Döllnitz
Konzert

Ein Abend voller Leidenschaft

Im Blauen Haus in Döllnitz drehte sich alles um den Tango.
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"Quintetto Beltango" inspirierte die       Besucher gleichermaßen zum aufmerksamen Zuhören und zum       Tango-Tanzen.Foto: Horst Wunner
"Quintetto Beltango" inspirierte die Besucher gleichermaßen zum aufmerksamen Zuhören und zum Tango-Tanzen.Foto: Horst Wunner

Es ist wieder so ein spezieller Abend im Blauen Haus: Außergewöhnlich, mit einem besonderen Charme und die Rituale pflegend. In dem intimen Ambiente mit gewölbter Decke und Holzbalustrade wurde man ein bisschen an das ferne Argentinien erinnert, der Tango war für fünf Stunden das Zauberwort.

Erst in einem wundervoll inspirierenden Konzert des Orchesters "Quintetto Beltango", das im zweiten Teil in ein berauschendes Tanzfestival der vorher aufmerksam Zuhörenden mündete. Das Quintett aus Serbien, bekannt durch seine zahlreichen Welttouren, bedient keine Klischees, sondern lebt von den Eigenkompositionen und einer mitreißenden Dynamik. Zwei ausgiebige Stücke genügten, um all die Virtuosität und das große Einfühlungsvermögen der Musiker in das leicht Abgedunkelte des Saales zu zelebrieren. "St. Georg und der Drachen" in der glaubensübergreifenden Fassung für orthodoxes, katholisches und islamisches Gedankengut, sprühte vor nahezu unerschöpflicher Spiellust, wo das Bandoneon schon mal als Schlagzeug herhalten musste. Diese Liaison aus mittelalterlicher Spielleute-Art, Zigeunertouch und Balkan-Sound mit Tango Argentino schuf einen Stilmix, der sich in keine Schablone pressen lässt. Authentisch, leidenschaftlich und ohne Theatralik. "Die sieben Sünden" mutierten entsprechend ihrer Wirkung zu rasant-schneller Rhythmengewalt und endete in träumerischer Melancholie über das Verlorene.

Leader Aleksandar Nicolic am Bandoneum, ein instrumentaler Derwisch, fachte das Tango-Feuer an, poetisch am Klavier seine Frau Ivana. Und Gitarrist Bogdan Pejic mit fingerschnellem Griff, Petar Holik ganz verinnerlicht am Bass, sowie die grazil agierende Vesna Pejic an der Violine, komplettierten das Quintett zu einem beifallsumtosten Klangkörper. Die Besucher wollten mit dem Klatschen nicht aufhören. Verständlich. Denn "Quinteto Beltango" entpuppte sich ebenso als zeitweise kammermusikalisches Ensemble in leicht temperierter Eleganz.

Dann wurde es heiß. Teil 2: Die Straßenschuhe runter, hinein in die "Tangolero",den männlichen Partner eng umschlungen, die Augen geschlossen und den Blick nach innen gekehrt. Körpersprache in allen Varianten, unterdrückte Erotik, Dahingleiten und lasziver Hüftschwung. Tango als Glückstherapie. So viele erfüllte Gesichter en bloc hat man im Blauen Haus selten gesehen. Die vorne auf der Bühne schafften das Nonchalance. Sie befeuerten das Tango-Fieber enthusiastisch. Und als alle dachten, es wäre Schluss: Toppten Aleksandar und Ivana mit einem furiosen Tango-Solo noch das Ganze, danach der orchestrale Abschied in seelenschmelzender Hingabe. Die Serben werden in Erinnerung bleiben.

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