Blaich
Wohnungsbau

Doch keine Häuser am Hang in der Unterpurbach in Kulmbach?

In der Unterpurbach in Kulmbach wehren sich die Anwohner gegen ein Bauvorhaben. Nun ist zweifelhaft, ob das Projekt überhaupt verwirklicht werden kann.
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An diesem Hang will ein Investor  sieben Wohnhäuser bauen. Foto: Katrin Geyer
An diesem Hang will ein Investor sieben Wohnhäuser bauen. Foto: Katrin Geyer
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Können die Anwohner der Unterpurbach aufatmen? Sind die Pläne, am Hang hinter ihren Häusern Neubauten zu errichten, vom Tisch? Ganz so weit ist es noch nicht. Aber einiges deutet darauf hin, dass bald wieder Ruhe einkehrt in der Blaich.

Dass sich nun erst noch einmal der Kulmbacher Stadtrat mit der Angelegenheit beschäftigen wird, erfuhren Kerstin Kreiner-Bischoff und Karin Hoffmann, die dieser Tage im Rathaus namens der Anlieger eine Liste mit 123 Unterschriften übergaben, von Oberbürgermeister Henry Schramm. Aber der sagte ihnen auch: "Ich persönlich denke, dass das Vorhaben so nicht zu verwirklichen ist." 1. Worum genau geht es? Der Kulmbacher Stadtrat hatte sich in seiner Sitzung im Februar mit einer ganzen Reihe von Wohnbauprojekten beschäftigt. Unter anderem lag auch eine Anfrage eines Immobilien-Unternehmens vor, das am Hang östlich der Straße Unterpurbach in der Blaich Wohngebäude errichten will. Der Stadtrat gab damals sein Einverständnis zu einer Prüfung der Anfrage. 2. Welche Bedenken haben die Anlieger gegen das Bauvorhaben? Bei den Anliegern in der Unterpurbach regte sich Protestgegen das Vorhaben. Bei einem Ortstermin im Mai äußerten sie eine ganze Reihe von Bedenken. So hatten sie Sorge, dass nach einer Bebauung der Autoverkehr zunehmen könnte. Sie machten deutlich, dass an dem Hang große, alte Bäume stehen und dass dort unter anderem seltene Feldermausarten und Lurche leben. Zweifel wurden laut, ob der Kanal in der Unterpurbach ausreichend groß dimensioniert ist, um das Oberflächenwasser aufzunehmen, das abläuft, wenn der Hang bebaut ist.

Und nicht zuletzt äußerten die Anwohner die Angst, dass der Hang, der ohnehin schon instabil sei, durch Bauarbeiten in Bewegung kommen könnte, was Schäden an ihren Häusern zur Folge haben könnte. 3. Woher rührt die Angst, der Hang könnte instabil sein? Ende der achtziger Jahre hat es schon einmal Pläne gegeben, den Hang zu bebauen. Aus diesem Grund gibt es entlang der Unterpurbach auch einige Stichstraßen. Sie sollten das Baugebiet erschließen.

Jörg Naumann, Geschäftsführer der Bauträger-Firma Jöna, hat sich damals für das Gelände interessiert. Wie er der BR auf Anfrage sagte, hat er letztlich auf Anraten von Experten seine Baupläne wieder fallen lassen. "Man hat mir damals wörtlich gesagt, der Hang sei löchrig wie ein Schweizer Käse."

Das liegt an einer ganzen Reihe von Schächten und Kellern, die wohl Relikte der Fleischfabrik Sauermann sind, die an dieser Stelle einmal ihre Produktionsstätte hatte. Einige der Schächte münden sichtbar in den Hang. Es gibt aber wohl auch Hohlräume, die derzeit nicht bekannt sind.

Friederike und Klaus Köstner, die schon lange dort leben, erinnern sich gut daran, dass einmal ein großer Bagger, der für Bauarbeiten benötigt wurde, einfach in den Boden eingebrochen war. Dieser Hohlraum wurde damals verfüllt. Heute befindet sich auf dem Gelände der Kinderspielplatz. 4. Wie ist die rechtliche Lage? Die ist, um es salopp zu sagen, kompliziert. Für das Gelände, um das es geht, gibt es einen rechtsgültigen Bebauungsplan. Der sieht fünf mehrgeschossige Wohnhäuser vor. Der Interessent will die Bebauung offensichtlich verdichten und sieben Häuser bauen.

Dafür bedarf es einer Bebauungsplan-Änderung, über die der Stadtrat entscheiden muss. Zusätzlich muss für die Häuser dann eine Baugenehmigung erteilt werden.

Prinzipiell kann sich ein Interessent auf den gültigen Bebauungsplan berufen. Wollte man ihm den Bau untersagen beziehungsweise den Bebauungsplan einziehen, könnte er theoretisch gegen diese Entscheidung klagen. Ob der Klage stattgegeben wird, liegt dann daran, wie stichhaltig die Argumente gegen eine Bebauung sind. 5.Was ist seit der Stadtratssitzung im Februar geschehen? Bei der Stadt Kulmbach ist das Anliegen des Interessenten (der der BR noch nicht namentlich bekannt ist), eingehend geprüft. Bei einer solchen Vorprüfung werden unter anderem Naturschutzbehörden mit einbezogen. Es wird geprüft, ob sich der Baugrund überhaupt für die vorgesehene Bebauung eignet, ob eine ordentliche Verkehrserschließung gewährleistet werden kann und vieles mehr. Das alles dauert geraume Zeit, deswegen ist die Vorprüfung auch erst jetzt, ein halbes Jahr nach dem Stadtratsbeschluss, beendet. 6.Wie geht es jetzt weiter?

Details zum Ergebnis der Vorprüfung hat Oberbürgermeister Henry Schramm beim Gespräch mit den Vertreterinnen der Anlieger nicht bekanntgegeben. Dafür bat er um Verständnis: Er möchte erst den Stadtrat informieren. Allerdings gibt es wohl auch unter Fachleuten erhebliche Bedenken, ob sich das Bauprojekt in der angedachten Form realisieren lässt.

Der Stadtrat wird sich mit dem Ergebnis der Vorprüfung beschäftigen und dann eine Entscheidung treffen. Ob das schon in der September-Sitzung der Fall sein wird, steht allerdings noch nicht fest. 7. Welche Entwicklungen wären denkbar? Sofern der Stadtrat auf der Basis der Vorprüfung der vorgesehenen Verdichtung nicht zustimmt, ist der Plan, sieben Häuser zu bauen, hinfällig.

Dann wird sich zeigen, ob der Interessent sein Vorhaben ganz und gar aufgibt - oder ob er sich auf den rechtsgültigen Bebauungsplan beruft.

Weitgehend spekulativ und von den Verfahrensbeteiligten unkommentiert ist die Annahme, dass sich eine Bebauung in der vor mehr als 30 Jahren vorgesehenen Form vermutlich nicht rechnet. Die Struktur des Hanges erfordert vermutlich besonders stabile und damit besonders teure Fundamente. Das könnte der Grund für den Bauwerber sein, eine Verdichtung anzustreben: Wenn mehr Wohneinheiten entstehen, verringern sich die anteiligen Kosten für die Fundamente.

Die "kleine Lösung" könnte dazu führen, dass das Projekt zu teuer wird. Aus wirtschaftlichen Gründen müssten dann die einzelnen Wohneinheiten verhältnismäßg teuer vermietet oder verkauft werden. Es ist fraglich, ob sich solche Preise auf dem Kulmbacher Markt erzielen lassen. Der Interessent würde seine Anfrage dann womöglich zurückziehen.



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