Neudrossenfeld
Porträt

Dieter Schaar zieht es jetzt in die Fußball-Stadien

Dieter Schaar will sich in seiner Zeit nach dem Neudrossenfelder Bürgermeisteramt seiner Leidenschaft - dem Fußball - widmen. Das erste Ziel ist die Champions-League.
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Die Arbeit im Rathaus ist für Dieter Schaar bald vorbei. Foto: Jürgen Gärtner
Die Arbeit im Rathaus ist für Dieter Schaar bald vorbei. Foto: Jürgen Gärtner
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Champions-League-Finale, 23. Mai, Lissabon, Portugal. Den Termin hat sich Dieter Schaar dick im Kalender angestrichen. Die Eintrittskarte ist geordert.

Als leidenschaftlicher Fußball-Fan hat sich der scheidende Bürgermeister fest vorgenommen, künftig mehr Spiele live mitzuerleben - und nicht nur die des TSV Neudrossenfeld. Dieter Schaar, der nach zwölf Jahren nicht mehr kandidiert hatte, will in seiner neu gewonnenen Freizeit auf jedem Fall "das eine oder andere Stadion in Deutschland besuchen". Vor allem die Spiele seines Lieblingsvereins Borussia Mönchengladbach.

Beim Champions-League-Finale ist es ihm als Sport-Fan dagegen egal, wer spielt. Er erwartet einfach nur hochklassigen Fußball. "Obwohl ich mich freuen würde, wenn Bayern München dabei wäre", sagt Schaar.
Zeit für so ein Hobby, das ist etwas, das Schaar bislang so nicht hatte.
Das Bürgermeisteramt ("Wenn man Bürgernähe zeigen will") lasse wenig Freiraum für andere Aktivitäten.

Zeit für eine Bilanz

Und genau das ist der Punkt, der ihn mit 61 Jahren auf eine erneute Kandidatur verzichten ließ. "Man kann eine Gemeinde wie Neudrossenfeld nur mit voller Kraft führen. Ich habe meinen Job mit Herzblut gemacht, auf Urlaub verzichtet, nie Überstunden oder Dienstreisen abgerechnet. Aber ich habe das Gefühl, dass meine Kraft nicht bis zum Ende einer erneuten Amtsperiode reicht. Und mittendrin aufhören will ich nicht." Zeit für einen Schlussstrich. Und eine Bilanz, die noch weit über die Bürgermeister-Zeit hinaus geht.

Denn bereits 1984 wurde Schaar zum ersten Mal für die Freien Wähler in den Gemeinderat gewählt. Da wohnte er erst ein paar Jahre in Neudrossenfeld. "Ich bin geborener Unterwaizer und habe später in Heinersreuth gewohnt. Ich bin also schon Rotmaintaler", schmunzelt er. 1977 habe er nach Neudrossenfeld geheiratet, gebaut und 1978 das Eigenheim bezogen. "Seitdem bin ich in Neudrossenfeld."

Der Neubürger integrierte sich schnell. "Ich war kein schlechter Fußballer, deshalb wollte mich der TSV haben. Also bin ich von Heinersreuth hergewechselt." Das war der Einstieg in die Vereine. Es dauerte nicht lange, dann war Dieter Schaar nicht nur Fußballer, sondern auch Hauptkassier. Und er baute mit Fritz Jakob die Volleyball-Abteilung auf, die heute in der Bayernliga spielt.

Damals habe TSV-Vorsitzender Alfred Zeilner gemerkt, "dass man mit mir was anfangen kann", resümiert Schaar. Denn Zeilner war damals auch Vorsitzender der Freien Wähler und holte Schaar dort ebenfalls mit ins Boot. "Es war nicht schwer, mich zu überzeugen, weil mein Schwiegervater auch dabei war." Als einer von vier FW-Gemeinderäten zog er dann 1984 ins Gremium ein, wurde nicht nur Fraktionssprecher, sondern auch Ortsverbandsvorsitzender. Dass das inzwischen 30 Jahre zurückliegt, kann er selbst kaum glauben. Viel hat sich getan in dieser Zeit in der Gemeinde mit Blick auf Straßen, Schule, Wasserversorgung und vielem mehr.

