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E-Zigaretten: Wie schädlich sind sie wirklich?

E-Zigaretten - sind sie wirklich die gesündere Alternative? Die Forschung ist noch uneins, doch bereits rund zwei Millionen Konsumenten in Deutschland greifen zu - auch in Kulmbach.
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Viele halten die E-Zigarette für die gesündere Alternative, doch Experten streiten noch über die Langzeitwirkungen.  Fotos: Martin Kreklau
Viele halten die E-Zigarette für die gesündere Alternative, doch Experten streiten noch über die Langzeitwirkungen. Fotos: Martin Kreklau
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Er raucht nicht, er dampft. Darauf legt Erdinc Salik Wert, denn mit dem Rauchen hat er vor elf Jahren aufgehört. Seit kurzem ist er umgestiegen - auf E-Zigaretten. Von der noch relativ jungen Technik ist er so begeistert, dass er jetzt in Kulmbach einen Laden aufgemacht hat, in dem er E-Zigaretten und Zubehör verkauft. Dort habe ich ihn besucht, um die elektronischen Fluppen selbst unter die Lupe zu nehmen.

Als ich hereinkomme, duftet es im Laden nach Früchten. Nachdem Erdinc Salik mich begrüßt hat, betätigt er einen Knopf an seiner E-Zigarette, woraufhin ein leises Surren ertönt. "Das ist der Verdampfer", erklärt er. Dann nimmt er einen Zug und atmet dichten Rauch aus.

In Liquids steckt der Geschmack

Die elektronischen Glimmstängel bestehen aus einem Akku, einem sogenannten Verdampfer und einem Tank. In letzteren werden die "Liquids" eingefüllt, also die Flüssigkeiten, die verdampft und inhaliert werden. Hunderte von Geschmacksrichtungen sollen die Kunden locken: von Cognac über Minze bis Schokolade.

Als Salik mit dem Rauchen aufhörte, vermisste er nach einiger Zeit das Ritual: "Wenn ich mit der Gartenarbeit fertig war, und ich mich hingesetzt habe, dann hat einfach irgendetwas gefehlt", sagt er. Deshalb griff er zur E-Zigarette.


Aus seiner Sicht hat sie nur Vorteile: Da im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Zigarette nichts verbrannt, sondern lediglich Flüssigkeit verdampft wird, atme der Konsument wesentlich weniger Schadstoffe ein. Passivrauchen sei passé, da sich der Dampf nach dem Ausatmen verflüchtigt. Keine Kippen mehr auf der Straße, die Waldbrandgefahr werde gesenkt und es stinke nicht mehr in Raucherzimmern. Doch während Hersteller und Händler die E-Zigarette als gesündere Alternative zur herkömmlichen Zigarette preisen, streiten sich Wissenschaftler über die Wirkungen.

Hauptbestandteil: Propylenglykol

Der Hauptbestandteil der sogenannten Liquids ist Propylenglykol. Dabei handelt es sich um den gleichen Stoff, der in Nebelmaschinen zum Einsatz kommt. Für den Geschmack sorgen Aromen, wie sie auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Forscher haben im E-Zigaretten-Dampf krebserregende Stoffe gefunden, etwa Nitrosamine und giftige Chemikalien.

Andere Wissenschaftler halten dagegen, dass die Konzentration dieser Stoffe wesentlich geringer sei als bei normalen Zigaretten. Über Langzeitwirkungen ist bislang noch nichts bekannt. Dieter Weiss, Leiter des Gesundheitsamtes in Kulmbach: "Zwar vermutet man bei E-Zigaretten ein geringeres Krebsrisiko, die Gefäßschädigungen durch das Nikotin jedoch bleiben."

Rein rechtlich dürfen die E-Zigaretten in Gaststätten gedampft werden, wie Erwin Burger, Sachgebietsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Kulmbach, betont. Es handle sich schließlich nicht um Tabakerzeugnisse. "Allerdings hat der Wirt natürlich das Hausrecht und kann das Dampfen von E-Zigaretten untersagen", so Burger weiter.

E-Zigaretten gibt's auch nikotinfrei

"Die Liquids gibt es in verschiedenen Stärken - mit neun oder achtzehn Gramm oder völlig ohne Nikotin", sagt Salik. Inzwischen hat er mir ein paar E-Zigaretten vorbereitet - jetzt darf ich selbst probieren. Die Bedienung ist denkbar einfach: Man drückt einen Knopf und zieht. Der Geschmack ist gut. Ich habe Cognac erwischt, es schmeckt herb, mit Karamellnoten. Was gleich auffällt ist, dass man die E-Zigarette völlig anders halten muss als eine normale Zigarette, da sie größer und schwerer ist. Außerdem muss man ja den Knopf drücken können. Ich stelle mich etwas ungeschickt an. Salik lacht. "Da muss jeder seine eigene Technik finden", sagt er und zeigt mir seine Methode. Sieht schon deutlich eleganter aus als bei mir.

Welchen Geschmack sich die meisten Neueinsteiger zuerst aussuchen, möchte ich wissen. "Da viele vorher geraucht haben, nehmen die meisten Tabak als erste Geschmacksrichtung", sagt Salik. Es gebe aber viel bessere, zum Beispiel Erdbeere oder Nuss und noch verrücktere: "In China zum Beispiel, da haben die Geschmacksrichtungen wie Steak oder Knoblauch", sagt Salik und verzieht das Gesicht, genau wie ich. Auf diese eklige Vorstellung brauche ich erstmal eine - echte - Zigarette.
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