Kulmbach
Podiumsdiskussion

E-Bus, Sammeltaxi - und das alles auch noch kostenlos?

Zur Disco? Zur Schule? Zum Sport? Das geht mit Bus oder Bahn. Doch wie soll der ÖPNV der Zukunft aussehen?
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Der ÖPNV spielt bei allen Parteien eine Rolle, wenn es um die Mobolität von morgen geht. Die Projekte unterscheiden sich aber.Archiv
Der ÖPNV spielt bei allen Parteien eine Rolle, wenn es um die Mobolität von morgen geht. Die Projekte unterscheiden sich aber.Archiv

Wofür stehen die Direktkandidaten zur Landtagswahl und ihre Parteien? Was tun sie für die Interessen der Jugend? Diese Fragen sollte die Podiumsdiskussion beantworten, zu der Kreisjugendring, Alte Spinnerei und Bayerische Rundschau gemeinsam am Freitagabend eingeladen hatten. Ein Thema war der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), aufgeworfen hatte die Frage Arno Pfaffenberger, der die Kandidaten nach ihren Konzepten fragte - auch vor der Hintergrund der Vereinbarkeit von Mobilität und Ökologie. Hier die Diskussion in Kurzform:

Michaela Hüttner (Partei mut): "Der ÖPNV ist generell ein Problem auf dem Land. Wir müssen wir auf die finanzielle Seite schauen, um ÖPNV bezahlbar für alle zu machen. Da gibt es jetzt die Vorschläge zu einem 365-Euro-Ticket, die sind okay. Was aber, wenn ich es nicht anwenden kann, weil eben kein Bus fährt? Das weitere Problem: Bahn und Bus wurden häufig privatisiert, nun schauen die Firmen auf die Rentabilität. Es gehört ein Stück weit auch ein Umdenken bei uns Verbrauchern dazu."

Reinhard Englert (ÖDP): "Die ÖDP sieht den ÖPNV-Ausbau hauptsächlich unter dem Klimaschutzaspekt. Wir müssen weniger Co2 ausstoßen. Deswegen sollte der ÖPNV nur die Hälfte dessen kosten, was eine vergleichbare Autofahrt kostet, für Schüler und Studenten sollte es gänzlich frei. Die Anbindung bleibt freilich das Problem. Ich fordere für den Kreis Kulmbach, dem VGN beizutreten und den Tarif-Wirrwarr zu beseitigen."

Christiane Zeigler (Bayernpartei): "Ich plädiere für Anrufbusse, eine Mischung aus Taxi und Bus. In Tirschenreuth gibt es das schon. Dafür bedarf es vieler Haltestellen im Kreis. Die Leute rufen an, man geht zur besagten Stelle, der Bus/das Taxi fährt zum gewünschten Ziel. In unseren vielen und weit auseinanderliegenden Ortschaften wird es nie so sein, dass überall und regelmäßig ein Bus hinfährt, das geht logistisch gar nicht."

Oswald Greim (Die Linke): "Die Nünberger klagen über schlechte Luft, weil die Einpendler so viel schlechte Luft mitbringen, darunter täglich bis zu 500 Kulmbacher. Vielleicht kann Herr Söder die 500.000 Euro für den VGN lockermachen. Sein Vorschlag für die Ein-Euro-Fahrt ist zu loben, das fordert die Linke seit 15 Jahren. Wir sind für Bus und Bahn zum Nulltarif - das geht freilich nur schrittweise."

Gerd Kögler (AfD): "Der ÖPNV muss gestärkt werden, ganz klar. Aber es darf auch nicht sein, dass der 50-Sitzer-Bus leer herumfährt? Die Frage von Herrn Pfaffenberger setzt eine Kausalkette voraus, die ich nicht teile, nämlich den "Klimawandel" als Schlussfolgerung, den Individualverkehr zurückzudrängen. Dem widerspreche ich entschieden. Wir leben in einem freiheitlichen Land. Der Bürger kann selber entscheiden, wann und wo er fährt. Man darf den Leuten nicht wieder mit neuen Gängelungsmaßnahmen kommen. Und an die Linke: "Es ist leicht zu fordern, dass der ÖPNV kostenlos sein soll. Fordern kann ich das leicht, wenn ich es nicht finanzieren muss."

Michael Otte (FDP): "Kleinere Busse wären ein Anfang, alles andere ist ökologischer Unsinn. Man kann im Stadtbusverkehr damit beginnen, Busse auf Elektroantrieb umzurüsten. Was nützt kostenloser ÖPNV, wenn - anders als in München - bei uns keiner fährt?"

Wilfried Kukla (Grüne): "Es reicht nicht aus, den ÖPNV zu verbessern. Es muss mehr kommen als das. Klimaschutz ist keine Gewissensfrage, sondern eine Existenzfrage. Da dürfen wir den Bogen nicht überspannen. Im Kreis Wunsiedel wollen wir ein völlig neues Konzept ausprobieren. Wir müssen rigoros umsteuern, was den Individualverkehr angeht."

Rainer Ludwig (Freie Wähler): "Kulmbach ist nun mal nicht München, das müssen wir berücksichtigen. Unser Angebot im ländlichen Raum ist zu dünn. Schritt für Schritt müssen wir vorankommen. Es geht darum, die Verbindungen aus der Stadt in den Landkreis und umgekehrt anzupassen. Und der Bus hat sich den Menschen anzupassen, nicht andersrum. Wir brauchen eine Verdichtung im Busverkehr, die Taktung muss intensiver werden. Wir setzen uns ein für eine Elektrifizierung der Bahnlinien. Aber ich sage auch: Der kostenlose Nahverkehr ist eine Illusion. Ich bin ein großer Verfechter, dass wir dem VGN beitreten."

Inge Aures (SPD): "Ich muss dem Rainer Ludwig da ein bisschen den Zahn ziehen: Als ich vor fünf Jahren als SPD-Vorsitzende der Kreistagsfraktion den Antrag zum Beitritt in den Verkehrsverbund eingebracht habe, hat Landrat Söllner den Auftrag liegen gelassen - und jetzt stellen sich die Freien Wähler hin und tun so, als sei das ihre Erfindung. Wir könnten längst dabei sein. Und Herr Greim, es kostet nicht eine halbe Million, sondern mehr als das Doppelte. Aber es ist für die Kreise Kulmbach und Wunsiedel, aber auch für Hof eine entscheidende Maßnahme, hier dabei zu sein. Wir könnten längst günstigere Tickets haben. Der Kreis und auch die Stadt dünnen die Buslinien immer weiter aus, weil man es nicht mehr bezahlen kann. Wir fordern gleichwertige Lebensverhältnisse auch bei uns in Franken. Das geht beim ÖPNV nur mit Subventionierung des Staates."

Martin Schöffel (CSU): "Der ÖPNV hat eine große Zukunft - und zwar als gutes Angebot und nicht, weil es andernorts Verbote gibt. Es wird bald fahrerlose Busse geben, die man im Internet buchen kann und entsprechend wunschgemäß abgeholt und wieder gebracht wird. In den VGN muss der Staat mehr Geld reinpumpen. Söder hat ja schon das 365-Euro-Ticket auf den Weg gebracht, damit kostet jede Fahrt nur einen Euro. Es sind 100 Millionen in Aussicht gestellt. Es gibt auch die Nightliner-Modelle, bei denen man für einen Euro zu einer Veranstaltung gebracht und wieder geholt wird oder das Schülerticket ermöglicht, dass man am Nachmittag oder abends günstig Bus fahren kann." Darauf entgegnete Inge Aures: "Der wurde für Kulmbach leider abgeschafft."



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