Aus acht Gemeinden entstanden

Der 61-Jährige erinnert sich an schwierige Zeiten: "Anfangs war es kompliziert, weil die Gemeinde Neudrossenfeld mit der Gebietsreform 1978 aus acht ehemals selbstständigen Gemeinden gebildet wurde." Aus diesen acht selbstständigen Gemeinden resultiere noch heute das intensive Leben auf den Dörfern.

Schaar freut es, dass es der Gemeinde gelungen ist, ständig zu wachsen. Von 1984 sei die Zahl der Einwohner in 20 Jahren um etwa 1000 gestiegen. Offiziell leben heute 3834 Personen in Neudrossenfeld.

Bevor Dieter Schaar 2002 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, war er an verschiedenen Stationen an der Regierung von Oberfranken in Bayreuth tätig. Anfangs als Sachbearbeiter für das kulturelle Zonenrandförderungsprogramm, dann für das Straßenrecht und schließlich für den Geschäftsbetrieb und die inner betrieblichen Abläufe der Behörde.

In seiner politischen Laufbahn hat Schaar in 30 Jahren natürlich viel erlebt, große Projekte mitgestaltet. Zum Beispiel den Bau der Umgehung der B 85 von Neudrossenfeld. "Früher führte die Bundesstraße mit massivem Lkw-Verkehr mitten durch den Ort. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen." Der Bau der Umgehungsstraße sei auch die Voraussetzung für die Städtebauförderung gewesen.

Schloss spaltete die Geister

Ein großes Thema war auch die Sanierung des Schlosses in den 1980er Jahren. Zieht die Gemeindeverwaltung ins Schloss oder baut sie neu? An dieser Frage schieden sich damals die Geister, der Ort war in zwei Lager gespalten. Die Entscheidung fiel für einen Rathausneubau. Dass nur wenige Jahre später Bankier Karl Gerhard Schmidt das Schloss sanierte, ist wohl als glückliche Fügung zu bezeichnen.

Ein weiteres prägendes Thema für Dieter Schaar sind die Europa-Tage, die 2003 zum ersten Mal in Neudrossenfeld stattfanden und im zweijährlichen Rhythmus durchgeführt werden. Damit locke der kleine Ort internationale Gäste nach Oberfranken, Graf Otto von Habsburg war ebenso schon da wie Hans-Dietrich Genscher. Wenn Schaar von den Veranstaltungen spricht, spricht er "von vielen schönen Augenblicken". Für das Engagement um Europa erhielt die Gemeinde schon das Europa-Diplom des Europa-Rats in Straßburg. "Das war sicher einer der Höhepunkt in meiner Amtszeit."

Nicht zu vergessen das größte Projekt in der Geschichte der Gemeinde: die Ortskernsanierung mit dem Hölzel-Anwesen. "Das auf die Reihe zu kriegen, war eine schwierige Geschichte." Es habe einer Menge Überzeugungsarbeit bedurft, den historischen Ortskern - oder wie Schaar sagt: "die Seele des Ortes" - nicht verfallen zu lassen.

Dass er die Fertigstellung des Ensembles nicht in seiner Amtszeit feiern kann, ist einer der wenigen Wermutstropfen für Dieter Schaar. "Ich hätte es schon gerne eingeweiht", sagt er und liefert die Begründung gleich mit: "Weil es viel Kraft gekostet hat, weil man etwas bewegen und entwickeln konnte." Er ist fest davon überzeugt, dass Neudrossenfeld den Wert des Ensembles erkennen wird, wenn es komplett fertig ist. "Das wird eine Perle in der Region."

Und mit dem Startschuss für den Bau eines Seniorenheims werde eines der letzten verbliebenen Probleme in der Gemeinde gelöst. "Ich hoffe, das klappt."

Stolz ist der scheidende Bürgermeister auf seine Verwaltung mit Rainer Schimpf an der Spitze und den Bauhof. "Ohne solche Mitarbeiter wäre die Gemeinde heute nicht das, was sie ist." Umso bedauerliches sei es, wenn diese Leute in der Kritik stünden.

Danach gefragt, was er sich für die Gemeinde wünscht, überlegt sich Dieter Schaar die Worte gut: "Ich wünsche mir, dass das Gemeinschaftliche in Neudrossenfeld zwischen Bürgermeistern, Verwaltung und Gemeinderäten auch weiter Bestand hat. Es ist ein großer Wert, dass man in Harmonie und Zusammenhalt auch unterschiedlicher Meinung sein kann."
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