Kulmbach
Unser Klinikum

Durchatmen dank neuer Operationsmethode

Ein Emphysem raubte der Marktschorgasterin Margarete Welsch die Lebensqualität. Die 50-Jährige konnte nicht einmal kleinste Anstrengungen meistern. Dank einer neuen Operationsmethode am Klinikum Kulmbach hat sie jetzt wieder Grund zum Lachen.
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Der Lungenspezialist Joseph Alhanna zeigt Patientin Margarete Welsch anhand ihrer Röntgenbilder, wie sich ihr Lungenvolumen durch den Einsatz der Ventile verändert hat. Foto: Dagmar Besand
Der Lungenspezialist Joseph Alhanna zeigt Patientin Margarete Welsch anhand ihrer Röntgenbilder, wie sich ihr Lungenvolumen durch den Einsatz der Ventile verändert hat. Foto: Dagmar Besand
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Frei durchatmen - das konnte Margarete Welsch seit Jahren nicht mehr. Sie leidet an einem Lungenemphysem. Gewusst hat sie das viele Monate nicht: "Die Luftnot hat sich schleichend entwickelt, und irgendwann war ich selbst mit kleinen Handgriffen überfordert." Als Ursache vermutete die 50-jährige Marktschorgasterin mal eine Infektion, mal das Wetter, mal mangelndes Fitnesstraining.

Mehr als 50 Prozent zerstört

Bei einer Magenoperation im Kulmbacher Klinikum kam nebenbei die Diagnose heraus, die ihren schlechten Allgemeinzustand erklärte: ein Lungenemphysem im Endstadium mit starker Überblähung eines Lungenlappens.
Die Luft konnte nicht mehr aus der Lunge, mehr als 50 Prozent des Gewebes waren bereits zerstört, so der leitende Oberarzt für Pneumologie, Joseph Alhanna.
Seit Dezember ist die Marktschorgasterin bei ihm in Behandlung, im Februar operierte er sie und freut sich jetzt, wenige Wochen später, mit seiner Patientin, dass es ihr wieder vergleichsweise gut geht. "Schon einen Tag nach der OP fühlte ich mich, als hätte ich ein neues Leben geschenkt bekommen", sagt Margarete Welsch: "Ich konnte endlich wieder aus dem Bett aufstehen, meine Decke aufschütteln. Dazu war ich vorher nicht mehr in der Lage. Ich war so glücklich, ich hätte den Doktor küssen können."
"Raucherlunge" heißt Welschs Krankheit im Volksmund. An der chronisch obstruktiven Bronchitis (kurz COPD für die englische Bezeichnung Chronic Obstructive Pulmonary Disease) leiden in Deutschland mehrere Millionen Menschen. Sie führt nach und nach zu einer Zerstörung der Bronchialstruktur. Durch die blockierte Ausatmung entwickelt sich eine Überblähung in den Lungenlappen. Die eingeatmete Luft kann nicht mehr entweichen, die Lunge vergrößert sich. Bei gesunden Menschen bleibt etwa ein Drittel der Luft jedes Atemzugs in der Lunge zurück, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium ist die Funktion der kleinen Bronchien, die die Luft aus den Lungen herausdrückt, so gestört, dass 70 Prozent zurückbleiben. Die Folge: Atemnot bei geringsten Belastungen.
Um dem Patienten die Atemarbeit wieder zu erleichtern, muss das Lungenvolumen reduziert werden. Früher wurde dafür ein Teil des Organs entfernt, um wieder Platz zu schaffen. "Das ist aber häufig mit Komplikationen verbunden", sagt Joseph Alhanna.
In den letzten Jahren hat sich eine elegantere und sehr effektive Methode etabliert: Im Zuge einer Bronchoskopie werden Ventile in einen Lungenlappen eingesetzt. Das Ventil öffnet sich nur bei der Ausatmung, beim Einatmen bleibt es geschlossen. Dadurch wird die Funktion dieses Lappens stillgelegt. "Für den Patienten ist das kein Schaden, denn es findet in diesem Teil der Lunge ohnehin schon kein Gasaustausch mehr statt."
In Frage kommt das Verfahren allerdings nicht für jeden COPD-Fall: "Es ist geeignet für Patienten, bei denen nur ein Lappen extrem überbläht ist." Die Lunge besteht rechts aus drei und links aus zwei Lappen. Margarete Welsch ist ein klassischer Fall. Bei ihr war der obere rechte Lungenlappen extrem aufgebläht: Alhanna setzte insgesamt vier Ventile ein. Schon nach einem Tag war der betroffene Lungenlapppen geschrumpft. Er ist jetzt winzig klein, drückt nicht mehr auf den mittleren und unteren Lappen, die dadurch ihre Aufgabe wieder erfüllen können.
Zur Unterstützung hat Margarete Welsch ein Sauerstoffgerät, einen akkubetriebenen so genannten Sauerstoffkonzentrator, der den Sauerstoff aus der Umgebungsluft holt. Mindestens 16 Stunden am Tag braucht sie dieses Hilfsmittel. Warum? Alhanna erklärt: "Durch die Lungenerkrankung sind die Organe unterversorgt. Das Gerät bewirkt, dass man wieder leistungsfähiger ist." Zusätzlich braucht die 50-Jährige noch Medikamente, die erweiternd auf die Bronchien und entzündungshemmend wirken. Mit dem Rauchen hat die Marktschorgasterin aufgehört - zur Freude ihres behandelnden Arztes: "Wer es sein lässt, profitiert am meisten. Selbst eine einzige Zigarette schadet und vermindert den Effekt der Therapie."

Spiralen spannen das Gewebe

Wenn nicht nur ein Lungenlappen, sondern das ganze Organ betroffen ist, können statt der Ventile kleine Spiralen, so genannte Coils, eingesetzt werden, die im Idealfall erst in die eine, in einem zweiten Schritt in die andere Lungenhälfte implantiert werden. Sie schützen kleine Luftwege durch Nachspannen von Lungengewebe vor dem Kollabieren. Dies verbessert die Fähigkeit der Lunge, sich beim Ausatmen zusammenzuziehen. Die Spiralen helfen auch, das betroffene Lungengewebe zu verdichten, wodurch das übermäßige Volumen und die eingeschlossene Luft abnehmen.
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