituation in Kulmbach benoten?

Es ist nicht überall einfach, sich als Radfahrer in Kulmbach zu bewegen. Es wurde zu wenig an die Radfahrer gedacht. Oft geht's ganz gut, manchmal aber auch nicht. Es ist schwierig aufgrund der baulichen Gegebenheiten, eine gute Lösung hinzukriegen.

Sie waren früher auch im Schichtdienst der Polizei?

Ja, ich war 27 Streifenbeamter im Außendienst.

Würden Sie sagen, dass man im Dreck der Gesellschaft wühlt?

Ja, es ist leider tatsächlich so, es gehört zu den Tätigkeiten der Polizei. Ich habe es aber auch genossen, immer wieder Freund und Helfer zu sein. Da gab's viele Situationen: Wir haben Autos geöffnet, wenn jemand seinen Schlüssel verloren hatte, Autos aus einer engen Parklücke ausgeparkt oder einen kranken Schwan auf der Nordumgehung eingefangen und - in eine Decke eingewickelt - mit dem Streifenwagen zum Tierarzt gebracht. Oder ich habe als Jugendkontaktbeamter - nach Absprache mit dem Staatsanwalt - mit halbwüchsigen Mädchen die Unterführung gestrichen, die sie vorher vollgeschmiert hatten.

Wie geht man damit um, dass man als Polizist täglich mit Todesfällen, mit Kriminellen, mit Schlägern, Räubern oder Dealern zu tun hat?

Leid und Elend darf man nicht so nahe an sich ranlassen und muss eine Barriere aufbauen, um nicht so viel mit nach Hause zu nehmen. Aber man muss auch immer daran arbeiten, seine Arbeit vorurteilsfrei zu machen. Nicht jeder junge Kerl, der mal über die Stränge schlägt, ist ein übler Bursche. Mich freut's immer, wenn ich mal jemand treffe, der auf die schiefe Bahn geraten war und der jetzt ein ordentliches Leben führt.

Die Neue - vorher in der Reiterstaffel

Sie hat vier blaue Sterne auf der Schulterklappe, ist 36 Jahre alt und schon im Englischen Garten in München Streife geritten: Polizeihauptmeisterin Cathrin Hänsel - sie übernimmt ab 1. Dezember die Aufgaben von Peter Schütz als Verkehrserzieher der Kulmbacher Polizei. "Ich war früher Voltigiertrainerin, und die Arbeit mit Kindern hat mir gut gefallen", sagt die passionierte Reiterin, die in München zur Reiterstaffel der Polizei gehörte. Hier war sie beim Objektschutz eingesetzt, bei Fußballspielen oder eben im Englischen Garten.

Künftig kann sie ihre Erfahrungen von der Verkehrspolizei als Verkehrserzieherin einbringen. Hänsel: "Es ist eine tolle Sache, Kindern etwas beibringen zu können."

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