Kronach
Wandern auf dem Frankenweg

Dieser Fernweg ist ganz nah: Wandern auf dem Frankenweg (mit GPX-Track und digitaler Karte)

Zwei Kulmbacher Familien knöpfen sich den Frankenweg vor - 106 von 520 Kilometer sind bereits geschafft.
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Durch die "Grüne Krone Bayerns", wie ein Werbeslogan den Frankenwald tituliert, wanderten zwei Kulmbacher Familien 2018. In fünf Tagen legten sie 106 Kilometer auf dem Frankenweg zurück. Foto: privat
Durch die "Grüne Krone Bayerns", wie ein Werbeslogan den Frankenwald tituliert, wanderten zwei Kulmbacher Familien 2018. In fünf Tagen legten sie 106 Kilometer auf dem Frankenweg zurück. Foto: privat
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  • Wandern in Oberfranken: Unterwegs auf dem Frankenweg
  • Streckenlänge: 520 Kilometer
  • Dauer: mehrere Tagesetappen

Aida? Nix da! Wir entdecken Franken, so weit uns die Füße tragen. 520 Kilometer stehen auf dem Plan. Vier Erwachsene und fünf Kinder haben sich ein großes Ziel gesetzt. Und dauert es auch mehrere Jahre - jeder Meter Frankenweg soll auf eigenen Beinen gelaufen werden. Die ersten 106 Kilometer sind geschafft, und das binnen nur fünf Tagen.

Vor dem Abenteuer stellen sich aber jede Menge Fragen: Wieviel Gepäck kann man tragen? Welche Kleidung nehmen wir mit? Was, wenn man vom Gewitter überrascht wird? Wo übernachten wir? Und überhaupt: Was kann man Kindern im Alter zwischen fünf und elf Jahren zumuten? Halten sie durch? Oder bleibt die Lust schnell auf der Strecke?

Die Stiftung Warentest hat Wanderstiefel unter die Lupe genommen und verglichen. Das Ergebnis überrascht - wir stellen Ihnen die Testsieger vor.

Bloß nicht verrückt machen

Vorab die Erkenntnis nach der Premieren-Woche auf dem rot-weißen Fernwanderweg und ein Tipp für Nachahmer: Machen Sie sich nicht verrückt, Sie planen ja keine Afrika-Expedition. Wer eine mehrtägige Etappen-Wanderung auf dem Frankenweg plant, kommt allerdings an einer rechtzeitigen Buchung der Unterkünfte nicht vorbei.

Im Marschgepäck braucht man außer Brotzeit, ausreichend Getränken und Kleidung für alle Wetterlagen nicht viel. Und trauen Sie den Kindern ruhig etwas zu - auch kurze Beine können weit laufen, wenngleich ein bisschen Training im Vorfeld sicher nicht schadet. Wenn dann noch regelmäßige Pausen eingelegt werden, Schmetterlingsarten oder seltene Pflanzen bestimmt, am Bach Staudämme gebaut oder Türme erklettert werden, dann vergeht so ein Wandertag wie im Flug, die Eindrücke lassen die Anstrengung vergessen.

Im Jahrhundert-Sommer haben wir Glück - in einer heißen Woche bricht nur an einem einzigen Tag auf den letzten Metern ein Gewitter los. Die rot-weiße Markierung ist unser steter Begleiter, die Kinder spähen jedes Schildchen aus. Selten, dass man kurz überlegen muss, wo der Weg weitergeht.

 

Kaum andere Wanderer

Obwohl unsere Tour in den Pfingstferien stattfindet, treffen wir kaum andere Wanderer. Auf den insgesamt 106 Kilometern von Untereichenstein bis Kulmbach begegnen uns vielleicht 20 Menschen auf Schusters Rappen und ein paar vereinzelte Mountainbiker. Wir genießen die Stille und Einsamkeit der Wälder und die sattgrüne Natur, schauen von Aussichtstürmen über die sanften Hügel des Frankenwaldes, entdecken einen ehemaligen Steinbruch bei Köstenhof, wo der Graf zu Münster Anfang des 19. Jahrhundert von Sträflingen nach Fossilien suchen ließ, erkunden den Keller der in den 1930er Jahren aufgelassenen Einöde Güldenstein auf einer Anhöhe mitten im Wald über dem Rodachtal und bestaunen eine 200 Jahre alte Stileiche bei Kronach.

"Es gibt viele schöne Ecken, beschauliche Täler und dann wieder Höhen", sagt Markus Franz vom Frankenwald Tourismus. Seine Lieblingspassagen im Frankenwald sind die ersten Kilometer nach dem Start am Wanderdrehkreuz, der Weg über den Döbraberg ("Das Höchste, was Du im Frankenwald erleben kannst"), der Abstieg über Treppen von Rodeck zur Bischofsmühle ins Tal der Wilden Rodach und die Ausblicke bei Wustuben auf den Döbraberg und von der Radspitze.

