Harsdorf
Auftritt

Döner und andere "Leichen"

Die Theatergruppe des TSV Harsdorf feierte am Samstag eine umjubelte Premiere.
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Es war eine umjubelte Premiere, die die Theatergrupe des TSV Harsdorf am Samstagabend feiern konnte. In ihren Rollen überzeugten (von links) Dirk Wesser, Heike Schoberth-Wesser, Klaus Fischer, Andreas Heußinger, Ramona Hofmann und Stephan Hereth.Werner Reißaus
Es war eine umjubelte Premiere, die die Theatergrupe des TSV Harsdorf am Samstagabend feiern konnte. In ihren Rollen überzeugten (von links) Dirk Wesser, Heike Schoberth-Wesser, Klaus Fischer, Andreas Heußinger, Ramona Hofmann und Stephan Hereth.Werner Reißaus
Der Start in die 35. Saison der Theatergruppe des TSV Harsdorf hätte nicht besser sein können, denn am Samstagabend feierte man eine umjubelte Premiere, dabei mit einem Schwank aus der Feder von Bernd Gombold, dessen Titel allein schon vielsagend war: "Döner, Durst und Dosenwurst". Es war natürlich eine "einfache Kost", die die Theaterliebhaber serviert bekamen, aber wie die Harsdorfer Laienspieler das Stück mehr oder weniger gemeinsam inszenierten, war ausgesprochen brillant und prickelnd zugleich. Kein Wunder, dass das Publikum am Ende von dem spritzigen und mitunter sehr turbulenten Volksstück total begeistert war und oftmals Szenenapplaus spendete. Es war ein turbulenter Spaß von der ersten bis zur letzten Szene, vollgepackt mit amüsanten Wortspielereien, Situationskomik und kernigen Sprüchen.


Neun weitere Vorstellungen

Noch neun weitere Vorstellungen werden folgen. Für die eingefleischten Theaterfans in der Region sind die Aufführungen der Harsdorfer Laienspieler längst zu einem Muss geworden.
Schon beim ersten "Vorhang auf!" waren die Theaterfreunde überrascht, denn Dirk Wesser, Stephan Hereth, Andreas Heußinger, Thomas Hirschmann und Siegfried Menzel war es gelungen, ein tolles Bühnenbild zu "zaubern" - mit einem Dorfplatz im Mittelpunkt, um den sich neben einem Friseurstudio, eine Metzgerei, ein Tattoo- und Fitnessstudio und ein Döner-Imbiss reihten. Das Bühnenbild verdient umso mehr Bewunderung, denn mit Ausnahme von "Siggi" Menzel schlüpften die anderen Kulissenbauer alle noch selbst in Rollen.

Wenn auf einem Dorfplatz ein Dönerladen dem gewohnten Bild einer Bäckerei folgt, dann erregt das in der Regel bei den Geschäftsleuten rundum nicht nur Skepsis, sondern auch Argwohn. Vor allem die naive und nicht unbedingt "helle" Fleischereifachverkäuferin Edeltraud artikulierte es mit ihren köstlichen Versprechern mehr als deutlich. Eine Riesenrolle, die Franziska Zapf wie auf dem Leib geschrieben war. Sie war das belebende Element und zugleich die überragende Darstellerin in diesem Stück und löste schon allein mit ihren Versprechern immer wieder wahre Lachsalven aus. Wie beim Bruttosozialprodukt, das sie als Butter-Spezialprodukt bezeichnete oder beim Schließen von Kompromissen, die bei ihr herkömmliche Kompressen waren.

Eine Paraderolle fand man auch für Andreas Heußinger als Döner-Imbiss-Besitzer Erkan, den er als Macho-Türke sehr temperamentvoll und impulsiv spielte. Er lädt die Bevölkerung und alle Nachbarn zu sich ein und bietet Sonderkonditionen. Auch die Rektorin der örtlichen Grundschule, Frau Wohlwinder- Niedermüller, soll auf Döner für ihre Schüler umsteigen, was ihr aber überhaupt nicht passt. Ramona Hofmann spielte die notorische Nörglerin sehr gekonnt, die nicht nur besserwisserisch wirkte, sondern auch mit ihrem affektierten Auftreten im Dorf aneckte.


Heftige Dispute

Immer wieder kam es zu heftigen Disputen, ob denn das Dönerfleisch von Erkan gar mit Kuheuter von alten Kühen angereichert ist. Mittendrin war eigentlich immer die Fleischereifachverkäufer Edeltraud, die sogar auf den Wunsch der Bauersleute Karl und Magda Fischer (Klaus Fischer und Heike Schoberth-Wesser) einging, deren irgendwie unbeholfenen und zurückgebliebenen Sohn August (Thomas Hirschmann) zu verführen, was aber damit endete, dass dieser im Kühlraum übernachten musste.


Faustdick hinter den Ohren

Klaus Fischer und Heike Schoberth-Wesser waren wie geschaffen für das Bauersehepaar. Er mit seiner sehr direkten und schlitzohrigen Art und sie als altbackene Erscheinung, die es aber faustdick hinter den Ohren hatte. Sohn August passt da gar nicht in deren Klischee, aber er wurde von Thomas Hirschmann treffend gespielt.

Das Dorfplatzfest nimmt nach der von Erkan spendierten "Rauchertüte" mit zweifelhaftem Inhalt ein schauriges Ende. Rektorin Wohlwinder-Niedermüller und Joe (Stephan Hereth), der Inhaber des Tatoo- und Fitnessstudios, sind verschwunden, das Auto von der Rektorin wird in einem Graben gefunden, ein Fleischermesser, etliche Lockenwickler der Hair-Killerin Gitti (Heidi Dörfler) und der Dönerspieß liegen blutig darin und die Dienstmütze des Polizisten Edgar (Dirk Wesser) blutverschmiert daneben.

Man befürchtet das Schlimmste, will die "Leichen" vielleicht für Dosenfleisch verwendet wissen. Stephan Hereth passt in die Rolle des "schrägen Vogels" Joe, die flotte und aufgedrehte Friseurin wird von Heidi Dörfler sehr authentisch dargestellt und der Polizist ging von Beginn an jeder Arbeit aus dem Weg. Die einzig Nüchterne des wüsten Gelages vom Vorabend, die Bäuerin Magda, lüftete dann das nächtliche "Saufgelage". Als Statisten spielten Stephan Schicke, Barbara Gewinner und Matthias Linke mit.

Die Harsdorfer Laienspieler sind seit Jahren ein total eingespieltes Team, das von der Freude am Theaterspieler über all die Jahre nichts verloren hat.
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