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Blaich
Zündstoff

Ein altes Haus sorgt in Kulmbach für Missstimmung

Die SPD fordert Aufklärung von der Städtebau Kulmbach GmbH: Warum wurden zwei Grundstücke in der Blaich erst teuer gekauft und dann billiger verkauft?
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Jetzt ein Fall für die Politik: der Verkauf eines alten Hauses und zweier Grundstücke in der Blaich durch die Städtebau Kulmbach GmbH; links die Blaicher SchuleStephan Tiroch
Jetzt ein Fall für die Politik: der Verkauf eines alten Hauses und zweier Grundstücke in der Blaich durch die Städtebau Kulmbach GmbH; links die Blaicher SchuleStephan Tiroch

Die Stadtratssitzung am Donnerstag dürfte spannend werden. Ein Antrag der SPD birgt Zündstoff. Die Fraktion möchte, "dass die Städtebau Kulmbach GmbH in Zukunft keine bebauten und unbebauten Grundstücke mehr ohne eine öffentliche Ausschreibung verkaufen darf. Damit sollen marktgerechte Preise und Transparenz gewährleistet werden."

Warum stellt die SPD diesen Antrag? Ist der Verkauf eines alten Hauses und zweier Grundstücke in der Blaich durch die Städtebau GmbH ein Fall für die Politik? Stadtrat Hans Werther (SPD) meint: ja. Städtebau-Geschäftsführer Simon Ries wundert sich. Er legt auf Anfrage der BR alle Vorgänge um das Grundstücksgeschäft offen.

Brief in 34-facher Ausfertigung

Das Thema kochte Ende des Jahres hoch. Werther prüfte in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied der Städtebau den Immobilienverkauf, dem er 2018 selbst zugestimmt hatte. Dabei fiel ihm auf, dass der Kaufpreis zehn Jahre zuvor wesentlich höher war. In einem Brief in 34-facher Ausfertigung - an alle Stadträte, an die Aufsichtsratsmitglieder und die beiden Geschäftsführer der Städtebau - hielt er seine Fragen und Zweifel schriftlich fest.

Das vertrauliche Schreiben blieb nicht vertraulich. Es liegt der BR vor. Demnach kaufte die Städtebau 2008 die zusammenhängenden Grundstücke in der Blaicher Straße 4 und Albert-Schweitzer-Straße 5 - 614 und 494 Quadratmeter groß - und das 1935 erbaute Haus mit drei Wohnungen für 165 000 Euro. Verkaufspreis waren 90 000 Euro.

Werther will‘s wissen

Jetzt legt Werther in einem offenen Brief nach und stellt fest: "Aus meiner Sicht wurde dabei der Stadt Kulmbach ein finanzieller Schaden zugefügt, dessen Hintergründe aufgeklärt werden müssen." Er will wissen: Warum wurde das Haus nicht instandgehalten, so dass es 2018 angeblich nicht mehr bewohnbar war? Wie kann es sein, dass die Immobilien 45 Prozent an Wert verloren, obwohl die Preise gestiegen sind? Wieso erfolgte kein Angebot auf dem freien Immobilienmarkt?

Simon Ries hat kein Problem mit einer öffentlichen Ausschreibung der Immobilien. "Wenn es der Aufsichtsrat und der Stadtrat wollen." Bisher sei es nach seinem Kenntnisstand aber anders gehandhabt worden.

Neue Strategie

Er und sein Geschäftsführerkollege Bernd Ohnemüller hätten bei ihrem Dienstantritt 2015 eine Bestandsaufnahme durchgeführt und eine Strategie für das Wohnungswirtschaftsunternehmen entwickelt: Konzentration auf größere Objekte und Verkauf von kleineren Einheiten mit großem Sanierungsbedarf. Denn hier dauere die Amortisation wegen der vergleichbar geringen Mieteinnahmen sehr lange. Eine Einschätzung, die vom Aufsichtsrat geteilt worden sei.

Solche Objekte, so Ries, hatte man in der Negeleinstraße, in der Waaggasse, in der Frankenleite und in der Blaich. Immer sei ein vereidigter Sachverständiger mit einem Wertgutachten beauftragt worden. Der Experte habe für die Blaicher Straße 4/Albert-Schweitzer-Straße 5 einen Preis von 87 000 Euro ermittelt. Als wertmindernd habe er eingestuft: teilweise steile Hanglage, desolater Treppenaufgang, einfachster Bauzustand wie 1935, Schimmelpilzbildung, Risse im Mauerwerk, unzureichender Brandschutz und oberes Grundstück nicht erschlossen.

"Das wundert mich schon"

Der Verkauf erfolgte laut Ries jeweils an Interessenten, die von sich aus auf die Städtebau zugekommen sind und von denen man wusste, dass sie etwas aus den Häusern machen werden. In allen Fällen sei mindestens der Gutachterpreis erzielt worden. Der Aufsichtsrat habe jeweils einstimmige Beschlüsse gefasst. Auch bei der Blaich - also mit der Stimme von Hans Werther. "Damals wurde in derselben Sitzung auch das Objekt in der Frankenleite nach demselben Verfahren verkauft", sagt Ries. "Es wundert mich schon, dass es jetzt keine Rolle spielt."

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