Die fünfte und letzte Tagesetappe führt uns von Kronach nach Kulmbach. Beim Frühstück hören wir, dass schwere Unwetter vorhergesagt sind. Bloß nicht verrückt machen lassen, die letzten Kilometer in die Heimat werden wir auch noch schaffen.

Wir schlendern entspannt los, die Kinder dürfen noch im Wasserspielplatz auf der ehemaligen Kronacher Landesgartenschau toben und sich auf der Sommerrodelbahn vergnügen. Dann wird wieder richtig marschiert. Über das Bierdorf Weißenbrunn - in der örtlichen Brauerei druckt man uns witzigerweise für den Kauf eines einzigen Fläschla Bieres einen Lieferschein aus - erreichen wir die Kirchleuser Platte im Landkreis Kulmbach. Von Unwetter weit und breit keine Spur.

Die letzten Meter

Zwei unserer kleinen Wandergesellen sind schon etwas mürbe, beißen aber die Zähne zusammen. Vom Pater sberg aus kommt die Plassenburg in den Blick. Mit einer kleinen Motivationshilfe ("Jetzt geht's nur noch bergab") schaffen auch die Kinder die letzten Meter bis nach Kulmbach. Hier geht's dann weiter - aber erst ein Jahr später.

Höhepunkte der Etappe

Auf der Strecke gibt es viel Abwechslung - ein paar Beispiele:

Radspitzturm

Der 20 Meter hohe Radspitzturm auf 678 Metern Höhe wurde 1955 von der Ortsgruppe Seibelsdorf des Frankenwaldvereins erbaut. Er ist der Nachfolger eines hölzernen Turms, der hier nur von 1886 bis 1898 stand, ehe er durch die strenge Witterung des Frankenwaldes wieder marode war. Vom Radspitzturm hat man einen grandiosen Ausblick auf den steilen Abhang der Fränkischen Linie, einer geologischen Verwerfung, die Drachenflieger zum Abheben nutzen.

Naturdenkmal

Einer der schönsten Streckenabschnitte ist die imposante Zeyerner Wand, ein Muschelkalkfelsen am Prallhang der Ur-Rodach. 200 Millionen Jahre Erdgeschichte sind hier zu sehen, freigelegt durch die gewaltigen Erosionskräfte des Wassers. Eisvogel und Wasseramsel fühlen sich hier wohl. Allerdings wird bald die neue Ortsumgehung von Zeyern dieses einzigartige Geotop erheblich bedrängen, die Fahrbahn auf Betonsäulen ist ein starker Einschnitt ins Naturschutzgebiet.

Flößermuseum

Holz war für viele Bewohner im Frankenwald über Jahrhunderte hinweg Lebensgrundlage. Bis nach Holland wurden die Stämme geliefert - per Floß über die Rodach und den Main. Die Geschichte der Flößerei im Frankenwald wird im Flößermuseum in Unterrodach gezeigt, dafür macht der Frankenweg eigens eine Schleife in den Ort hinein.

Talfahrt

Sitzen tut gut - vor allem nach einer langen Wanderung. Wer in einem der Schlitten der Sommerrodelbahn Fröschbrunna am Ortsende von Kronach (Richtung Kulmbach) Platz nimmt, hat mit Sicherheit seine Gaudi. Und als Vater irgendwann das Problem, von der Geschwindigkeit berauschte Kinder wieder zum Weiterlaufen zu animieren. In der dazugehörigen Wirtschaft sind die Bio-Hähnchen aus eigener Aufzucht die Spezialität.

Einkehr Im Weiler Mittelberg auf der Radspitze findet man nicht nur eine Wirtschaft ("Radspitz-Stubn") mit der besten Aussicht weit und breit, sondern auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Auf dem idyllisch gelegenen "Schlossberghof" auf 620 Metern Seehöhe stand einst ein befestigter Herrensitz der Orlamünder, der 1462 zerstört wurde. Jetzt bewirtschaftet die Familie Martini einen kleinen Bauernhof mit Streichelparadies für Urlauber-Kinder.

Und wer am Ende der Tour in Kronach 17 Kilometer in den Beinen hat, darf sich auch was gönnen. Im "Antlabräu" (Antla = eigentlich coburgerisch für Ente) kommt nicht nur das namensgebende Tier als Braten auf den Tisch, sondern auch ausgefallene fränkische Spezialiäten wie Jungbullen-Brust. Ausgezeichnet sind auch die Biere, alle mit Bio-Siegel. Neben klassischen Sorten wie "s'Antla-Einser" bringt Braumeister Markus Keller auch moderne Sorten wie Indian Pale Ale (IPA), Stout oder das Champantla (mit Champagner-Hefe!) an den Hahn.

Die digitale Route

Die Koordinaten zum Frankenwegfinden Sie im GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden.

Hier gibt es noch viel mehr Infos zum Thema Wandern in Franken.

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