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Kulmbach
Justiz

Eifersucht als Tatmotiv

Versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung: Das Verfahren gegen einen 37-Jährigen wurde am Montag abgebrochen und wird im Januar fortgesetzt.
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Wegen zahlreicher Straftatbestände hat sich ein 37-Jähriger vor Gericht zu verantworten. Symbolfoto: dpa
Wegen zahlreicher Straftatbestände hat sich ein 37-Jähriger vor Gericht zu verantworten. Symbolfoto: dpa
Eine auf vier Tage angesetzte Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht Bayreuth wurde gestern nach zwei Stunden wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten ausgesetzt. Ein 37-jähriger Berufskraftfahrer, der seit 16. Juli in Bayreuth in U-Haft sitzt, muss sich nun im Januar nächsten Jahres wegen Nachstellung, Sachbeschädigung, versuchtem Mord und besonders schwerer Brandstiftung verantworten.

Staatsanwalt Matthias Burkhardt verlas die knapp fünfseitige Anklageschrift, die dem Angeklagten eine ganze Reihe von Straftaten zur Last legt. Ausgangspunkt war eine Beziehung des 37-jährigen Berufskraftfahrers - er lebte in Scheidung - mit einer 46-jährigen geschiedenen Frau und Mutter von vier Kindern aus den neuen Bundesländern, die er im Juni 2011 kennengelernt hatte. Er hoffte auf eine Beziehung mit ihr, doch die Frau unterhielt zeitgleich eine Fernbeziehung mit einem 50 Jahre alten Kulmbacher.


Ab Herbst 2011 fühlte sich der Angeschuldigte zunehmend zurückgewiesen. Staatsanwalt Matthias Burkhardt: "Er begann, die Geschädigte unbemerkt zu überwachen und ihr regelmäßig und heimlich kleine Geschenke wie Blumen oder Brötchen an die Wohnungstür zu hängen. Dazu nutzte er seine Anstellung als Kraftfahrer bei einer Firma in Mainz, um dort Diesel zu stehlen und damit regelmäßig von seiner Wohnung in Mainz zur rund 150 Kilometer entfernten Wohnung der Geschädigten zu fahren."

Der Angeschuldigte bemerkte dann auch, wie die 46-Jährige ihre Beziehung mit ihrem Freund aus Kulmbach auslebte. "Die Geschädigte bat den Angeschuldigten wiederholt darum, sie nicht mehr aufzusuchen und die heimlichen Geschenke an sie und ihre Kinder zu unterlassen. Der Angeschuldigte löste sich dennoch nicht von der Geschädigten, sondern ging dazu über, der Geschädigten die von ihr entgegengebrachte Ablehnung heimzuzahlen. Immer dann, wenn er eine Enttäuschung erlebte, entschloss er sich, entweder ihr oder ihrem Lebensgefährten einen Denkzettel zu verpassen."

Unfall gerade noch verhindert

In der Folge kam es dann zum ersten Straftatbestand, als der Berufskraftfahrer am Wagen der Geschädigten Reifen zerstach. Als die Frau trotzdem zu ihrem Freund nach Kulmbach fahren wollte, durchschnitt der Mann einen Bremsschlauch an ihrem Fahrzeug, riss den ABS-Sensor heraus und zerstach den Wasserkühler. Nur durch Glück gelang es der Frau , einen Unfall zu vermeiden.

Die Eifersucht trieb den Angeklagten immer weiter. So schlich er sich zum Haus des Kulmbachers und kippte dort eine Literflasche Urinsteinlöser in dessen Autotank und durchtrennte die hinteren Bremsleitungen. Am Fahrzeug entstand ein Sachschaden von 8500 Euro
.
Damit nicht genug: An einem Gebrauchtwagen des Kulmbachers wurden weitere Bremsleitungen durchschnitten, Haus und Pkw wurden mit Beleidigungen besprüht. Auch dabei entstand erheblicher Sachschaden in Höhe von rund 5000 Euro. Am Motorrad des Kulmbachers durchtrennte er ebenfalls die Bremsleitungen.

Brandanschlag in Kulmbach

Die letzte große "Racheaktion" verübte der Angeklagte in der Nacht zum 3. Juli am Wohnhaus des Kulmbachers. Mit selbst gebastelten Molotow-Cocktails setzte er eine Biertischgarnitur in Brand. Die Flammen hätten beinahe eine angrenzende Scheune erfasst.

Der Staatsanwalt kam zum Ergebnis: "Bei Durchführung des Brandanschlags nahm der Angeschuldigte den Tod des im Wohnhaus schlafenden Geschädigten billigend in Kauf. Wäre der Geschädigte nicht glücklicherweise aus dem Schlaf aufgeschreckt oder hätte der an der Hauswand detonierte Molotow-Cocktail das Fenster durchschlagen, wäre der Geschädigte unweigerlich beim Brand ums Leben gekommen."

Schließlich tauchte der Angeklagte nochmals am 26. März 2013 am Wohnort seiner Geliebten auf, spritzte in den Auspuff ihres Wagens Bauschaum und zerstach zwei Reifen.

Der Angeklagte gab nach Ermahnung des Richters unumwunden zu: "Ich habe es getan, es tut mir auch leid!" Auf die Frage von Richter Michael Eckstein nach dem Warum folgte sofort der Hinweis auf Eifersucht.

Kennengelernt hatte man sich auf dem "Hessentag" in Oberursel. Der Angeklagte schilderte, dass er sich sehr um die Beziehung bemühte und er den Eindruck hatte, dass die "Chemie" zwischen beiden passt. Das habe sich allerdings geändert, als er erfahren musste, dass noch ein Nebenbuhler im Spiel ist. "Ich war zerstört, weil sie mir immer viel Hoffnung machte. Ich wollte sie nicht verlieren."

Als der Angeklagte die Taten detailliert schildern sollte, wurde er immer aufgeregter, so dass die Verhandlung zunächst unterbrochen wurde. Nach Absprache mit den beiden Sachverständigen Klaus Leipziger vom Bezirkskrankenhaus und Stefan Luther von der Dekra sowie Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth und dem Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Stefan Walder aus Kronach, und Staatsanwalt Matthias Burkhardt stellte Richter Michael Eckstein die Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten fest.
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