Ködnitz
Interview

E-Bike, Pedelec & Co.: Darauf sollte man achten

E-Bikes und Pedelecs erobern die Radwege - und die Straßen beim "Autofreien Sonntag". Worauf zu achten ist, erzählt Roland Gräf vom Radsportclub Leuchau.
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E-Bikes und Pedelecs erobern zunehmend die Straßen und Radwege.dpa
E-Bikes und Pedelecs erobern zunehmend die Straßen und Radwege.dpa

Der Traum, sich beim Radfahren nicht mehr kilometerweit abstrampeln zu müssen: Er ist wahr geworden, seit E-Bike und Pedelec Einzug auf deutschen Straßen und Radwegen gehalten haben. Und auch beim großen Radkorso am morgigen "Autofreien Sonntag" zwischen Ködnitz und Trebgast werden sich einige Akku-unterstützte Zweiräder in die Kolonne mischen. Was es mit dem Boom auf sich hat und was bei Anschaffung und Betrieb zu beachten ist, darüber haben wir mit Roland Gräf, dem Vorsitzenden des Radsportclubs (RSC) Leuchau, gesprochen. Herr Gräf, setzt sich beim RSC Leuchau denn das elektrische Radfahren durch? Roland Gräf: Bisher sind es in der großen Mehrheit immer noch die klassischen, mit Muskelkraft angetrieben Fahrräder, die unsere Mitglieder unterhalten. Es sind aber einige, die zusätzlich E-Bikes haben und teilweise zu den von uns organisierten Radtouren einsetzen, weil sie sagen, dass es dann eben ein bisschen gemütlicher zugeht. Mittlerweile bieten sogar Discounter solche Räder an. Was raten Sie beim Kauf? Falsch beraten wäre man, würde man losziehen und einfach ein E-Bike kaufen. Man sollte sich vorab mit dem Thema befassen, unter anderem gibt es ja verschiedene Motor- respektive Antriebsarten. Soll es der Nabenmotor sein oder doch der eher klassische Mittelmotor? Soll der Hilfsantrieb permanent bestehen oder soll die Möglichkeit zum Abkoppeln gegeben sein? Das bedenken wenige, aber: Wenn der Akku wider Erwarten unterwegs doch mal komplett ausfällt und der Antrieb lässt sich nicht abschalten, dann wird es beim Treten richtig kräftezehrend.

