Kulmbach
Burggeflüster

Ein Fall von Krümelphysik

Die Halbwertszeit ist eine komplizierte physikalische Größe. Aber eine, die sich ganz simpel erklären lässt.
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Symbolbild: Daniel Karmann/dpa
Symbolbild: Daniel Karmann/dpa

Damals in der Schule habe ich lange gebraucht, bis ich die Sache mit der Halbwertszeit kapiert habe. Die Halbwertszeit beschreibt die Zeitspanne, in der zum Beispiel die Hälfte der Radioaktivität in einem verseuchten Gebiet abgebaut wird, oder die Hälfte eines medizinischen Wirkstoffs in einem Medikament im Körper. Danach kommt die Hälfte des Restes, dann wieder die Hälfte... und so geht das weiter, vermutlich bis in alle Ewigkeit.

Sollte ich die Sache mit der Halbwertszeit heute jemandem erklären müssen, würde ich das am Beispiel der Tüte mit Salzgebäck tun, die am Freitag jemand in die Redaktion gestellt hat.

Die Kollegen zieren sich nicht lange und bedienen sich fleißig. Irgendwann wird die Nachfrage geringer. Ich merke auch bald, warum. Die schönen großen Stücke sind weg. Man (und frau) muss jetzt Krümel picken. Aber bloß nicht zu viele. Sonst wäre die Tüte ja leer, und man müsste sie zum Mülleimer tragen.

Man (und frau) könnte sich auch aus den Krümeln die dicksten heraussuchen. Aber auch das ist nicht ungefährlich. Am Ende landen die kleinen Krümel auf dem Fußboden, und man muss sie aufputzen.

Also werden die Kollegen immer sparsamer und die Rationen immer kleiner, und der Inhalt der Tüte lässt sich so mühelos von Freitagnachmittag bis Montagabend strecken. Bis ich sie entsorge.

Das hätte ich nicht tun sollen. Es wäre ein interessantes Experiment gewesen, zu beobachten, wie oft man noch hi neingreifen kann in die Tüte mit dem Salzgebäck und sich stets nur die immer winziger werdende Hälfte der Krümel nehmen. Man hätte da doch gleich eine Vorstellung davon bekommen, wie das so ist mit der Halbwertszeit und der Ewigkeit.

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