Kulmbach
Konzert

Ein Abend der Emotionen in der Kulmbacher Stadthalle

Dirigentin Ljubka Biagioni zu Guttenberg bewies bei ihrem Auftritt mit den Hofer Symphonikern vor ausverkauftem Haus, dass sie Musik liebt und lebt.
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Ljubka Biagioni zu Guttenberg liebt und lebt die Musik. Uschi Prawitz
Ljubka Biagioni zu Guttenberg liebt und lebt die Musik. Uschi Prawitz
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Um das diesjährige Weihnachtskonzert Ljubka Biagioni zu Guttenberg zu beschreiben, braucht es mehr als nur ein Wort: bewegend, anrührend, stimmungsvoll - oder doch schlichtweg ein Genuss. In der ausverkauften Kulmbacher Stadthalle entlockte sie den Hofer Symphonikern traumhafte Melodien, brachte den stimmgewaltigen Chor "Vokalwerk Nürnberg" zum Klingen, erweckte bei ihrem Publikum Emotionen und eine feierliche Einstimmung auf das bevorstehende Weihnachtsfest.

"Es ist mir eine besonders große Freude, diesen Abend mit Ihnen zu verbringen", sagte die Dirigentin und musste eine Träne verdrücken. Es ist ihr immer ein Anliegen, Musik so zu gestalten, dass sie alle erreicht. "Nicht jeder hat das Glück, Familie und ein gemütliches Zuhause zu haben." Dabei sei kein großes Haus notwendig, "vielmehr sollten wir dankbar sein für jede Sekunde, die uns der liebe Gott schenkt".

Aufgrund des Stresses sei uns oft nicht bewusst, dass Zeit das Wichtigste sei, Zeit, die man gerade in der Vorweihnachtszeit mit den Kindern verbringen sollte. "Deswegen habe ich bei dem Konzert auch die beiden kleinen Weihnachtsgeschichten vorgelesen", sagte Ljubka Biagioni. Aus ihrer Kindheit in Italien kenne sie den Advent ganz anders als hier in Deutschland. "Das Vorlesen und das Singen in der Adventszeit ist typisch Deutsch, und ich bin dankbar, dass ich das kennenlernen durfte." Schließlich sei der Advent eine Vorbereitung, ein Warten, "Zeit für die Seele".

Für die Seele sucht sie auch die Musik aus, die sie dirigiert. "Ich wähle immer ein Programm aus, das verschiedene Emotionen weckt", sagte sie, und sie dirigiere stets, was sie auch selber möge, denn "man kocht ja auch am liebsten das, was man gerne isst".

Und so bekamen die Besucher am Freitagabend einen wahren Ohrenschmaus an bekannten Klassikern serviert, angefangen mit dem "Gloria" von Vivaldi, einem französischen Weihnachtslied, englischen Weihnachtsliedern wie "The First Noell" und - was wäre ein Weihnachtskonzert ohne es - das Weihnachtsoratorium von Bach. "Das habe ich auch in Erinnerung an meinen verstorbenen Mann gespielt."

Fröhliche Klänge präsentierten Dirigentin, Orchester und Chor von russischen Komponisten, "Schneeflöckchen" etwa von Nikolai Rimski-Korsakow oder einen Tanz von Tschaikowsky. Als sie schließlich Bachs Suite Nr. 3 anstimmen ließ, wurde es ganz still im Saal und man spürte förmlich, wie jede einzelne Note aus ihrem Körper drang und sich auf das Orchester übertrug. Eine wunderbare Interpretation des inzwischen 200 Jahre alten Klassikers "Stille Nacht" schloss sich an, bevor ein feierliches "Adeste Fideles" die Stadthalle bis in die letzten Ecken durchdrang.

Ebenfalls beeindruckend die zahlreichen Zugaben an diesem Abend, die das Ensemble nach donnerndem Applaus zum Besten gab. Als kleine Überraschung hatte Ljubka Biagioni ein junges Gesangsquartett in die Stadthalle eingeladen, "ich nenne sie die vier Musketiere". Kristina Szegedi-Dinusova, Lukas Alois Roth, Clara Bergert und Richard Breitkopf stimmten mit "Macht hoch die Tür" auf Weihnachten ein.

Intensiv und berührend schließlich das "Ave Maria" mit Vladimir Stanušev an der Violine und Solem Grand an der Harfe, bevor das Konzert mit dem "Blumenwalzer" aus Tschaikowskys "Nussknacker" seinen abschließenden Höhepunkt fand. Ein hoch emotionales Konzert, von dem die Zuschauer noch lange zehren konnten.

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