Sonderangebote locken natürlich - aber da wird man nicht selten bei der Qualität Abstriche machen müssen. Dabei geht es nicht nur um den Motor und den Akku, man sollte auch auf die restlichen Komponenten am Rad achten. Sprich: Habe ich vernünftige Bremsen? Welche Schaltung ist verbaut? Es kommt immer auf das Gesamtpaket an. Wenn der Motor passt, ist vielleicht an anderer Stelle gespart worden. Das sollte eben nicht zu Lasten der Sicherheit gehen. Und der Spaß lässt langfristig gesehen auch schnell nach, wenn ich nur am Rumdoktern bin. Was halten Sie persönlich vom Trend zum E-Bike? Ich selber bin 56 und da überlegt man schon mal, ob man sich ein E-Bike anschafft, wenn man weiter dem Radfahren frönen will. Ich versuche es noch zu vermeiden, weil ich aus Gesprächen unter anderem mit Fachhändlern weiß, dass so ein Akku pro Jahr etwa 10 bis 15 Prozent seiner Kapazität verliert. Wenn ich mir aber so ein Rad zulege, würde ich es auch intensiv nutzen wollen, damit sich die Investition auszahlt. Diese Kosten-Nutzen-Rechnung geht bei mir momentan noch nicht auf. Was kostet so ein Ersatzakku? Das ist natürlich abhängig von der Leistung. Bei unserer jüngsten Fahrradbörse in Leuchau waren ein paar optisch ansprechende E-Bikes im Angebot, wo mich aber der uns beratende Fachhändler aufgeklärt hat, dass ja auch die Akkus in die Jahre gekommen sind. Da ist man gut und gerne mal mit bis zu 800 Euro dabei, wenn man Ersatz benötigt. Dazu muss ich bedenken: Wenn ich mir ein Rad beim Fachmann kaufe, kann ich erwarten, dass ich auch Jahre später noch die passenden Akkus bekomme. Ob mir das der Discounter mit seinem No-Name-Produkt auch zusichern kann? Die Akkus der verschiedenen Hersteller sind untereinander ja leider nicht kompatibel und austauschbar. Es sind zunehmend jüngere Menschen, die sich längere Touren gönnen wollen, aber auf den Luxus des Zusatzantriebs nicht verzichten wollen. Wie sieht es denn mit Kinderrädern aus: Ist das empfehlenswert? Es ist vom Grundsatz her möglich, aber sicher auch eine Kostenfrage. Als wichtiger erachte ich, dass Kinder zunächst einmal die Grundfertigkeiten lernen, um Fahrradfahren zu können. Einem Anfänger würde ich vom E-Bike abraten. Das Risiko ist nicht ohne, dass ein Sechsjähriger die Geschwindigkeit durch den Antrieb leicht unterschätzen kann. Ein Pedelec, das nicht versicherungspflichtig ist, erreicht 25 Stundenkilometer. Das klingt nicht dramatisch, kann es aber werden. Ich war an der Müritz unterwegs, als plötzlich auf kurvenreicher Strecke eine ältere Dame um die Ecke schoss. Die Frau hatte offenbar das Tempo ihres Rades falsch eingeschätzt. Es ist sicherlich ab einem bestimmten Alter gut, eine Unterstützung beim Fahren zu haben. Aber es ist eben möglich, dass ältere Menschen in Extremsituationen doch nicht mehr so schnell reagieren und sich ernsthafte Verletzungen zufügen. Sie selber haben aber schon mal ein E-Bike getestet? Ja, mit meiner Frau zusammen war ich entlang der Donau unterwegs. Bei Gegenwind etwa ist das schon eine feine Sache, wenn der Antrieb anspringt. Aber ich habe das Teil auf dem Rückweg verflucht, denn da hatten wir Rückenwind und mit dem normale Rad hätte ich sicher an die 40 Stundenkilometer schnell sein können. So aber hat der Antrieb - das war ein nicht abschaltbarer - ab 25 Stundenkilometer abgeriegelt und ich musste zusätzlich dagegen antreten. Wo würden Sie die Grenzen des E-Bike-Trends sehen? Ist ein Mountainbike mit Motor, der den Fahrer auch 30-Prozent-Steigungen mühelos bewältigen lässt, im engsten Sinn noch Radfahren? Mountainbiken in Extrembereichen und im wilden Gelände steht ja aus anderen Gründen ohnehin in der Diskussion. Aber die Nachfrage ist da, da werden sich auch im sportlichen Bereich immer mehr Gruppierungen bilden, auch extreme Freaks werden die Kraftunterstützung für ihr Hobby nutzen. Sie gehen noch höher in die Berge und fahren noch steilere Abfahrten. Des einen Freud, des anderen Leid. Irgendwann fahren sie dann bei der Tour de France auch auf E-Bikes. Das hoffe ich mal nicht. Dann ist zwar das Thema Doping keines mehr, aber mit Leistungssport hat das nur noch wenig zu tun.

Ich sage mal so: An und für sich sind E-Bikes eine gute Sache, weil sich auch Menschen mobil machen, die ansonsten nicht Radfahren würden oder könnten. Und was noch dazu kommt: Manche Firma ermöglicht ihren Mitarbeitenden schon mittels E-Bike-Leasing per Gehaltsumwandlung die Chance, mit dem Rad statt dem Auto zur Arbeit zu fahren. Das bringt auch den einen oder anderen sicher noch dazu umzusteigen. Das wäre dann ein Gewinn in Sachen Ökobilanz.

Ausfahrt

Der RSC Leuchau beteiligt sich am "Autofreien Sonntag" mit einer 35 Kilometer langen Ausfahrt über Kulmbach und Untersteinach ins Weißmaintal, der sich jeder Interessierte anschließen kann. Abfahrt ist am 5. Mai ab 10 Uhr auf dem Dorfplatz. Tourenleiter ist Joachim Angermann.

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