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Kulmbach
Entdecker-Tour (164)

Ein Expressionist mit Haut und Haaren

Josef Albert Benkert war ein begnadeter Künstler, sein Geburtshaus steht in Kulmbach in der Oberen Stadt.
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Dieses Selbstporträt Josef Albert Benkerts hängt im Kulmbacher Rathaus.  Foto: Erich Olbrich
Dieses Selbstporträt Josef Albert Benkerts hängt im Kulmbacher Rathaus. Foto: Erich Olbrich
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Josef Albert Benkert erblickte am 17. August 1900 in der Oberen Stadt das Licht der Welt. Sein Geburtshaus trug damals die Hausnummer 117, heute ist es die 32. Seine Mutter war die ledige Näherin Eva Ochs, sein Vater der Lichtenfelser Reichsbahnzugführer Karl Benkert. Beide heirateten am 3. Februar 1901 in Kulmbach.

Während sein Vater ruhig und bescheiden war, galt die Mutter als humorvoll und vital. Noch zu Josef Alberts Kinderzeit verließen die Eltern Kulmbach aus beruflichen Gründen und zogen nach Bamberg. Er besuchte dort die Volksschule.

In Bamberg reifte ein Entschluss

Obwohl schon sehr bald das künstlerische Talent ihres Sohnes erkennbar war, rieten die Eltern ihm zur Absolvierung der Lehrerbildungsanstalt. Als Lehramtskandidat fand er seine erste Anstellung an der Bamberger Gangolf-Schule. Doch er merkte mehr und mehr, dass Malerei und Dichtkunst besser zu ihm passten. Voller Vertrauen in seine Fähigkeiten als Künstler gab er den Beruf als Lehrer auf - sehr zum Leidwesen seines Vaters.

Die bekannten Bamberger Maler Anton Rauh und Otto Boveri waren Unterstützer auf seinem weiteren Weg. Seine Anerkennung erfuhr Benkert 1922, als der weltberühmte Maler Christian Rohlfs ihn als Schüler annahm. Dazu führte ihn sein Weg nach Bochum und Essen.

Ein Atelier in Berlin

1930 heiratete er Katja Meidinger, die Tochter eines Berliner Justizrates und Notars. Aus der Ehe gingen Tochter Ingrid und Sohn Uwe hervor. Die junge Familie zog 1933 nach Berlin, wo sie bis 1943 lebte, und fand in der Reichsstraße 99 eine Wohnung und ein Atelier. Dort hatten vorher der Dichter Carl Zuckmayer und die Schauspielerin Kaethe Dorsch gewohnt.

Schnell kam Benkert in freundschaftlichen Kontakt mit bekannten Künstlern wie Ernst Barlach, Emil Nolde oder Karl Schmidt-Rottluff. Er war gewiss alles andere als ein ungeselliger Zeitgenosse. Es gab wenige Dinge, die er mehr schätzte als Gespräche und Lachen mit seinen Freunden und Künstlerkollegen.

Benkert war Expressionist mit Haut und Haaren, eine Zeit lang malte er abstrakt. Über seine frühen Werke - Ölbilder mit dicker Farbe direkt aus der Tube aufgetragen - machte ein Kunstkritiker die spöttische Bemerkung, man könne seine Kleider an Benkerts Bildern aufhängen, so dick seien sie gemalt.

Dass seine Kunst, die zudem von tiefer Religiosität zeugte, den nationalsozialistischen Vorstellungen nicht entsprach, bedarf keiner großen Erklärung. So wurde ein großer Teil seiner Bilder von den Nazis für die Ausstellungen "Entartete Kunst" zusammengetragen und vernichtet.

Außergewöhnlich schön

1941 kam der sensible Künstler, mittlerweile zum Kriegsdienst eingezogen, in einen U-Boot-Stützpunkt in Frankreich. Dort erhielt er den Auftrag, die schönsten Orte Frankreichs in kolorierten Zeichnungen festzuhalten. Diese außergewöhnlich schönen Werke wurden 1943 in Paris als Druck veröffentlicht.

Bei einem Heimatbesuch erlebte er Fürchterliches. Seine an Kunstschätzen reiche Wohnung und der Rest seiner Bilder wurden bei einem Bombenangriff vernichtet. Er selbst konnte sich verletzt aus der Wohnung retten.

Nach Kriegsende lebte er einige Zeit mit seiner Familie in Berchtesgaden. 1946 folgte der Umzug nach Bamberg zu seiner Mutter. Dort musste er von neuem beginnen, was für die Familie mit vielen Entbehrungen verbunden war. Er schrieb: "Malen ist leicht, Verkaufen ist schwer."

Eine große Liebe Benkerts galt seiner fränkischen Heimat. Oft ging er zum Malen ins Bamberger Land oder suchte in Steinbrüchen nach Versteinerungen.

Uralter Schmetterlingsflügel

Tatsächlich fand er im Liasschiefer einen 60 Millionen Jahre alten Schmetterlingsflügel, der den Namen seines Finders erhielt: "Geisfeldiella Benkerti novum genus, nova species". Daneben begeisterte ihn auch das Schreiben von Gedichten und das Sammeln von Geschichtla.

In seinen letzten Jahren musste Benkert schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Sein vielgeliebter Enkel Philipp starb 1953 auf der Überfahrt nach Amerika. Ebenso verstarb seine Mutter, an der er sehr hing. Als er 1959 auch noch seine geliebte Tochter Ingrid Blackwell im Alter von 28 Jahren verlor, konnte er dieses nicht mehr verwinden.

Am 13. Februar 1960 starb er an den Folgen eines Schlaganfalles in seiner Bamberger Wohnung am Kunigundendamm 31, in seinem hochgelegenen Atelier mit den drei Fenstern, das er "Leuchtturm" nannte.

In den USA bestattet

Seine Freimaurerbrüder, er war Mitglied der Loge "Zur Verbrüderung an der Regnitz", und einige Freunde gaben ihm das letzte Geleit. Auf seinen Wunsch hin wurde seine Asche neben seiner Tochter und seinem Enkel auf dem Friedhof von Granite-City in Illinois in den USA beigesetzt.

Außerhalb Bambergs ist Benkerts Name wenig bekannt, doch Bilder von ihm befinden sich in großen Museen und Sammlungen. Auch in seiner Geburtsstadt Kulmbach ist der Maler relativ unbekannt, dabei sollte man stolz darauf sein, dass die Stadt einen solch begnadeten Künstler hervorgebracht hat.

Im Besprechungszimmer im dritten Stock des Kulmbacher Rathauses hängt ein sehr schönes Selbstporträt von ihm.

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