Thurnau
Gemeinderat

Discounter sorgen für Diskussion im Thurnauer Gemeinderat

Im alten Edeka-Gebäude wollen sich Tedi und Kik ansiedeln. Die SPD-/OL-Fraktion ist dagegen. Im Gemeinderat entbrannte dazu eine Grundsatzdebatte.
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Einkaufswagen der deutschen Handelskette Tedi. Foto: Ina Fassbender, dpa
Einkaufswagen der deutschen Handelskette Tedi. Foto: Ina Fassbender, dpa

Seit über einem Jahr steht der alte Edeka-Markt am Ortsrand von Thurnau leer. Edeka hat ein größeres und moderneres Gebäude gebaut und ist längst ins Herz des Marktes umgezogen. Für die künftige Lösung des 1400 Quadratmeter großen, leerstehenden Gebäudes zeichnet sich nun eine Lösung ab. Der alte Verbrauchermarkt soll in zwei Einheiten aufgeteilt werden; einziehen wollen die Discounter Kik und Tedi. Laut Baugesetzbuch liege gegen die Aufteilung in zwei Verkaufseinheiten kein Hinderungsgrund vor, schickte Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) voraus.

Doch ganz anders sah dies die SPD-/OL-Fraktion und strengte eine Grundsatzdiskussion über die Discounter an. "Solche Billigmärkte passen nicht zu Thurnau. Sie passen nicht zu dem Anspruch, den wir haben, und sie sind nichts für die Ortsmitte", stellte Dietmar Hofmann (SPD) klar und gab noch zu bedenken, dass sich die Ansiedelung auf bereits vorhandene Einzelhändler und deren Fachgeschäfte negativ auswirken könne. Hofmann betonte, dass die SPD der Herkunft der Produkte kritisch gegenüberstehe. Auch die Tatsache, dass bei beide Marktketten, die zur Tengelmann-Gruppe gehören, 25 000 Beschäftigte arbeiten, es aber keinen Betriebsrat gebe, gefalle der SPD-Fraktion nicht. "Nächste Woche wird der Landkreis Kulmbach zu einem Fair-trade-Landkreis ausgerufen - wir sollten ein Zeichen setzen und die Aufteilung ablehnen", sagte Dietmar Hofmann im Brustton der Überzeugung. "Tedi ist vollkommen verzichtbar", betonte auch Volker Seitter (SPD).

Doch die anderen Fraktionen konnten sich mit dieser kritischen Haltung nicht anfreunden. "Wenn wir dem Antrag auf Aufteilung der Verbrauchermärkte nicht folgen, würden wir rechtswidrig handeln. Es geht ja nicht um eine Nutzungsänderung, sondern nur um die Teilung der Fläche. Es besteht ein Rechtsanspruch - ein Zuwiderhandeln könnte verheerende finanzielle Folgen haben", warnte Veit Pöhlmann (FDP).

Pöhlmann betonte, dass er es nicht als seine Aufgabe erachte, den Verbrauchern vorzuschreiben, wo und für wie viel Geld sie kaufen sollten. "Wir haben geworben, dass keine Ruine entsteht. Wir sollten dem Eigentümer, der sich sehr bemüht hat, keine Steine in den Weg legen", sagte Pöhlmann und betonte, dass er überzeugt sei, dass die Ansiedelung der Billigmärkte sich positiv auf die Kaufkraft und auf die drei Einkaufsmärkte auswirke.

"Wir freuen uns, dass der Einkaufsmarkt wiederbelebt wird. Wir denken, die Märkte bereichern unser Angebot", sagte auch Brigitte Soziaghi (CSU). "Wir hatten früher auch einen NKD und keiner hat was gesagt. Ich freue mich, dass Thurnau auch für einfache Leute und für Leute, die billig kaufen wollen, etwas hat", sagte Jürgen Kieslich (CSU).

"Das, was die SPD sagt, stimmt schon. Man sollte sich grundsätzlich Gedanken machen, wie Produkte hergestellt werden, aber hier geht es doch nur um die Aufteilung. Wir haben heute nur nach Baurecht zu urteilen", stellte Klaus Förster (FW) klar.

"Die Märkte steigern die Kaufkraft. Sie werden für einen Schub sorgen und helfen, Thurnau attraktiv zu machen", erklärte auch Erwin Schneider (FW-ÜWG).

Schließlich befürworteten die Thurnauer Marktgemeinderäte die Aufteilung des alten Edeka-Marktes - allerdings mit drei Gegenstimmen.

Nichts einzuwenden hatten die Räte gegen den Antrag der Norma auf Errichtung von Werbepylon, Röhrenbändern und Werbeschilder. Auf die Fahnen solle der Norma-Markt allerdings verzichten. Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) hatte schon im Vorfeld mit den Verantwortlichen gesprochen und hatte darauf hingewiesen, dass auch bei anderen Märkten keine Fahnen genehmigt worden waren.

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